Große Marke, kleines Unternehmen
Pflegemarke mit Markenpflege

Bodenständig sind sie, die Leute von Poliboy. Dank hohem Qualitätsanspruch und starkem Vertrieb erwehrt sich der Mittelständler großer Konkurrenz.

HB LILIENTHAL. Es muss zwar nicht gleich Plattdeutsch sein. Aber eine Schwäche für die norddeutsche Provinz sollte schon mitbringen, wer sein Geld bei Poliboy verdienen will. Denn der mittelständische Hersteller von Pflege- und Reinigungsmitteln sitzt auf dem wirklich platten Land: in Lilienthal bei Bremen, mit gerade einmal 10.000 Einwohnern. Die Firma passt in die Umgebung. Der Parkplatz vor dem Produktions- und Verwaltungsgebäude hat ganze 17 Plätze - für 65 Mitarbeiter, Gäste und Lieferanten.

"Wir begrüßen es, wenn unsere Leute einen kurzen Weg zur Arbeit haben", sagt Ulrich Brandt, geschäftsführender Gesellschafter der Poliboy Brandt & Walther GmbH. Lilienthaler werden deshalb bevorzugt eingestellt. Was ein wenig rückständig anmutet, gehört zur Firmenphilosophie des Familienunternehmens. Der Mensch steht im Mittelpunkt - so steht es in den Leitlinien, die sich das Haus gegeben hat. Akkordarbeit kommt für den Geschäftsführer nicht in Frage. "Das würde dem natürlichen Rhythmus der Mitarbeiter widersprechen", sagt Brandt. Das Firmengebäude sieht aus wie ein Wohnhaus in diesen Breiten, nur etwas größer: rot geklinkert mit Rasenflächen vor dem Eingang. Ein Gärtner kümmert sich um die Grünanlagen.

Seit 72 Jahren gibt es den Mittelständler in der Nähe von Bremen. Anfangs als Getreidehändler, dann als Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmitteln, heute als Produzent von Reinigungs- und Pflegemixturen. "Unter 10 Mill. Euro" setzt der Markenhersteller um, sagt Chef Brandt - 50 bis 60% davon im Möbelpflegesegment. Poliboy bewegt sich in einem Nischenmarkt. Etwa 25 Mill. Euro geben die Deutschen jährlich für Möbelpolituren aus. Poliboy und das amerikanische Familienunternehmen Johnson teilen den Großteil des Marktes unter sich auf. "Alles was wir tun können, ist auf Qualität zu setzen", sagt Brandt, der das Geschäft zusammen mit seinem Partner Torsten Emigholz führt. Adolf Brandt und Otto Walther, Vater und Großvater der heutigen Geschäftsführer, haben das Geschäft 1930 gegründet. Wichtig war für Poliboy die Ära der TV-Werbung bis in die 70-er Jahre, von der die Marke bis heute profitiert. Hinzu kommt die starke Außendienst-Mannschaft - gut jeder dritte Mitarbeiter reist für Poliboy. So kommt es, dass die kleine Firma aus dem Norden bis heute eine nationale Marke ihr Eigen nennen kann.

Noch heute werden alle Produkte - von der Politur bis zum Herdputzmittel - in Lilienthal hergestellt. "Was man selbst macht, hat eben bessere Qualität", sagen die Chefs. Sie achten darauf, dass ihre Produkte möglichst umweltverträglich produziert werden. Bereits vor dreißig Jahren brachten die Norddeutschen Pumpspray - ohne umweltbelastende Treibgase - auf den Markt. Solaranlagen und Wärmepumpen verringern den Verbrauch von Strom und Wasser. Fünfmal heimste Brandt & Walther den Preis für umweltbewusste Unternehmensführung ein. "Wir waren schon umweltfreundlich, als es die Grünen noch gar nicht gab", sagt Brandt.

Das finanzielle Polster des Mittelständlers könnte sich sehen lassen. Poliboy schreibt nach eigenen Angaben seit jeher schwarze Zahlen. Und weil das Unternehmen jahrelang auf eine Gewinnausschüttung verzichtet hat, gibt es keine Fremdmittel im Hause Brandt & Walther. "Da sind wir noch ganz hanseatisch", sagt Brandt.

Der Polierjunge

Früher war alles besser: Die Kinder wurden am Samstag gebadet, die Festtagskleidung bereit gelegt und die Hausfrau hat dafür gesorgt, dass Haus und Herd blitzblank blieben: Schrubben, Putzen und Polieren - Glanzzeiten für Poliboy, den "Polierjungen".

In der Welt der Single-Haushalte und Patchwork-Familien hat es der Reinigungsmittelhersteller heute schwieriger. "Niemand zelebriert mehr den Hausputz. Sauber machen darf keine Knochenarbeit mehr sein", sagen die Firmenchefs und wissen, was sie ihren Kunden bieten müssen: Convenience. Bequemlichkeit beim Hausputz. Zuletzt hat Poliboy feuchte Möbelpflegetücher auf den Markt gebracht. Fünf Tage weniger Staub, heißt das Produktversprechen. Für 2,95 Euro ist die Haushaltshilfe erhältlich, auf die Brandt & Walther besonders stolz ist.

Doch die Freude hat längst einen Dämpfer bekommen: Der Wettbewerber Johnson kam kurze Zeit später mit einem Konkurrenzprodukt auf den Markt. Heute verkauft auch der Discounter Penny seine eigenen Staubtücher - rund 40% günstiger.

Statt in Handelsmarken zu investieren, will Poliboy auf Qualität und Markenimage setzen. Über Produktmuster soll das kleine Markenmännchen neue Kunden gewinnen. Bei einer letzten Messung erreichte Poliboy eine Bekanntheit von etwa 90 %. Der Großteil der Kunden ist allerdings noch immer weiblich.

Quelle: Handelsblatt

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