Große Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln: Öko-Bauern ist auf dem Vormarsch

Große Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln
Öko-Bauern ist auf dem Vormarsch

Die ökologische Landwirtschaft sieht sich seit der BSE-Krise in Deutschland auf dem Vormarsch. Dabei kann sie den Bedarf der Verbraucher gar nicht decken.

Reuters BERLIN. Die Nachfrage nach Öko-Produkten wächst schneller als das Angebot: Schätzungen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) zufolge ist die Öko-Anbaufläche 2001 gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 25 % gewachsen. Der Umsatz von Öko-Nahrungsmitteln sei um etwa 25 % auf rund 2,5 Mrd. Euro gestiegen. Die Nachfrage nach Schweine- und Geflügelfleisch habe 2001 nur durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden können, sagt ZMP-Experte Markus Rippin.

Angebot und Nachfrage von Öko-Produkten dürften in diesem Jahr weiter steigen, erwartet die ZMP. Die Öko-Anbauflächen würden stark ausgeweitet, da die Landwirte von diesem Jahr an von höheren Bundesprämien profitierten, sagt der Vorsitzende des Öko-Anbauverbandes Bioland, Thomas Dosch. Nach Angaben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Verbraucherministerium, Matthias Berninger (Grüne), wird aber auch die Nachfrage nach Öko-Produkten wachsen. Es sei zu erwarten, dass die großen Lebensmittelketten verstärkt Öko-Ware in die Regale nähmen.

Die positive Entwicklung der Öko-Landwirtschaft im vergangenen Jahr sei jedoch noch nicht das Verdienst von Verbraucherministerin Renate Künast (Grünen), sagt Bioland-Vorsitzender Dosch. Künast hatte vor knapp einem Jahr ihr Amt angetreten und im Zeichen der BSE-Krise eine Wende in der Agarpolitik verkündet. Künasts Maßnahmen würden erst jetzt zu greifen beginnen, sagt Dosch. Zu ihnen rechnet er das Bio-Siegel, das den Verbrauchern ökologisch einwandfreie Ware garantieren soll. Eine weitere Maßnahme ist die Ende 2001 beschlossene Erhöhung der Prämien für Öko-Landwirte, die nach Zustimmung der EU-Kommission 2002 wirksam werden soll.

"Zum ersten Mal ist der ökologische Landbau als Leitbild für die Politik genommen worden", lobt der Vorstandvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL), Felix Prinz zu Löwenstein, die Politik von Ministerin Künast. Die Zufriedenheit der Ökolandbau- und Naturschutzverbände mit ihr wird nicht von allen geteilt.

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heinrich-Wilhelm Ronsöhr (CDU), kritisiert unter Berufung auf ein Papier des Künast-Ministeriums, die von Bund und Ländern gemeinsam beschlossene Erhöhung der Öko-Prämien führe zu neuen Dauersubventionen. Der Bund werde allein 2010 etwa 650 Mill. Euro an die Ökobauern zahlen müssen, sollte Künast bis dahin ihr Ziel erreicht haben, 20 % der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch zu bewirtschaften. In diese Summe seien die Gelder, die aus Mitteln der EU und der Länder flössen, noch nicht enthalten.

Staatssekretär Berninger hält der Kritik Ronsöhrs die steigende Nachfrage nach Öko-Produkten entgegen. Sie belege die Bereitschaft der Verbraucher, für Qualität mehr zu bezahlen. Angesichts steigender Öko-Importe kritisiert Berninger die Zurückhaltung der Bauern gegenüber dem Ökolandbau. "Die sehen die Marktchancen nicht", sagt er. Der Deutsche Bauernverband (DBV) weist die Kritik zurück. Das Interesse der Bauern an der Umstellung auf Ökolandbau sei so stark wie nie zuvor, sagt DBV-Sprecher Michael Lohse. Die Bundesregierung müsse endlich aufhören, Gräben zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauern zu ziehen - ein Vorwurf, den wiederum Berninger zurückweist. Der DBV akzeptiere die ökologische Landwirtschaft noch immer nur als "Blume im Knopfloch".

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