Große Resonanz an den Osterreisetagen
Connex fährt auf dem Erfolgsgleis

Noch sind die schnittigen, blau-gelb-weiß lackierten Züge des privaten Bahnanbieters Connex ein ungewohnter Anblick auf deutschen Schienensträngen. Doch genau einen Monat nach dem Start der ersten privat betriebenen Fernbahnverbindung zwischen Gera und Rostock sieht es so aus, als ob sich der frühere Monopolist Deutsche Bahn AG (DB) an Herausforderungen gewöhnen muss.

afp BERLIN. "Das Interesse der Kunden ist riesig", freut sich der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Connex-Regio, Hans Leister. "Wir hoffen, dass wir bereits zum Winterfahrplan ab Mitte Dezember neue Fernstrecken anbieten können."

Nachgedacht wird bei Connex-Regio derzeit über Verbindungen von Berlin auf die Ostseeinsel Rügen, nach Wernigerode im Harz und nach Zittau in Sachsen. Die endgültige Entscheidung über eine Expansion soll bei der Tochter des milliardenschweren französischen Mischkonzerns Vivendi in den nächsten Wochen fallen. Doch die ersten Erfahrungen nach dem Start der 475 Kilometer langen Verbindung von Gera über Berlin nach Rostock am 1. März haben Leister beflügelt: "Die Linie war ein Experiment zur Markterkundung, und das Experiment ist geglückt und wird fortgesetzt."

An den Osterreisetagen drängten sich an Gleis 15 des Berliner Bahnhofs Lichtenberg jeden Nachmittag an die 150 Menschen, um mit dem Inter-Connex nach Rostock zu fahren. Die allein erziehende Berlinerin Rita Lüttich und ihre sechsjährige Tochter etwa reisten über die Feiertage mit dem Privatzug an die Ostsee. "Im Connex zahle ich nur 14 Euro, für den normalen Zug hätte ich 34 Euro zahlen müssen, weil ich keine Bahn-Card habe. Außerdem hätte ich umsteigen müssen."

Die Bahn hatte im vergangenen Frühjahr den Interregio nach Rostock vom Gleis genommen. Er war nicht rentabel. Seitdem wird die Strecke vor allem von bummeligen Regionalexpressen bedient. «Bei Fernverbindungen ist für uns die Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend", sagt Bahn-Sprecher Gunnar Meier, der die private Konkurrenz "gelassen" sieht. «Es macht für uns keinen Sinn, mit leeren Zügen durch die Gegend zu fahren.»

Connex-Regio-Geschäftsführer Leister setzt darauf, die leeren Züge durch niedrigere Preise und besseren Service als bei der DB voll zu kriegen. Eine hohe Auslastung soll die Mehrkosten wettmachen. Zu Beginn der Osterferien seien in den beiden täglichen Verbindungen zwischen Rostock und Gera um die 700 Passagiere gereist - eine Auslastung von 70 bis 90 Prozent. Schon nach zwei Wochen habe der Wert bei über 50 Prozent gelegen, sagt Leister. «Das ging viel schneller als erwartet.» Für einen rentablen Betrieb der Strecke genüge eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent.

Erste Fahrgastbefragung von Connex ergaben, dass nur fünf Prozent der Passagiere regelmäßige Kunden der DB sind. Leister hofft auf einen neuen Kundenkreis und hat dabei offenkundig Menschen wie den Rentner Oskar Wachtenberg im Auge. Der Leipziger ist zu Ostern schon zum zweiten Mal mit dem Connex zu seiner Tochter nach Berlin gefahren: "Mit der Deutschen Bahn fahre ich schon lange nicht mehr, über die habe ich mich schon so oft geärgert." Zu teuer, zu unfreundlich sei der frühere Staatsbetrieb. Seit es die Connex-Verbindung gibt, lässt er sein Auto öfter in der Garage stehen.

Die Connex-Gruppe, die bereits 19 Nahverkehrsstrecken in Deutschland betreibt, profitiert im Fernverkehr davon, dass der Marktführer Deutsche Bahn sein weitgehend unprofitables Interregio-Netz nach und nach aufgibt. "Regionen wie der Harz, die Ostsee oder der Schwarzwald sind mit Bahnfernverbindungen total unterversorgt", sagt Holger Jansen vom Fahrgastverband Pro Bahn. "Die DB konzentriert sich statt dessen auf die profitablen Hochgeschwindigkeitsstrecken und auf den öffentlich subventionierten Nahverkehr." Connex könnte zwischen diesen beiden Segmenten eine Mittelstellung einnehmen. Das Potenzial ist da: Die Fernstrecken der Bahn werden jedes Jahr von mehr als hundert Millionen Fahrgästen genutzt.

Für den Schnäppchen-Fahrpreis bei Connex muss der Kunde allerdings in Kauf nehmen, dass an regulären Reisetagen nur einmal täglich am Morgen ein Zug von Gera nach Rostock und am Nachmittag zurück fährt. Die Fahrkarten gelten nicht für die Deutsche Bahn und können auch nur im Zug, im Reisebüro oder über eine Hotline reserviert werden. Kunden klagen, dass die Hotline oft überlastet sei. "Es knirscht noch etwas, aber wir arbeiten daran", räumt Leister ein. Die Zahl der Hotline-Mitarbeiter sei nun auf acht erhöht worden.

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