Grosse Marke, kleine Unternehmen: Knirps
Ein kleiner Schirm will hoch hinaus

Knirps hat geschafft, was nur wenigen Firmen gelingt. Mit nur einem Produkt ist der Mittelständler seit 74 Jahren auf dem Markt.

HB HAAN. Nur einer von 20 Deutschen kennt ihn nicht. Das mag ein wenig auch mit dem diffizilen Mechanismus zu tun, mit dem der Winzling sich öffnet. Wehe, es wird feucht von oben und der Druck auf den roten Punkt führt nicht zu dem gewünschten Ergebnis: Dass aus dem Knirps ein echter Regenschirm wird. Es mag ein wenig auch mit dem Mechanismus zu tun haben, dass zwar 95 Prozent aller Deutschen ihn kennen, aber längst nicht jeder einen hat. 2,5 Millionen Taschenschirme verkauft die Knirps GmbH jährlich weltweit. Ihr Umsatz lag 2001 bei 35 Millionen Euro.

"Ich habe das Geschäft übernommen, weil der Knirps out war", sagt Thomas Herriger, seit Januar 2000 Geschäftsführer von Knirps. "Dabei hat die Marke ein ungeheures Potenzial."

Der neue Chef will den Umsatz in den kommenden drei Jahren verdoppeln. Herriger weiß, dass er sich dazu vor allem um eins kümmern muss: das Image. Bislang galt der kleine Schirm als, um es vorsichtig zu sagen, etwas altmodisch: 70 % aller Knirps-Käufer sind älter als 40 Jahre. "Wir werden nur noch Regenschirme verkaufen, mit denen man sich nicht blamiert, wenn man sie einem Freund schenken würde", sagt der gelernte Außenhandelskaufmann.

Lizenzprodukte wird es nicht mehr geben

"Wir wollen der Marke ein Gesicht geben und sie schützen. Sie eignet sich nicht für schnelle Geschäfte", betont der Knirps-Chef. Deswegen wird es Lizenzprodukte, Knirps mit Mickey Mouse oder Harry Potter, nicht mehr geben. Dafür bekommt der Chef Lob von interessierter Seite: "Insbesondere Mittelständler haben den Wert einer Marke erkannt", sagt Christof Meixner, Geschäftsführer der Marketingagentur Keysselitz. "Es sind vor allem die Inhaber geführten Unternehmen, die den Geist und die Philosophie einer Marke pflegen", fügt der Marketingexperte hinzu.

Tatsächlich hat Herriger bereits 2 bis 3 Mill. Euro in die Marke investiert. Und von seinem zweiten Unternehmen, dem Werbeartikelanbieter Präsenta, hat er vor zwei Jahren 60 Prozent an den Gütersloher Bertelsmann-Konzern verkauft - um sich noch stärker auf Knirps zu konzentrieren, wie er sagt.

Seitdem läuft beim Schirmhersteller nur noch wenig in alten Bahnen. Herriger hat das Sortiment von 2 300 Produktvarianten auf 500 reduziert. 350 hält er für ausreichend. Diesen Herbst bringt Knirps ein neues, schlichtes Ladenbaukonzept in den Handel. Dieses Sortiment soll künftig auch auf Flughäfen oder in Modeboutiquen erhältlich sein. Nur ausgewählte Fachgeschäfte werden noch die ganze Produktpalette führen.

Für 2002 wird ein Umsatzwachstum von 20 Prozent erwartet

Das Solinger Unternehmen, das seine Verwaltung in Haan bei Düsseldorf hat, erwartet für 2002 - trotz Konsumflaute - ein Umsatzwachstum von 20 Prozent. Dabei geholfen hätten auch neue Vertriebswege für die Zweitmarke Kobold. "Es gibt keine echte Konkurrenz für Knirps", sagt Herriger - "nur Billiganbieter." Nach eigenen Angaben arbeitet Knirps profitabel.

Vor drei Jahren sah das noch anders aus. Die damalige Markeninhaberin, die Mannesmann - Tochter Kortenbach und Rauh, meldete 1999 Insolvenz an. Herriger witterte eine Chance und kaufte die Markenrechte. Zum Kaufpreis äußert der Firmenchef nicht. Der Wert des Unternehmens liegt nach seinen Angaben bei 10 Mill. Euro. Der alleinige Inhaber führt das Unternehmen heute zusammen mit seinem Geschäftsführer Volker Bausch und beschäftigt etwa 70 Mitarbeiter in Deutschland, gefertigt wird in der Schweiz und in China. Herriger hat ehrgeizige Ziele: Im kommenden Jahr will er die GmbH in eine AG umwandeln, Börsengang nicht ausgeschlossen.

Das Produkt: Winzling in der Dose

Wer den Knirps noch von seiner Großmutter kennt, wird keine gute Meinung über den Regenschirm haben. Dunkle, altmodische Farben, angestaubtes Image. Ein Knirps gehörte lange Jahre in die Handtasche älterer Damen. Das soll sich ändern. Seit im Jahr 2000 ein neuer Inhaber das Ruder übernommen hat, wird bei dem Mittelständler alles auf den Kopf gestellt. Der Schirm ist moderner geworden, farbiger, schlichter, jünger. Und kleiner. Schon bald soll er die Größe eines Handys haben.

Der neue Auftritt des Unternehmens im Handel erinnert an den Plastikuhrenhersteller Swatch. Das ist Methode: Jeder Kunde soll mehrere Knirpse im Schrank haben, passend zur Garderobe und Stimmung. Bis zu 80 Euro kostet der Regenschutz, der künftig in einer Verpackung über den Ladentisch geht. Damit soll das Produkt edler wirken - und einzigartig. Bislang ist nämlich noch kein Hersteller auf die Idee gekommen, einen Schirm in einer Dose zu verkaufen.

Erst vor drei Monaten hat Knirps ein Designbüro in Hongkong eröffnet. Sechs Mitarbeiter sollen von dort aus entwickeln, was potenzielle Kunden vor Regen schützt. Denn es soll nicht ewig bei Schirmen bleiben. Knirps will sich von der Idee des Ein-Produkt-Unternehmens trennen. Schon bald soll die Marke mit dem roten Punkt auf schwarzem Quadrat Markenartikel rund um den Regen und das Unterwegs-Sein anbieten.

Quelle. Handelsblatt

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