Große Marke, kleines Unternehmen
Rillen, die die Welt bedeuten

Als Hersteller von Alukoffern hat Rimowa bei Geschäftsreisenden einen guten Namen. Jetzt will die Kölner Firma auch Rillenkoffer aus Kunststoff zum Kult machen.

HB KÖLN. Dieter Morszeck gehört zu den geradlinigen Geschäftsleuten. Das gilt auch für sein Produkt, den Aluminiumkoffer mit den charakteristischen Rillen. Der mittelständische Unternehmer setzt sich überschaubare Ziele. "Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen und den Markt überfordern", sagt derGeschäftsführer der Kölner Rimowa Kofferfabrik GmbH. "Unser Produkt soll eine exklusive Marke bleiben." Im Wettbewerb mit den großen Herstellern Samsonite, Tumi oder Delsey stellt Morszeck in seinem Familienunternehmen in dritter Generation Markenkoffer her - in Köln-Ossendorf. Auch das Firmengebäude hat den Look eines Rillenkoffers. Etwa 200 Mitarbeiter arbeiten hier in Produktion und Verwaltung. In Tschechien fertigen weitere 100 Beschäftigte Kunststoff-Koffer. Viele seiner Mitbewerber sind längst nach China abgewandert; neue haben dort ihren Ursprung.

Den Wettbewerb um den niedrigsten Preis will Morszeck nicht mitmachen, und der Erfolg gibt ihm Recht: Seit Jahren steigert Rimowa seinen Umsatz um je 30 bis 35 %. "Inhabergeführte Unternehmen sind häufig innovationsfreudiger als große Konzerne", sagt Peter Littmann, Geschäftsführer der Markenberatung Brandinsider und ehemaliger Vorstandschef der Hugo Boss AG. "Ihre Geschäftsleiter müssen sich eben nicht rechtfertigen, wenn etwas schief geht."

Der gelernte Techniker Morszeck experimentiert gerne. Für Porsche hat er neben exklusiven Gepäckstücken einen Humidor für Zigarren gefertigt - im Rillenlook. IBM erhält maßgeschneiderte Rollcontainer, und Siemens hat kürzlich 16.000 Arbeitskoffer geordert. 30 bis 35 % des Umsatzes bringt das Geschäft mit der Industrie bereits ein. Wichtigster Kunde ist die Lufthansa. Sie bestellt Pilotenkoffer bei Rimowa, außerdem verkauft sie die Produkte über ihren Bordkatalog.

Morszeck setzt seine Hoffnungen auch auf ein neues Produkt: einen Rillenkoffer aus Polycarbonat. Seit gut zwei Jahren ist das drei Kilo schwere, unzerbrechliche Kunststoff-Gepäckstück mit Reißverschluss auf dem Markt. Sogar in Japan verkauft sich die günstigere Alternative zum Aluminiumkoffer gut. Demnächst soll ein Montagewerk für das Produkt, in dem drei Jahre Entwicklungsarbeit stecken, in den USA eröffnet werden.

Aber auch Rimowa ist nicht gegen Flauten immun. 2001 schwächte sich das Umsatzwachstum des Kölner Unternehmens erstmals ab: der Umsatz stieg um 20 % auf 25 Mill. Euro. Für 2002 erwartet Morszeck allerdings Einbußen von 15 bis 10 %. Gleichwohl ist Morszeck zufrieden: "Wir arbeiten profitabel", sagt er. Wie die Touristikbranche leiden auch die Kofferhersteller unter der weltweiten Reiseflaute. Zudem kämpft die Branche mit Billigimporten aus Fernost.

Rimowa verzichtet auf klassische Werbung. Statt dessen setzt der Hersteller auf "Product Placement" in Kino- und Fernsehfilmen: Eine Mitarbeiterin sichtet kontinuierlich Drehbücher und sucht nach Szenen, in die sich ein Rimowa-Koffer platzieren ließe - gegen eine stattliche Gebühr, sagt der Geschäftsführer.

Morszeck steckt viel Zeit und Geld in einen exklusiven Katalog. Zuletzt war der Hobbyfotograf fünf Wochen lang auf Kuba, um seine Produkte in beeindruckender Landschaft ablichten zu lassen: "Das Schöne an Rimowa ist, dass wir Sachen machen können, die Spaß machen. Wir wollen eben nicht an die Börse."

Wellblech-Design

Der Rimowa-Aluminiumkoffer war eher eine Notlösung als das Ergebnis genialer Entwicklungsarbeit. Als das Kölner Werksgelände des Kofferherstellers im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, und mit ihm die Rohstoffe Leder und Holz, blieben allein Aluminiumplatten übrig. 1950 brachte Richard Morszeck, Sohn des Firmengründers Paul Morszeck, den ersten wellblechähnlichen Rillenkoffer auf den Markt.

Allerdings konnten sich die Deutschen lange nicht an das Design gewöhnen. Das Material passte nicht in die Zeit. Insbesondere Frauen wollten sich nicht für den Look begeistern und rieten ihren Ehemännern eher zum Kauf eines klassischen Lederkoffers. Erst in den 80-ern zog die Nachfrage an. Immer mehr Fotografen, Marketing-Leute oder Künstler griffen zum "Rimowa". Den Durchbruch brachte vor etwa fünf Jahren eine Kooperation mit Lufthansa. Rimowa stattet die Piloten der Fluggesellschaft mit einer Sonderanfertigung aus; zudem können (Geschäfts-)Reisende das Produkt im Bord-Shop erwerben. Das leichte, in Handarbeit gefertigte Gepäckstück hat seinen Preis: 250 bis 500 Euro - und sechs bis acht Wochen Lieferzeit. Für die Verteidigung seiner Marktposition gibt Rimowa viel Geld aus. Um seine Patente zu schützen und Nachahmern, insbesondere aus China, die Produktion eines Rillenkoffers zu untersagen, bringt das Unternehmen jährlich eine "große sechsstellige Summe" auf.

Quelle: Handelblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%