Große Koalition
Der heiße Herbst naht

Noch bevor alle Abgeordneten aus der Sommerpause nach Berlin zurückgekehrt sind, haben die Grand beider Lager in Interviews Position bezogen und gleichzeitig die Uneinigkeit in vielen Punkten offengelegt.

BERLIN. Die Kulisse ist ein Weingut in der Nähe seines Geburtsortes Bad Bergzabern. Das ZDF-Team hat seine Kameras aufgebaut, dann folgen die ersten Fragen im traditionellen Sommerinterview. Und wie so oft, wenn der rheinlandpfälzische Ministerpräsident Kurt Beck spricht, vermitteln seine Antworten etwa Gemütliches. Der weiche pfälzische Akzent nimmt den Worten die Schärfe - obwohl Beck im Grunde eine Kampfansage nach der anderen Richtung Union feuert. Der Mindestlohn soll ausgeweitet werden, stärkere Beitragssenkungen in der Arbeitslosenversicherungen hält er für kaum machbar, die Entlastung der Firmen bei der Unternehmenssteuerreform müsse sich "auf die Nullgrenze zu bewegen".

Da ist sie, die Ankündigung eines ruppigen Herbstes für die große Koalition. Noch sind gar nicht alle Abgeordneten aus der Sommerpause nach Berlin zurückgekehrt, da haben die Granden beider Lager Position bezogen. In einer seltenen Flut von Interviews und Auftritten ziehen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Franz Müntefering, diverse Minister und Ministerpräsidenten am Wochenende vom Leder. Als sich der Staub der medialen Einschläge langsam setzt, wird deutlich, dass es kaum ein Thema gibt, an dem CDU/CSU und SPD nicht aneinander geraten sind - vom Terror bis zur Steuer.

Am heftigsten kochen die Emotionen bei der Gesundheitsreform hoch. Seit Wochen grummelt es hier in beiden Lagern - von der Basis hagelt es Kritik am Kompromiss. Und seit aus dem Gesundheitsministerium ein erstes, "sozialdemokratisch" wirkendes Arbeitspapier für die Umsetzung bekannt wird, toben die Christdemokraten. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sei eine "Belastung für die Koalition", giftet Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger. Es gebe ein "Grundmisstrauen". Schmidt habe ihr Ministerium nicht im Griff, stichelt CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer.

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