Grosse Marke, kleines Unternehmen
Mit „Erfurt Rauhfaser“ zum Erfolg

Wenn es in der Tapetenindustrie um Erfurt geht, ist selten die Landeshauptstadt Thüringens gemeint. Für Branchenexperten steht Erfurt für das Familienunternehmen Erfurt & Sohn KG in Wuppertal. Der Mittelständler stellt in siebter Generation Papierprodukte her. Sein Paradeartikel heißt "Erfurt Rauhfaser" und gilt fast schon als Synonym für die Rauhfasertapete.

HB WUPPERTAL. Martin Erfurt, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter, zuckt jedoch jedes Mal zusammen, wenn er den Begriff "Rauhfasertapete" hört. "Rauhfaser ist Rauhfaser und keine Tapete", sagt der 43-jährige Diplom-Kaufmann. Während die Tapete nämlich als "fertiges Produkt" an die Wand komme, müsse Rauhfaser noch gestrichen werden.

Martin Erfurt sitzt zusammen mit seinem jüngeren Cousin, Henrik Erfurt, an der Spitze des Marktführers für Rauhfasern. Sie haben es als einziges Unternehmen in der Branche geschafft, eine Marke zu etablieren. Ihre Produkte schmücken die Wände im Bundesfinanzministerium, im Hotel Park Hyatt in Hamburg oder im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin.

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg kennen 53 % aller Deutschen die Marke "Erfurt Rauhfaser". Der höchste Wert eines Konkurrenzproduktes - von der Tapetenfabrik Rasch aus Bramsche bei Osnabrück - liegt nur bei gut 20 %. "Es ist richtig, dass Erfurt die bekannteste Marke in der Branche ist", bestätigt auch Jörn Kämper, Vorstand der A.S. Création Tapeten AG aus Gummersbach, mit einem Umsatzvolumen von 120 Mill. Euro einer der größten Wettbewerber von Erfurt. Doch er nimmt seine Anerkennung zugleich ein Stück zurück: "Nach unseren Erkenntnissen spielt die Marke beim Kauf von Tapeten keine Rolle." Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Produktion von Rauhfaser voriges Jahr um 20 % zurückgegangen. Erfurt selbst nennt keine Zahlen und teilt nur mit, man sei ein wenig größer als Konkurrent A.S. Création. Allerdings gehören zu den produzieren Rauhfaserbetrieben neben Erfurt nur noch zwei andere Firmen, so dass der Verband der Deutschen Tapetenindustrie auch für Erfurt von einem ähnlichen Rückgang ausgeht.

Bei Erfurt heißt es, der Inlandsumsatz sei 2002 gesunken, der Export laufe aber gut. Damit liege man besser als der Schnitt der Branche. Insbesondere Osteuropa und China seien viel versprechende Märkte. Der aktuelle Exportanteil von 15 % soll auf 25 % steigen. Doch wurden die Kosten 2002 gesenkt und die Zahl der Mitarbeiter "gestrafft", sagt Henrik Erfurt. Der Mittelständler erwartet für 2004 wieder Wachstum. Bis dahin werde Erfurt von seinem Status als "völlig unabhängiges" Familienunternehmen profitieren, das "solide finanziert sei".

Doch um nicht allein von der Rauhfaser abhängig zu sein, die im eigenen Werk in Wuppertal-Beyenburg hergestellt wird, setzt Erfurt auch auf Prägetapeten und Vliesfaserprodukte - das einzige wachsende Segment der Tapetenbranche. Branchenkenner prophezeien der Vliestapete einen steigenden Marktanteil, da es sich um ein leicht handhabbares Produkt handelt, welches das mühselige Tapezieren auch für Heimwerker erleichtert: Nicht die Tapetenbahn, sondern die Wand wird eingekleistert - und anders als bei der Papiertapete wird auch keine Weichzeit benötigt. Beim Renovieren lässt sich das Vlies trocken und in einem Stück von der Wand abziehen.

Tapete oder nicht Tapete? Im Hause Erfurt nimmt man es puristisch: Eine Tapete sei immer ein fertiges Produkt, auf die Rauhfaser hingegen gehöre noch Farbe.

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