Große Stars und kaum Käufer
Filmunternehmen haben an Glanz eingebüßt

Die Schwäche der Medienunternehmen am Neuen Markt sehen Analysten nur zum Teil als gerechtfertigt an. Neben dem allgemein schlechten Klima am Wachstumssegment leiden gerade Filmunternehmen momentan unter dem schleppenden Verkauf von Lizenzrechten. Solange Quizsendungen und Containerepisoden Millionen vor den Bildschirm locken, sind Ergebnisse unter Plan zu erwarten.

DÜSSELDORF. Gunnar Cohrs, Analyst bei der Berenberg Bank, stuft zurzeit nur Constantin Film als "Kauf" ein. Ihn überzeugt, dass das Unternehmen aus der Produktion kommt. "Der Mix aus Eigenproduktion und Rechtezukauf stimmt", urteilt der Analyst. Im Gegensatz zur Konkurrenz habe das Unternehmen zudem einen guten Draht zur Kirchgruppe und damit Zugang zu einer der zwei privaten TV-Familien in Deutschland. In den kommenden Monaten rechnet Cohrs damit, dass es, wie bei den TV-Sendern, auch bei den Filmunternehmen zu einer Konsolidierung kommen wird.

Auch Jan M. Herbst, Analyst bei Sal Oppenheim, sieht auf einige Filmhändler schwierige Zeiten zukommen. "Natürlich gibt es Unternehmen, die zuviel für ihre Rechte bezahlt haben. Da wird ein Ausleseprozess stattfinden."



Die Senderfamilien sitzen am längeren Hebel

Ein anderer Analyst wird deutlicher: "Die Sender wollen die Neue-Markt-Unternehmen ausbluten lassen. Das ist ein offenes Geheimnis." Bekannt sei beispielsweise, dass Leo Kirch die Order ausgegeben habe, bei Kinowelt keine Filme mehr zu kaufen.

Herbst deutet die Kaufzurückhaltung der Sender hingegen als Test. "Es ist generell die Frage, ob sich die Fernsehgewohnheiten der Zuschauer ändern. Sollten tatsächlich Quizsendungen und Big-Brother-Staffeln als Programmware für hohe Quoten ausreichen, wäre eine Neubewertung der Filmhändler insgesamt erforderlich." Das hält Herbst allerdings für wenig wahrscheinlich. Seiner Auffassung nach wird schon bald wieder eine hohe Nachfrage nach attraktiven Filmen einsetzen.

Cohrs meint, Filmunternehmen stünden heute vor zwei Herausforderungen. Zum einem müssten sie diversifizieren, um die Abhängigkeit vom Einkaufsverhalten der Free-TV-Sender zu reduzieren, zum anderen müssten sie sich einen Zugang zu qualitativ hochwertigem Filmmaterial zu vertretbaren Kosten verschaffen, und das funktioniere nur direkt an der Quelle, also in den USA.

Gut positioniert sieht Herbst in dieser Hinsicht die Helkon AG , die bereits über das Tochterunternehmen New Market in Los Angeles vertreten ist. Das Münchner Unternehmen verfolgt eine aggressive Expansionspolitik und strebt dabei Verträge nicht mit den Filmstudios, sondern direkt mit den Produzenten an. In den vergangen Tagen ist der Aktienkurs stark gesunken, was Herbst auf den Tod des Unternehmensgründers zurückführt. Werner Koenig war am 12. November in der Schweiz bei der Besichtigung einer Kulisse für Dreharbeiten in eine Lawine geraten. Herbst belässt Helkon dennoch auf "Kaufen".



"Kinowelt inzwischen ein Übernahmekandidat"

Nur ein "Halten" ist für ihn derzeit aber für Kinowelt drin. Zwar sei die Aktie zurzeit billig zu haben, aber die häufigen Strategiewechsel des Unternehmens, das mal einen Fernsehsender betreiben wolle, dann beabsichtige, eine Zeitschrift auf den Markt zu bringen, wirkten etwas "unausgegoren". Da der Wert der Filmrechte derzeit über der Marktkapitalisierung liege, sei Kinowelt inzwischen ein Übernahmekandidat.

Grundsätzlich optimistisch sieht Herbst dagegen die Entwicklung beim Merchandising-Spezialisten EM-TV . Risiken wie eine noch ausstehende Entscheidung der EU zum Einstieg in die Formel 1 oder Probleme bei der Bilanzierung hätten auch schon beim Kursstand von 45 Euro bestanden, meint der Analyst zur Begründung.

Einen anderen Wert, der in den vergangenen Tagen stark eingebüßt hat, mag derzeit indes kaum ein Analyst lobend erwähnen. So stufte die Berenberg Bank die Intertainment -Aktie vorige Woche auf "reduzieren" herab, nachdem das Unternehmen einräumen musste, die eigenen Planzahlen zu verfehlen.



Medienunternehmen sind schwer durchschaubar

Ob Quartalszahlen in diesem Segment überhaupt als Maßstab herangezogen werden, bezweifeln Insider. "Wenn ein Unternehmen seine gesamten Umsätze mit zwei oder drei Paketen erzielt, sind Quartalszahlen nicht sehr aussagekräftig", sagt ein Marktbeobachter. Da Medienunternehmen viel Spielraum hätten und meist schwer durchschaubar seien, hielten sich, auch das ein Zeichen mangelnder Transparenz, die Analysten mit Quartalsschätzungen sehr zurück.

Friedrich Schellmoser, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, will aus einem anderen Grund keine Prognose zu einzelnen Aktien abgeben. "Die Kurse haben längst nichts mehr mit der Realität zu tun, meint der Analyst. Zurzeit herrsche Panikstimmung an der Börse, die alle Indices gleichermaßen treffe. "Ich sehe niemanden, der in diesen Markt hineinkauft." Herbst tröstet sich mit langfristigem Potenzial. "Ich glaube, dass Inhalte wichtig bleiben. Nicht nur TV und Video, DVD und Video on demand leben davon. Auch UMTS wird nur mit attraktiven Inhalten zum Erfolg werden", sagt der Analyst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%