Große Marke, kleines Unternehmen
Für Falke ist die Socke mehr als nur ein Strumpf

In vierter Generation fertigt die Familienfirma Strumpfhosen und Socken. Doch der deutsche Markt stagniert, darum verkauft Falke jetzt auch Unterwäsche.

HB SCHMALLENBERG. Der Fabrikant Paul Falke steht auf Kniestrümpfe. Vor allem sonntags, vor dem Fernsehen. "Es ist mir völlig unverständlich, wie einige Politiker in Talkshows auftreten", sagt der Chef der Falke-Gruppe. "Wenn die Herren ihre Knie übereinander schlagen, halten sie ständig ihre nackten Beine in die Kamera. Mir ist es ein Rätsel, warum die keine knielangen Strümpfe tragen." Um diesen Verstoß gegen die Strumpfetikette zu verhindern, hat Falke bereits eine Auswahl von Kniestrümpfen beim Kölner TV-Sender RTL hinterlegen lassen. Besonders prominenten Modemuffeln schickt er sogar schon mal ein Paar nach Hause.

Paul Falke ist geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Familienunternehmens aus Schmallenberg im Sauerland. Gemeinsam mit seinem älteren Cousin, Franz-Peter Falke, leitet der 44-Jährige seit zehn Jahren das Unternehmen in vierter Generation. Es versteht sich fast von selbst, dass Paul Falke tadellos gekleidet daherkommt, vom Scheitel bis zur Sohle, allerdings ohne Krawatte. Auch bei Falkes 51 Jahre altem Cousin Franz-Peter passen die Strümpfe farblich exakt zum Ton der dunkelbraunen Wildlederschuhe.

Der Auftritt ist Programm, Falke versteht sich als Modeanbieter, nicht als Sockenfabrikant. "Strümpfe sind heutzutage nicht mehr Gebrauchsartikel, sondern vor allem Accessoires", sagt Franz-Peter Falke. Längst sei Kleidung nicht mehr reiner Gebrauchsartikel, auch in der Socke komme heute ein bestimmtes Lebensgefühl zum Tragen.

Die männliche und weibliche Kundschaft sei etwa gleich groß, Kindersocken machten 10 % des Umsatzes aus. "Eine der großen Herausforderungen für die nächsten Jahre liegt für uns in der Attraktivitätssteigerung der Marke", sagt Franz-Peter Falke. Dazu gehört auch die Erweiterung des Sortiments um Sportunterwäsche, die Falke seit diesem September verkauft. Zusätzlich prägt der Hersteller seine Verkaufsflächen im Fachhandel durch einen einheitlichen Auftritt. 17 so genannte Shop-in-Shops eröffneten 2001, in diesem Jahr waren es bereits 20.

Um das gewünschte Image zu verbreiten, gibt das Unternehmen jährlich 6 % seines Umsatzes für Marketing aus. Im vergangenen Jahr lagen die Verkäufe bei rund 224 Mill. Euro. Falke bezeichnet sich als Marktführer im Facheinzelhandel. Allerdings werden nur noch 50 % der Socken in Fachgeschäften verkauft, der Rest in Supermärkten oder Kaffeeröstereien. Im Gesamtmarkt ist Falke die Nummer drei hinter Sara Lee und Kunert. Während der Umsatz der Textilbranche im vergangenen Jahr um knapp 2 % sank, verzeichnete auch Falke ein Minus von gut 1 %. "Wir haben Falke konsequent zu einer Premiummarke entwickelt. Damit verbunden war, dass wir bewusst auf Umsatz verzichtet haben", sagen die Gesellschafter. Die Geschäftsführer lassen durchblicken, dass ihr Unternehmen tiefschwarze Zahlen schreibt, Angaben zur Rendite machen sie nicht.

Wie der Mittelständler das laufende Jahr abschließen wird, vermögen die Cousins noch nicht zu sagen. Im Inland sank der Umsatz bisher im einstelligen Bereich. Insbesondere die Lizenzstrümpfe - für Boss, Esprit oder Joop - hätten gelitten. Außerhalb Deutschlands verzeichnete Falke im laufenden Jahr bislang in allen Märkten zweistellige Zuwachsraten. Der Export macht etwa 30 % aus.

Das Produkt: Mode aus dem Sauerland

Wer Falke hört, der denkt natürlich an Socken. Das Familienunternehmen, bei Strümpfen und allem was dazugehört die Nummer drei auf dem deutschen Markt, macht allerdings nur 65 % seines Umsatzes mit Strümpfen oder Strumpfhosen. Der Rest entfällt auf Oberbekleidung, Heimtextilien und Garne. Für Herren verkauft Falke beispielsweise Anzüge, Hemden und Pullover. Und im Auftrag von Joop fertigt der Mittelständler Damen- und Herren-Oberteile.

Seit Anfang September ist Falke auch im Sportfachhandel vertreten. Mit Sportsocken, Laufbekleidung und Funktionsunterwäsche will das Unternehmen neue Kunden ködern und hofft dabei auch auf den Boom des Laufsports. Glaubt man der Geschäftsführung, haben die etwa 150 belieferten Händler die Ware "begeistert angenommen". Nun kommt es auf den Konsumenten an, ob sich das Unternehmen gegen etablierte Marken wie Adidas, Nike oder Reebok durchsetzen kann.

Der deutsche Sockenmarkt ist gesättigt - und so setzt der Markenartikler aus dem Sauerland große Hoffnungen auf den wachsenden Sportmarkt. Falke beschäftigt gut 3 000 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte in Deutschland. 65 % der Ware - Falke fertigt als eines der wenigen Textilhersteller noch eigene Garne - wird in Deutschland produziert.

Quelle: Handelsblatt

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