Große Schlussorders
Dax schließt auf Tageshoch

Den ganzen Tag über schaffte es der Dax nicht in die Plus-Zone. Doch in der Schlussauktion machte der deutsche Standardwerte-Index dann noch einen kleinen Satz und schloss über der psychologisch wichtigen 5000er Marke.

Reuters - FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex Dax hat am Montag kaum verändert geschlossen, was Händler mit der anhaltenden Schwäche der US-Leitbörsen erklärten. In der Schlussauktion drehte der Dax noch leicht in die Gewinnzone und notierte über der psychologisch wichtigen Marke von 5000 Punkten. "Die Skepsis am deutschen Markt ist noch groß, vor allem weil es an klaren Worten zur Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr fehlt", sagte ein Börsianer. Der deutsche Markt reagiere daher hauptsächlich auf die Vorgaben der US-Börsen, die am Montag ihre deutlichen Verlusten der Vorwoche zunächst nicht ausgleichen konnten.

Der Dax schloss 0,15 Prozent höher auf einem Tageshoch bei 5008 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax gab indes 0,07 Prozent auf 4495 Zähler nach. Am Neuen Markt büßte der Auswahlindex Nemax50 1,35 Prozent auf 834 Punkte ein. In den USA tendierten die Märkte bis zum Handelsschluss in Frankfurt schwächer. Der Dow-Jones-Index für die Standardwerte lag 0,2 Prozent im Minus, während die Technologiebörse Nasdaq 0,17 Prozent verlor.

Im Blickpunkt des deutschen Handelsgeschehens standen die Papiere der Deutschen Bank, die nach der Vorlage von im Rahmen der Erwartungen liegenden Quartalszahlen nachgaben. Automobilwerte gaben im Schnitt ein Prozent ab, Banken und Versicherer 0,7 Prozent. Versorgertitel tendieren dagegen etwas fester und Technologie-Werte im Schnitt gut behauptet. Händler sprachen jedoch von einem insgesamt lustlosen Handel. Am Neuen Markt waren die Titel der Direktbank Consors gefragt, nachdem die französische Bank BNP Paribas wie erwartet die Mehrheit an Consors übernahm.

Siemens verloren 0,6 Prozent auf 65,80 Euro und Infineon ein Prozent auf 20,70 Euro. Epcos tendierten dagegen im Vorfeld der Geschäftszahlen für das zweite Quartal sehr fest und legten um 2,8 Prozent auf 46,44 Euro zu. Auch wenn kurzfristig technisch eine Erholung angedeutet werde, sei der Aufwärtstrend begrenzt, so ein Analyst. Das gelte zumindest solange, bis Epcos nicht in der Lage seien, den langfristigen Abwärtstrend vom Mai 2001 zu durchbrechen, sagte der Beobachter. Die nächste Unterstützung liege bei 42,40 Euro, ein Widerstand bei 48,60 Euro.
SAP schlossen nach bewegtem Handelsverlauf unverändert bei glatt 143,00 Euro. Die Analysten von J.P. Morgan hatten SAP auf "Market Performer" von zuvor "Buy" abgestuft. Als Grund nannten die Analysten "überzogene Gewinnwachstumsraten", die im Kurs enthalten seien. Sie halten lediglich ein Umsatzwachstum von elf Prozent bis 2007 für realistisch im Gegenstz zu 15,5 Prozent, die derzeit eingerechnet seien.

Die Aktien der Deutschen Bank verloren 0,7 Prozent auf 71,24 Euro. Das Finanzinstitut verdiente im ersten Quartal 2002 deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. "Die Zahlen lagen alle mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen", sagte ein Händler. "Aber wenn man die eine Milliarde Euro aus Aktienverkäufen abzieht, dann sieht das schon nicht mehr so rosig aus", fügte er hinzu. Eine Milliarde Euro erlöste die Deutsche Bank eigenen Angaben zufolge aus Anteilsverkäufen.

Vor den am Dienstag erwarteten Quartalszahlen gaben die Anteilsscheine des Einzelhandelskonzerns Metro knapp zwei Prozent auf 35,80 Euro nach. Händler sagten, vermutlich sei auf schwache Zahlen und einen verhaltenen Ausblick spekuliert worden.
Bayer -Papiere gaben 3,72 Prozent auf 35,70 Euro nach. Händler verwiesen auf Nachwirkungen der Quartalszahlen vom Freitag. Die Papiere wurden allerdings am Montag ex Dividende gehandelt. Die Herausrechnung der Dividende war allein für einen Verlust von 2,4 Prozentpunkten des Gesamtabschlages verantwortlich.

Die Aktien der Deutschen Telekom stiegen dagegen um 2,6 Prozent auf 15,18 Euro. Sie seien am Freitag kurz vor Handelsschluss extrem unter Druck geraten und hätten die Verluste nun teilweise wieder ausgeglichen. "Der Kurs war sehr schwach, nachdem der Telekom-Konzern Sonera T-Aktien verkauft hat. Daher würde ich dem jetzigen Anstieg nicht allzuviel Bedeutung beimessen", sagte ein Analyst.
Positive Nachrichten gab es für Preussag. Zum einen wurde bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel nicht zu RWE wechseln werde, wie zuvor in Presseberichten spekuliert worden war. Zum anderen hatte Goldman Sachs die Gewinnprognose für das Unternehmen um drei Prozent angehoben. Die Aktie gewann 2,9 Prozent auf 30,50 Euro.

Am Neuen Markt stiegen die Consors -Papiere um 30 Prozent auf 12,35 Euro. Die BNP hatte zuvor von der Consors-Mutter SchmidtBank den Zuschlag für das 66,4-prozentige Aktienpaket an dem Online-Broker erhalten. Nach den geltenden Übernahmebestimmungen muss die BNP nun den freien Consors-Aktionären ein Angebot machen, das mindestens dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 90 Tage entspricht. Händler sagten, dieser liege bei rund 12,05 bis 12,20 Euro. Falls die BNP jedoch einen höheren Preis gezahlt hat, gilt dieser auch für die übrigen Aktionäre. Details der Übernahme sollen am Dienstag bekannt gegeben werden.

Im MDax waren die Papiere von ProSiebenSat.1 und Celanese besonders gefragt. Die TV-Senderfamilie legte 5,28 Prozent auf 11,16 Euro zu, obwohl der Konzern im ersten Quartal einen Gewinneinbruch verzeichnet hatte und eine Erholung erst gegen Ende des Jahres erwartet. Positiv wirkten sich nach Einschätzung eines Analysten dagegen Aussichten auf einen Investor für das Unternehmen aus, der womöglich einen über dem fundamentalen Wert liegenden strategischen Preis zahlen könnte.
Die Titel des Chemie-Unternehmens Celanese stiegen um 10,4 Prozent auf 24,41 Euro. Celanese gab für das weitere Geschäftsjahr einen etwas optimistischeren Ausblick als noch vor wenigen Wochen bekannt. "Der Ausblick war gut", sagte ein Händler. Außerdem hatte die Investmentbank Merck Finck die Aktie hochgestuft.

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