Große Marke, kleines Unternehmen
Bree adelt die Einkaufstüte

Die Fan-Gemeinde ist noch klein - ausgerechnet in Europa. Jetzt will der Taschenhersteller Bree endlich auch den Markt vor der Haustür gründlich erschließen.

HB ISERNHAGEN. Eigentlich dürfte es dieses Unternehmen gar nicht mehr geben - den kleinen Taschenhersteller Bree aus dem niedersächsischen Isernhagen. Die Konkurrenz kommt von allen Seiten: H & M wirft zuhauf günstige Kunstledertaschen auf den Markt, Tchibo bringt praktische Einkaufsshopper unter die Leute und Modefilialisten wie Marc O?Polo oder Esprit bieten edle Handtaschen unter eigenem Label an. Taschen ohne Ende - und dabei benötigt jeder nur eine zur Zeit.

Eigentlich. Doch Bree ist einfallsreich und lässt sich nicht so leicht von der Konkurrenz ins Bockshorn jagen. Seit 32 Jahren ist der kleine Taschenhersteller auf dem deutschen Markt und arbeitet seitdem - nach eigenen Angaben - profitabel.

Die neue Einkaufstüte aus Leder soll nun in schwerer Zeit weiterhelfen. "Wir sind sehr zufrieden mit der Tasche", sagt Axel Bree, mit 34 Jahren der ältere der beiden Brüder. Auf der jüngsten Lederwarenmesse in Offenbach Anfang Oktober sei die Ledertüte nicht nur begeistert von den Einzelhändlern aufgenommen, sondern auch "gut geordert" worden.

Das ist schon was in Zeiten, in denen die Branche starke Einbußen hinnehmen muss. Von Januar bis Mai hat die Lederwaren- und Kofferindustrie 8 % weniger umgesetzt, meldet das Statistische Bundesamt. Namhafte Hersteller berichten sogar von einem Rückgang von 10 bis 15 %.

Axel Bree, in der Geschäftsführung für den Vertrieb verantwortlich, kennt einen speziellen Grund für das mitunter schwierige Geschäft: "Wir sind manchmal zu innovativ für viele Fachhändler", sagt der Betriebswirt. Soll heißen: Der Fachhandel will die Taschen mit Durchschnittspreisen zwischen 150 und 400 Euro, die seit vielen Jahren mit Designpreisen und Auszeichnungen überhäuft werden, nicht in seinen Läden haben.

Bree hat die Konsequenz gezogen und macht immer mehr eigene Geschäfte auf: Etwa 40 Franchise-Läden und eigene Filialen sind es derzeit in Deutschland. Der Anbieter ist in guter Gesellschaft. Auch der US-Kofferhersteller Samsonite hat in diesem Herbst damit begonnen, über Franchisenehmer eigene Geschäfte zu eröffnen.

30 % seines Umsatzes macht Bree, einer der fünf Großen unter den Taschenherstellern, im Ausland. Der Markenhersteller ist mit Läden in Japan, Hongkong oder Singapur vertreten. Selbst in Guam - dem "Mallorca für Japaner" (Axel Bree) im westlichen Pazifik - hat das Familienunternehmen zwei Läden. Die Präsenz in Europa ist dagegen bescheiden. "Unser Vater ist lieber weit gereist", sagt Philipp , der 31-jährige Sohn des Gründers Wolf Peter Bree, schmunzelnd. Bree senior starb 1996, seitdem sind die zwei Söhne Gesellschafter mit je 30 % Anteil, zwei jüngere Schwestern halten je 20 %. Seit Anfang 2001 führen Axel und Phillip die Geschäfte - zusammen mit dem Manager Rüdiger Szyszka.

Große Sprünge hat Bree nicht gemacht: Die Verkäufe der vergangenen Jahre stiegen im Schnitt um 2 bis 3 %. Im "miserablen 2002" wolle er das Vorjahresniveau halten. Konkrete Angaben zum Umsatz macht Familie Bree nicht. Nach Schätzungen bringen die Damenhandtaschen 75 bis 100 Mill. Euro ein, die zweite Hälfte des Umsatzes macht Bree mit Aktentaschen, Reisegepäck und Accessoires. "Der Umsatz ist nicht entscheidend", meinen die Brüder. "Auf die Rendite kommt es an." Dieses Prinzip zahlt sich aus, Bree will auch künftig nicht von einzelnen Banken abhängig sein.

Das Produkt: Taschen einmal anders

Vor vier Jahren hat der Mittelständler es noch in seinen Anzeigen auf den Punkt gebracht: Taschen mit IQ - hieß der Werbeslogan. Clevere Taschen für clevere Leute. Davon hat Bree sich inzwischen distanziert, wenn die Geschäftsführer Axel und Philipp Bree ihre Zielgruppe auch noch immer im "liberal-intellektuellen Milieu" sehen. "Und die, die sich dahin entwickeln", sagt Philipp Bree. Daher könne es eben nicht nur klassische Ledertaschen und Koffer geben, sondern auch pfiffige, trendige und ein bisschen verrückte Produkte, die die jüngere Klientel ansprechen.

So wie die Kuriertasche von Bree. Den großen Rucksäcken der Fahrradkuriere nachempfunden, hat der Mittelständler 1996 die grellen Säcke und Taschen mit den vier charakteristischen Buchstaben auf den Markt gebracht. Seitdem hat die Serie 13 Auszeichnungen und Designpreise eingeheimst. Dabei kümmern sich nur fünf der rund 130 Mitarbeiter um das Design, darunter zwei Täschnerinnen, die die Muster herstellen. Zwischen drei und zwölf Monaten brauchen die Kreativen, um ein neues Produkt zu entwickeln. Die Herstellung übernehmen Lohnfertiger, so in Thüringen, aber auch in Asien.

Der neueste Clou: Eine der braunen Papiertüten, in der Amerikaner ihre Einkäufe nach Hause tragen; allerdings nicht aus Packpapier, sondern aus Rindsleder. Die Ledertüte kommt im Frühjahr in den Handel - für 100 Euro.

Quelle: Handelsblatt

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