Große Marke, kleines Unternehmen
Mit Luftblasen zum Erfolg

Seit Generationen spielen Kinder mit Pustefix. Mit Seifenlauge und einem Ring zum Durchpusten haben die Schwaben es bis nach Asien geschafft.

HB TÜBINGEN. In der Werkstatt von Pustefix herrscht Hochbetrieb: Lothar Ziolek päppelt die Werbe-Teddies für die kommende Saison auf. Liebevoll reinigt er gut 460 Pustefix-Bären unter der Dusche, föhnt und kämmt sie, stärkt das Innenleben und verpasst den Holzstühlen, auf denen die 1-Meter-Bären sitzen, einen neuen Anstrich. "Nummer 609 hat in diesem Jahr besonders gelitten", sagt Ziolek. Mit einem neuen Fell soll der Teddy die Kinder im kommenden Frühjahr wieder mit seinen Seifenblasen in die Spielwarenläden locken.

Seit Jahren setzt der Tübinger Pustefix-Hersteller, die Dr. Rolf Hein Nachfolger KG, auf Werbung mit den elektrisch betriebenen Bären. Es verleiht die Maskottchen, die echte Seifenblasen pusten, europaweit an umsatzstarke Spielzeugläden, die sie vor ihren Geschäften aufstellen. So hat sich der Hersteller von Seifenblasenspielzeug einen Namen unter Spielzeughändlern gemacht. Seit 53 Jahren ist Pustefix auf dem Markt und steht heute in einer Reihe mit großen Spielzeugmarken wie der Traditionseisenbahn Märklin, dem Bauklötzchen-Hersteller Lego oder der Plüschtiermarke Steiff im Regal.

Dabei ist das Produkt überaus simpel: Seifenlauge abgefüllt in einem Kunststoffröhrchen. Pustefix ist ein Winzling in der Branche: Mit 25 Mitarbeitern setzt das Unternehmen etwa 3 Mill. Euro um. Abgesehen von den Pustebären und etwas Prospektmaterial kann sich der Mittelständler keine Werbung leisten. Auch eine Außendienstmannschaft rechne sich bei den Produktwerten nicht. "Wir müssen eben einfallsreich bleiben, um uns durchzusetzen", sagt Frank Hein, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Vor vier Jahren hat er den Chefposten von seinem Vater Gerold übernommen und führt das Unternehmen in dritter Generation.

Anders als seine Vorfahren will sich der 40-Jährige nicht mit mäßigen Wachstumsraten zufrieden geben. Er hat die Zahl der Produkte rund um die Seifenblase deutlich erhöht. Lag der Umsatzanteil des Pustefix-Klassikers, dem Plastikröhrchen, vor 20 Jahren noch bei etwa 90 % und vor zehn Jahren bei 50 %, steht der Verkaufsschlager heute nur noch für ein "starkes Drittel" - bei konstanter Umsatzentwicklung. Denn mit dem Spielzeug ist bei einem Verkaufspreis von einem Euro kein großes Umsatzvolumen zu erreichen. Der neue Chef will das Geschäft mit höherpreisigen Innovationen ankurbeln.

Auch der Absatzmarkt soll erweitert werden. Bereits heute macht Pustefix 40 bis 50 % seines Umsatzes im Ausland. Die europäischen Nachbarländer gehören zu den wichtigsten Märkten - neben den USA, Russland, Japan und Korea. Obwohl der Markt für Seifenblasenspielzeug recht klein ist, gibt es mehrere Konkurrenten in Italien, Spanien oder Fernost.

Der Pustefix-Geschäftsführer gibt sich dennoch gelassen: "Wir sind die Seifenblasenspezialisten. Wir haben die Kompetenz für die richtige Flüssigkeit, unsere Mitbewerber wollen nur Spielzeug verkaufen", sagt Hein und zieht seine Hose über seinen voluminösen Bauch. Er strahlt Gemütlichkeit aus, die von seinem schwäbischen Dialekt unterstreicht wird. Was der Diplom-Ingenieur meint, ist erst beim Praxistest zu verstehen: Nur gute Seifenlauge lässt fünfzig, sechzig Blasen bei einem Luftstoß entstehen, die dann möglichst lange durch die Luft tanzen. Die elektronischen Bären machen es vor.

19 der 25 Mitarbeiter sind in der Fertigung in Tübingen beschäftigt. Sie produzieren die Lauge und füllen sie ab, bedrucken die Plastikröhrchen und machen die Spielzeuge versandfertig. Sämtliche Kunststoffteile werden in Auftrag gegeben - bei deutschen Lieferanten, aber auch in Tschechien, Slowenien, Italien oder China und Taiwan.

Pustefix arbeitet nach eigenen Angaben profitabel, die Eigenkapitalquote liege bei gut 50 %. Welchen Wert sein wichtigstes Asset - die Markenbekanntheit - hat, kann der Geschäftsführer nur schätzen. Eine repräsentative Umfrage würde sein Budget übersteigen. Doch Hein ist überzeugt, dass fast jedes Kind sein Produkt kennt. "Pustefix steht für Seifenblasen. Warum sonst schicken uns Verbraucher immer wieder Konkurrenzprodukte mit Reklamationen zu?"



Multi-Bubbler und andere Spiele

Eigentlich ein Unding, dass mit Luftblasen Geld zu verdienen ist. Aber der schwäbische Mittelständler macht das Unmögliche möglich: Seit mehr als 50 Jahren verkauft Pustefix ausschließlich Seifenblasen-Spielzeuge. Nach dem Krieg experimentiere der Chemiker und Unternehmensgründer Rolf Hein mit Waschmitteln herum und tauschte die Seifenlauge gegen Lebensmittel ein. Ganz nebenbei entdeckte er eine Flüssigkeit, die sich für Seifenblasen eignete. "Es gehörte schon ziemlich viel Mut dazu, in der Nachkriegszeit mit einem Produkt auf den Markt zu gehen, das keiner wirklich braucht", sagt Frank Hein, Enkel des Gründers und heutiger Geschäftsführer.

Doch der Versuch funktionierte - wenn der Markt auch klein geblieben ist. Heute verkauft Pustefix ein breites Sortiment an Seifenblasen-Spielen, etwa die giftgrüne Pusteschlange, das Super-Blasen-Set ("Multi-Bubbler") für Riesenblasen und den Zauberstift mit den unkaputtbaren Bläschen. Auch Nachfüllflaschen verkauften sich mittlerweile gut, sagt der Unternehmenschef; die Neigung der Kinder, die Spiele mit selbst gemachtem Spülmittelwasser aufzufüllen, sinke. Zur Zielgruppe gehören Kinder von 3 bis 14 Jahren. Aber selbst 25-Jährige aus der Rap-Szene kaufen die Seifenlauge und machen mit ihren Schaumparties einen Kult aus Pustefix.

Weil der Absatz über den Einzelhandel seit Jahren schrumpft, hat Pustefix sich ein zweites Standbein im Werbemittelmarkt aufgebaut. 10 bis 15 % des Umsatzes machen mittlerweile Pusteröhrchen für Unternehmen wie die NordLB, die Supermarktkette Real, den Vergnügungspark Tivoli und die LBS aus. Quelle: Handelsblatt

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