Große Trauerfeier in Paris
Jetzt 97 deutsche Todesopfer bei Concorde-Absturz

Zwei Tage nach dem katastrophalen Absturz der Concorde bei Paris sind alle 113 Todesopfer von der Unglückstelle geborgen.

dpa PARIS/HAMBURG. Zwei Tage nach dem katastrophalen Absturz der Concorde bei Paris sind alle 113 Todesopfer von der Unglückstelle geborgen. Neben 96 deutschen Urlaubern ist auch eine deutsche Stewardess unter den Toten, die seit 23 Jahren für Air France arbeitete. Die stark verstümmelten und verkohlten Leichen wurden in ein gerichtsmedizinisches Institut in Paris gebracht. Am Unglücksort machten die Mediziner den Technikern Platz, die in den verglühten Wrackteilen nach weiteren Hinweisen auf die Ursache für den Absturz des Überschallflugzeuges vom Dienstag suchen.

Zu der offiziellen deutsch-französischen Trauerfeier in der Pariser Kirche Madeleine am Donnerstagabend wurden zahlreiche Angehörige der getöteten Deutschen, aber auch Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) erwartet. Eine Schweigeminute sollte auf den drei Pariser Flughäfen Orly, Le Bourget und Charles de Gaulle zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes eingelegt werden.

Zuvor hatten sich rund 70 Angehörige am Flughafen zu einer Informationsveranstaltung getroffen, an der auch Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta teilnahm. Dabei wurden die Hinterbliebenen über den Hergang des Absturzes und über den Stand der Ermittlung zur Unglücksursache informiert. Zudem ging es darum, wie die Familien ihre Ansprüche geltend machen können und wie die Toten nach Deutschland überführt werden können.

Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Rund 600 Menschen gedachten bereits am Morgen in Schleswig- Holstein am Sitz der Reederei Deilmann, die die Unglücksmaschine gechartert hatte, der Opfer des Infernos. In München beteten Grundschüler für zwei getötete Schulkameraden, die mit ihren Eltern und Großeltern am Dienstag ums Leben kamen. In ganz Deutschland wehten die Flaggen auf den Gebäuden der obersten Bundesbehörden auf halbmast.

Zu den Ermittlungen über die Ursache des Absturzes zwei Minuten nach dem Start wollte die französische Fluggesellschaft am Donnerstagmittag keine Angaben mehr machen. "Unsere eigene Untersuchung und die der Behörden sind in vollem Gange", sagte eine Sprecherin. "Bevor sie nicht abgeschlossen sind, werden wir nichts weiter sagen." Die Auswertung der beiden Flugschreiber sollte bis zum Donnerstagabend abgeschlossen sein.

Erste Analysen hatten bereits klare Hinweise auf einen Schaden an einem der beiden linken Triebwerke als Auslöser des Absturzes ergeben. Unklar war noch, ob eine Reparatur am Triebwerk kurz vor dem Start in der Tat mit dem Feuer und dem Absturz des Flugzeugs in Verbindung steht.

Ein langjähriger früherer Pilot des Überschallflugzeuges geht davon aus, dass das ausgebrochene Feuer ein Treibstoff-Brand war. "Das ist kein Triebwerks-Feuer, wenn man sich die Flammen ansieht, die völlig außer Kontrolle waren", sagte der in Australien lebende Stuart Robertson in einem TV-Interview. Er hatte ein Foto der niedrig fliegenden Concorde gesehen, von der ein Flammenschweif ausging. Das Foto hatte der 20-jährige ungarische Student, Foto-Amateur und Flugzeug-Fan Andras Kisgergely kurz vor dem Absturz geschossen.

An eine schnelle Überführung aller Opfer nach Deutschland ist nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Klimmt noch nicht zu denken. Bisher sei noch keine Identifizierung möglich gewesen, sagte er der "Saarbrücker Zeitung". "Das ist sehr schwierig", führte der Minister aus. "Bei einigen Opfern wird es noch länger dauern." Bei dem Absturz waren außer den 109 Menschen an Bord auch vier Menschen in einem Hotel getötet worden. Die Unglücksstelle nahe des Pariser Vorortes Gonesse ist ein einziges schwarzes Bild der Verwüstung.

Den Angehörigen der Opfer wird Air France als ersten Teil der Entschädigung mindestens 140 000 Franc (42 000 DM) zahlen müssen, teilte die Versicherungsgesellschaft La Réunion Aérienne in Paris mit. Auf die Versicherer kommen nach Schätzungen von Experten Zahlungen von bis zu 150 Mill. $ (312 Mill. DM) zu. In Europa liege die Entschädigung für die Angehörigen in solchen Fällen zwischen 600 000 und einer Million $ pro Todesopfer.

Gegen einen "französischen Masochismus" wegen des Absturzes hat sich die Präsidentin der neogaullistischen RPR-Partei, Michèle Alliot-Marie, am Donnerstag gewandt. "Das war der erste Unfall dieses bemerkenswerten Flugzeuges in 25 Jahren", sagte sie. "Alle Jahre gibt es unglücklicherweise Boeing-Abstürze mit sehr viel mehr Opfern."

Für den weiteren Einsatz von Überschallflugzeugen hat sich auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf, ausgesprochen. Nach den Stand der Ermittlungen sei die Absturzursache nicht im Flugzeugtyp selbst begründet, sagte der Koordinator für die deutsche Luft- und Raumfahrt in einem Interview des Südwestrundfunks (SWR). Überschallflugzeuge seien notwendig. "Im Zeitalter der Globalisierung brauchen wir eben auch diese Mobilität."

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