Große Klubs unzufrieden
TV-Fußball-Übertragung bis Saisonende gesichert

Die Fußball-Fans können aufatmen und sich auf ein spannendes Saisonfinale vor dem Fernseher freuen. Auch an den letzen beiden Bundesliga-Spieltagen wird es die gewohnten TV-Übertragungen geben.

dpa MÜNCHEN/HANNOVER. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nahm ihren angedrohten Fernseh-Boykott zurück und akzeptierte im Streit um die Zahlung einer Rate aus dem TV-Vertrag von rund 100 Mill. ? einen Kompromiss mit dem Lizenznehmer Kirch Media. Das insolvente Unternehmen sicherte am Freitag eine Extrazahlung von 21 Mill. ? für den 33. und 34. Spieltag zu.

Überschattet wurde der Teilerfolg der DFL durch die nicht zu übersehenden Differenzen zwischen den Topclubs und dem Rest der Liga. Während viele kleinere Vereine hinter dem Vorgehen der DFL stehen, sagte Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund, er sei mit dem angedrohten TV-Boykott "absolut nicht einverstanden". Bayern-Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge distanzierte sich aufs Schärfste von der Vorgehensweise der DFL: "Es kann nicht sein, dass, wenn die Kirch-Gruppe finanzielle Probleme hat, unser Fan, der Zuschauer oder auch nur ein Fußball-Freund bestraft wird. Das ist ein Unding, da machen wir nicht mit." DFL-Geschäftsführer Michael Pfad widersprach der Darstellung der Verantwortlichen des FC Bayern, sie seien nicht in Kenntnis gesetzt worden über das DFL-Vorgehen. Die Münchener Führungsspitze sei über die Pläne "breitflächig" informiert gewesen, so Pfad.

Während die TV-Übertragungen bei SAT.1, ZDF, ARD, DSF und Premiere für den Rest der Saison gesichert sind, müssen die 36 Profivereine weiter um das Geld aus dem bis 2004 laufenden TV-Vertrag zittern. Die Annahme der 21 Mill. ? hat laut Pfad "keine Auswirkungen auf die nach wie vor bestehende Forderung der Liga auf vollständige Erfüllung der vierten TV-Rate". Diese wird am 15. Mai fällig. Offen wären nach der Teilzahlung noch rund 80 Mill. ? für die absolvierten Spieltage 27 bis 32 der laufenden Saison.

Die DFL hatte eine Sicherheit für die fällige Rate in voller Höhe gefordert, aber nicht erhalten. In der kommenden Woche will der Ligaverband weiter mit der neuen Geschäftsführung der zahlungsunfähigen KirchMedia und dem vorläufigen Insolvenzverwalter verhandeln. Nach Pfads Angaben ist auch eine Kündigung des TV- Vertrages denkbar, wenn es zu keiner Einigung komme. Eine erneute Boykottdrohung sei jedoch ausgeschlossen.

Laut TV-Vertrag stehen insgesamt noch 900 Mill. ? bis 2004 aus. Diese wird die Liga von der KirchMedia kaum erhalten. Das seit 8. April zahlungsunfähige Unternehmen will zwar weiter mit der DFL zusammenarbeiten, kann aber die vereinbarten Summen nicht zahlen. "Die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen dabei in fairer Partnerschaft berücksichtigt werden", hieß es in einer Pressemitteilung der KirchMedia.

Die Topvereine wie Leverkusen und auch Bayern München waren gegen die Boykottdrohung, weil sie laut Calmund "einen riesigen Imageschaden für den Fußball" fürchteten. Die Bayern-Führung bezeichnete die Drohung als "nicht tragbar". Anders sieht es bei den kleineren Vereinen aus, deren Existenz von der schnellen und kompletten Zahlung des TV-Geldes abhängt.

1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser hatte zum angedrohten schwarzen Bildschirm gesagt: "Wenn es keinen Fußball im Fernsehen gibt, kann ich es auch nicht ändern." Mit der DFL sei das Vorgehen "abgestimmt". Nürnbergs Manager Edgar Geenen sagte: "Es ist legitim, Zahlungen einzufordern für Leistungen, die schon erbracht wurden." Auch der FC St. Pauli erklärte sich mit dem Vorgehen der DFL "solidarisch", Manager Stephan Beutel sagte aber: "Der TV-Boykott ist mit uns nicht abgesprochen."

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