Große Unterschiede in der Abhängigkeit vom Börsengeschehen
Finanztitel stehen unter Spannung

In der Börsenpanik sind viele Banken- und Versicherungstitel ins Schleudern geraten - häufig unabhängig von jeder rationalen Begründung. Bei nüchternem Blick bieten einige Aktien aus dieser Branche jetzt wieder gute Chancen. In Europa kam es jetzt überwiegend zu einer Erholung der Finanztitel.

DÜSSELDORF. Es war einmal: Finanzwerte gelten traditionell als "defensiv". Also als recht stabil gegenüber Kursschwankungen und damit auch für konservative Anleger geeignet. In dieser Woche hat die Branche jedoch ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Einbrüche im zweistelligen Prozentbereich und ebenso drastische Aufholjagden wechselten sich ab. Dies erinnerte eher an den Neuen Markt als an das, was man von Standardtiteln gewohnt ist. Die gesamte Börse befand sich auf Achterbahnfahrt, doch die Finanztitel drehten die extremsten Loopings.

"Der Markt hat immer Recht", sagt Bankanalyst Metehan Sen von Oppenheim, um gleich einzuschränken: "Aber es ist gibt jetzt deutliche Übertreibungen." Sein Kollege Frank Stoffel von der WestLB sieht für die Versicherungen vor allem die Übertreibungen. Er empfiehlt die Münchener Rück und die Allianz, weil er glaubt, dass sie mit ihrer Finanzstärke den Krisen gut gewachsen sind.

Während der Frankfurter Chaostage deutete sich zeitweise ein gefährlicher Verstärkereffekt an. Finanzkonzerne sind in ihren Erträgen stark von der Börse abhängig und beeinflussen als Schwergewichte wiederum selbst die Indizes. Bei den Versicherern rührt die Abhängigkeit aus der Kapitalanlage, bei den Banken aus dem Börsengeschäft. Doch es gibt große Unterschiede im Grad der Abhängigkeit. Die Deutsche Bank etwa ist verhältnismäßig stark im Börsengeschäft engagiert. "Sie wird besonders profitieren, wenn die Märkte wieder laufen", sagt daher Oppenheim-Analyst Sen. Die Tatsache, dass Bankchef Josef Ackermann wegen seiner Rolle im früheren Mannesmann-Aufsichtsrat ins Visier der Justizbehörden ist, möchte der Analyst nicht überbewerten. Er verweist darauf, dass sich das Institut gegenüber ausländischen Konkurrenten recht gut gehalten hat. Die spanischen Konzerne gerieten durch ihr Geschäft in Lateinamerika unter Druck, die Franzosen durch ihr Engagement bei dem kriselnden Medienkonzern Vivendi.

Wer der Börse auch mittelfristig nur wenig zutraut, aber auf eine wirtschaftliche Erholung hofft, ist als Anleger besser mit Banken bedient, die über ein gesundes Privatkundengeschäft ohne einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich der Kapitalmärkte verfügen. Sen nennt als Beispiele hierfür die französische BNP und die italienische Bank Unicredito.

Unterschiede auch bei Versicherern

Auch bei den Versicherern ist die Abhängigkeit von der Börsenentwicklung unterschiedlich ausgeprägt. "Das hängt sehr von der Struktur der Kapitalanlage ab", sagt Stoffel. Allianz und Münchener Rück hätten einen recht hohen Aktienbestand. Weil sie früh in den Markt eingestiegen seien, hielten sich die Probleme aber in Grenzen. Der niederländische Versicherer Aegon, der Anfang der Woche mit einer Warnung vor einbrechenden Erträgen die Verkaufswelle ausgelöst hatte, ist laut Stoffel nur noch in geringem Umfang in Aktien engagiert. Allerdings habe er viele Unternehmensanleihen gekauft und damit jetzt möglicherweise ein Problem.

Die Frage, ob der Schwerpunkt im Konzern eher bei der Lebensversicherung oder der Sachversicherung liegt, ist laut Stoffel für die Anfälligkeit der Titel in Börsenkrisen kaum von Bedeutung. Nach seiner Einschätzung laufen kurz- bis mittelfristig die Sachversicherer besser, weil dort die Preise anziehen. Längerfristig sei aber zum Beispiel der Generali-Konzern mit seinem erfolgreichen Lebensversicherungsgeschäft interessanter - wegen des steigenden Vorsorgebedarfs in Europa.

Jetzt legte die Hypo-Vereinsbank rote Zahlen vor, die aber schon erwartet worden waren. Die großen Finanztitel zeigten sich in Deutschland wenig auffällig, während sie jenseits der Grenzen europaweit eher auf der Gewinnerseite standen. In Großbritannien gab eine positive Prognose von HBOS den Banken Auftrieb. Allianz und Axa stuften Analysten herab, britische Finanztitel und die französische Credit Lyonnais dagegen herauf.

In Deutschland spielte der Finanzdienstleister MLP eine Sonderrolle. Er steht erneut wegen der Vorwürfe gegen die Bilanzierungspraxis, die in dieser Woche zu einer Durchsuchung geführt hatten, unter Druck. Die Aktienstrategen von HSBC Trinkaus haben die Anteilscheine wegen dieser Probleme von "Kaufen" auf "Hinzufügen" herabgestuft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%