Große Koalition
Krach ohne Knall

In der großen Koalition sind die Parteien in einer höchst widersprüchlichen Position. Einerseits arbeiten sie im Kabinett gut zusammen. Andererseits müssen sie draußen um Mehrheiten kämpfen. Angela Merkel versucht zu einen - und doch ist ein Streit unausweichlich.

BERLIN. Die Minister der großen Koalition haben die Rollen getauscht. Anfangs klagten die Unions-Minister, wie unsexy ihre Ressorts seien und wie sie von den Roten über den Kabinettstisch gezogen werden. Wie Franz Müntefering sein Antidiskriminierungsgesetz hinterhältig durchgeboxt und wie Ulla Schmidt in der Gesundheitsreform getrickst hat.

Heute tragen die SPD-Damen und-Herren die Sorgenfalten zur Schau. Wie die CDU-Minister durchmarschieren, immer neue politische Vorschläge testen, mal bei der Postreform, mal bei der Krippenfinanzierung dem Koalitionspartner die Wähler abspenstig machen.

Innerhalb weniger Monate hat sich das Gleichgewicht der Abschreckung zwischen den fremdelnden Partnern verschoben. Das liegt daran, dass die Kabinettsneulinge gelernt haben, wie regiert wird. Sie sind sattelfest geworden wie Michael Glos, der sich ja nur widerwillig aufs Pferd setzen ließ und sich jetzt gern Galopp traut.

Es erklärt aber auch, warum da an einem Tag das Kriegsbeil ausgegraben, Casus Belli geschrien wird und das Ende droht - und es morgen weitergeht wie bisher. In der großen Koalition sind die Parteien in einer höchst widersprüchlichen Position. Einerseits arbeiten sie gut zusammen. So weit sind die Positionen im täglichen Regierungs-Klein-Klein gar nicht auseinander, es leben alle in derselben Wirklichkeit. Und in besonders brisanten Themen wie der Außenpolitik, die bekanntlich das Schicksal der Völker bestimmt, haben sich die Kanzlerin und SPD-Außenminister Frank Steinmeier-Walter in die Hand versprochen, dass sie sich nicht auseinander dividieren lassen. So funktioniert die gemeinsame Verantwortung fürs Land, und die Sticheleien von Kurt Beck bleiben unbeachtet.

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