Große Nachfrage hat die Vorräte aufgezehrt
Hochprozentiger Tequila wird knapp

Die Tequila-Industrie in Mexiko kann mit der starken Nachfrage nicht mithalten. Zusätzlich belastet eine neue Luxussteuer die Produzenten in Mexiko. Der Präsident der Tequila-Kammer rechnet erst in drei Jahren mit einer Überwindung der Engpässe.

MEXIKO-STADT. Im Jahr 2001 brannten die mexikanischen Tequila-Hersteller 146,6 Millionen Liter von dem Agavenschnaps - rund 20 % weniger als im Vorjahr. Grund für die rückläufige Produktion ist der Mangel an dem für die Herstellung wichtigen Rohstoff Agave.

Der Tequila-Boom seit Mitte der 90-er Jahre hat die Bestände der blauen Kakteenpflanze erheblich reduziert, sagte Ramón Gonzàlez, Direktor des Tequila-Regulierungsrates (CRT) dem Handelsblatt. Nur der aus der Stadt Tequila und ihrer Umgebung stammende Schnaps darf die Bezeichnung Tequila tragen. Zwischen 1994 und 1999 hatte sich die Produktion der Spirituose von 80 Mill. auf den bisherigen Spitzenwert von 190,6 Mill. Liter mehr als verdoppelt.

Für die Produzenten kam die Konjunktur völlig überraschend. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, verbrauchten die Hersteller ihre Agave-Vorräte. Zwar wurden 1994 große Agavefelder angepflanzt, doch dauert es zwischen sieben und zehn Jahren, bis die Pflanze verarbeitet werden kann. Aus dem gegorenen Fruchtsaft der Pflanze wird dann der Tequila destilliert.

Francisco González, Präsident der mexikanischen Tequila-Kammer CINT, rechnet deshalb auch erst in drei Jahren mit der Überwindung der Engpässe. Dann erreichen die 1994 gepflanzten Agavenbestände ihre Produktreife. Der Kammer-Präsident fürchtet, dass dem Tequila bis dahin andere hochprozentige Getränke wie Rum, Wodka und Brandy Marktanteile abgejagt haben könnten. Unter der Knappheit des Rohstoffes litt im vergangenen Jahr auch der Export.

2001 wurde mit 75,6 Mill. Litern fast ein Viertel weniger Tequila ins Ausland verkauft als 2000. Die Hälfte des Schnapses trinken die Mexikaner selbst. Der Rest geht ins Ausland - vor allem in die USA. Innerhalb Europas ist Deutschland mit Abstand der größte Absatzmarkt.

Zusätzlich belastet eine neue Sondersteuer auf hochalkoholische Getränke die Branche. Die Steuer ist Teil einer Fiskalreform, die das mexikanische Parlament eilig in der Neujahrsnacht verabschiedete. Sie enthält ein Bündel von Luxussteuern in Höhe von fünf bis 20 % auf den Konsum von Gütern wie Parfum und Kaviar, Mobiltelefone, Kabelfernsehen, Tabak sowie hochalkoholische Getränke.

Die Branche fürchtet, dass die Anfang des Jahres eingeführte Luxussteuer den Schnaps erheblich verteuern werde. Bereits heute führt die Tequila-Industrie jährlich rund 500.000 Pesos (über 55 000 Euro) Steuern an den Staat ab. Wenn die Lager der Produzenten geräumt sind, könnten die Ladenpreise für hochwertigen Tequila um bis zu 100 Prozent steigen, sagt Ramón Gonzàlez. Zahlreiche andere Industriezweige haben bereits gegen die Sondersteuern geklagt. An der bekanntesten Exportbranche Mexikos hängen mehr als 30 000 Arbeitsplätze. Der Tequila-Export ist allerdings nicht von den Luxusabgaben betroffen.

Trotz der Schwierigkeiten hat der Direktor des Regulierungsrates keine Angst um die Zukunft. Die anhaltende Nachfrage nach Tequila sorge "für gute Perspektiven".

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