Große Koalition an der Weser verliert an Zugkraft
Bremer CDU hofft auf den Wechsel

Acht Jahre rot-schwarzer Kuschelkurs in Bremen könnte mit der Bürgerschaftswahl am Sonntag (25. Mai) ein Ende finden. Die SPD hat in Umfragen kontinuierlich an Zustimmung verloren und liegt mit 38 % der Stimmen nur noch knapp vor der CDU, die mit 36% schon fast an ihr Wahlergebnis von 1999 kommt. Daraus ergeben sich zwei mögliche Szenarien mit unterschiedlichen Folgen.

BREMEN. Möglichkeit eins: Der auf Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Henning Scherff ausgerichtete Wahlkampf zahlt sich aus und die SPD kann als stärkste Partei das Bündnis mit der CDU fortsetzen. Zwar könnte rechnerisch bei einem SPD-Wahlsieg auch eine rot-grüne Koalition möglich sein, wenn die Grünen die derzeitigen Umfragewerte von 12 % erreichen oder übertreffen. Allerdings rechnet in Bremen keiner damit. "Die SPD müsste sonst sagen: vielen Dank lieber Henning, dass Du uns dieses Wahlergebnis geholt hast - aber wir machen jetzt gegen deinen Willen eine andere Koalition", sagt Lothar Probst, Parteienforscher der Uni Bremen.

Eine rot-grüne Koalition wäre wahrscheinlicher, wenn - Möglichkeit zwei - die CDU Wahlsieger würde. Scherff will dann zurücktreten, und so bald der eher unternehmerfreundliche Scherff nicht mehr da wäre, könnten sich die Parteilinke um den Bremer SPD-Chef Detlef Albers durchsetzen.

Rechnerisch könnte bei einem Wahlsieg der CDU - nach dem Vorbild Kölns - auch eine schwarz- grüne Koalition möglich sein. Aus den Reihen der CDU hat sich schon der Fraktionschef in der Bürgerschaft, Jens Eckhoff, dafür ausgesprochen.

Für ein mögliches Scheitern der SPD am 25. Mai gibt es mehrere Gründe. Im Gegensatz zur Bürgerschaftswahl 1999 ist die Große Koalition nicht mehr unumstritten. Problematische Entscheidungen der Koalition für Großprojekte haben sich als Flop erwiesen. Das Bremer Musical ist gescheitert, ebenso der Bremer Spacepark, wie selbst CDU - Wirtschaftssenator Josef Hattig einräumte. Im SpaceparkVergnügungscenter seien 200 bis 300 Mill. Euro versickert, kritisiert der Landeschef der Grünen, Klaus Möhle.

Außerdem sei es der SPD nicht gelungen, den Abwärtstrend der Bundes- SPD aus dem Bremer Wahlkampf heraus zu halten, sagt Probst. Noch im März hatte SPD-Landeschef Albers erklärt, das Motto der Wahl laute "Bremen, Bremen, Bremen". Doch nun schlägt das Stimmungstief der Bundes-SPD auf Bremen durch. Schuld daran sei auch Scherff, der als populärer Chef der Großen Koalition nicht genug polarisiert und sich gegen die CDU abgesetzt habe. "Die SPD-Wähler in Bremen haben keinen klaren Gegner", sagt Probst.

Schließlich könnte der SPD die Abwanderung der Wähler zu den Grünen schaden. Während die SPD in der Wahl von 1999 den Grünen noch Stimmen rauben konnte, könnte es diesmal gerade umgekehrt sein. Rechte Wähler der SPD könnten dagegen zur DVU abwandern, die in Bremerhaven in der letzten Wahl auf einen Stimmanteil von mehr als 5 % kam.

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