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Große Preisunterschiede bei Gas - Verbraucher: Boykott erfolgreich

Die Preisunterschiede zwischen den günstigsten und den teuersten Gasanbietern betragen nach einer Studie bundesweit fast 38 Prozent. Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus (Dienstag, 21.55) verglich 600 Anbieter.

dpa-afx KÖLN. Die Preisunterschiede zwischen den günstigsten und den teuersten Gasanbietern betragen nach einer Studie bundesweit fast 38 Prozent. Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus (Dienstag, 21.55) verglich 600 Anbieter. Verbraucherschützer bekräftigten unterdessen ihren Aufruf zu einem Boykott der Gasrechnungen bei deutlichen Preiserhöhungen.

Laut Plusminus kommen Kunden eines hessischen Lieferanten bei 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch mit 839 Euro am billigsten weg. Ähnlich günstige Gaspreise gebe es auch in Münchweiler an der Rodalb (Rheinland-Pfalz) und in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen). Dagegen müssten Verbraucher in Angermünde in Brandenburg für die gleiche Menge 317 Euro mehr zahlen und damit am tiefsten in die Tasche greifen. Das Preisniveau im Osten liege generell höher als im Westen.

Im Durchschnitt am teuersten sei Erdgas in Sachsen (1 090 Euro) und Sachsen-Anhalt (1 080 Euro). Am billigsten sei Gas in Schleswig- Holstein mit durchschnittlich 941 Euro, gefolgt von Niedersachsen (970 Euro) und Nordrhein-Westfalen (975 Euro.) Allerdings gebe es auch innerhalb der Bundesländer Unterschiede von bis zu 30 Prozent.

Die Boykott-Kampagne gegen die jüngsten Gaspreis-Erhöhungen von teils mehr als zehn Prozent ist nach Ansicht des Bundes der Energieverbraucher sehr erfolgreich. "Bislang beteiligen sich mehr als 50 000 Einwender daran. Es müsste locker drin sein, dass es bald 170 000 und damit ein Prozent aller mit Gas versorgten Haushalte in Deutschland sind", sagte der Vorsitzende Aribert Peters der dpa. Fernziel sei es, die Gaskonzerne von überzogenen Preiserhöhungen abzubringen.

Bis jetzt sei seines Wissens noch kein Verbraucher beklagt, mit einer Gassperre bedroht oder mit Mahngebühren belastet worden. "Die Versorger haben Angst vor Klagen, weil sie dann ihre Kalkulation offen legen müssten", meinte Peters. Die Energiekonzerne hätten immer größere Rekordgewinne und erhöhten dennoch fortwährend die Preise.

Der seit September laufende Aufruf seines Vereins und mehrerer Verbraucherzentralen, mit Verweis auf Paragraf 315 BGB (Billigkeit) jede Gas-Preiserhöhung von mehr als zwei Prozent abzulehnen, wirke sich aus Verbrauchersicht auch positiv auf die Politik aus. "Die Kampagne nimmt Einfluss auf die laufenden Beratungen im Bundestag über das Energiewirtschaftsgesetz", sagte Peters. Wer die Preisanhebungen als unbillig hoch zurückweise, brauche die Erhöhung zunächst nicht zu zahlen und spare dadurch viel Geld, erklärte Peters.

Der Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft begründete die Unterschiede mit dem Wettbewerb zwischen Öl und Gas in der jeweiligen Region. Unterschiedliche Heizölpreise führten auch zu Unterschieden bei den Gaspreisen.

Die Verbraucherzentralen haben die deutschen Strom-und Gasunternehmen für die Wirtschaftsflaute mitverantwortlich gemacht. Durch überhöhte Netz-Durchleitungsgebühren halte sich die Branche unliebsame Konkurrenten vom Hals und verhindere so einen wirkungsvollen Wettbewerb, sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Edda Müller, der "Berliner Zeitung" (Dienstag).

Würde der Wettbewerb bei Strom und Gas ähnlich laufen wie bei den britischen Nachbarn, könnte die deutsche Wirtschaft eine Konjunkturspritze in Höhe von jährlich bis zu elf Mrd. Euro an zusätzlicher Kaufkraft bekommen, sagte Müller. Im Vergleich zu Haushalten in Großbritannien, wo eine Regulierungsbehörde den Strom- und Gasmarkt überwache, müssten die Privatkunden hier zu Lande im Schnitt pro Jahr 300 Euro mehr für Energie ausgeben.

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