Große Werbekampagne gestartet
Telekom Austria strebt an die Börse

Die Aktie der Telekom Austria soll zur "Volksaktie" werden. Die Experten halten allerdings die Aktionärskultur in Österreich gegenüber Deutschland für nicht vergleichbar.

dpa-afx WIEN. Eine "Volksaktie" nach deutschem Vorbild hofft die österreichische Telekom Austria (TA) mit ihrem Börsengang im Herbst zu schaffen, doch die Startposition für den Wiener Ex-Monopolisten ist ungleich schwieriger. So halten Experten die Aktionärskultur in Österreich für deutlich weniger entwickelt als in Deutschland zum Zeitpunkt der Telekom-Privatisierung 1996. Und selbst entschlossene und erfahrene Anleger könnten zögern: Die TA hat ihre Umstrukturierung nicht abgeschlossen und muss noch Tausende Arbeitsplätze abbauen. Zudem erfolgt die Erstnotierung kurz vor dem Beginn der UMTS-Mobilfunk-Auktion in Österreich, deren Ergebnis die Anleger möglicherweise abwarten wollen. Die gegenwärtige TA-Eigentümerin, die staatliche Holding ÖIAG, verbreitet dennoch Optimismus.

Zwischen dem 6. und dem 10. November sollen 25 % des TA-Kapitals erstmals an der Wiener Börse gehandelt werden. Um das Interesse der Österreicher zu wecken und die Zahl der Aktionäre von landesweit bislang 500.000 zu verdoppeln, hat die TA rund 100 Mill. Schilling (etwa 14 Mill. DM) in eine groß angelegte Marketing-Kampagne investiert: Seit zwei Wochen läuft eine Plakataktion, in der für das "Ticket" geworben wird. Jeder Interessent kann es kostenlos und unverbindlich bestellen und hat damit im Falle einer Überzeichnung die Garantie, Aktien zu erhalten. "Niemand wird mit leeren Händen nach Hause gehen", erklärt ÖIAG-Sprecher Lutz Sperlich. Die beauftragte Werbeagentur Scholdan & Company meldet reges Interesse: "Wir haben täglich Tausende Anrufe und es ist noch Ferienzeit", berichtet Geschäftsführer Bernhard Grabmayr.

Ob die Tickets indes tatsächlich zum Aktienkauf genutzt werden, ist nicht sicher. Die Geschäftszahlen der TA für dieses Jahr sind nicht ermutigend: Firmenchef Heinz Sundt erwartet einen Jahresverlust "unter fünf Mrd. Schilling" (etwa 714 Mill. DM), nachdem die Gruppe im vergangenen Jahr noch einen Gewinn vor Steuern von 3,5 Mrd. Schilling (500 Mill. DM) erwirtschaftete. Das schwache Ergebnis in diesem Jahr sei auch auf außerordentliche Aufwendungen im Vorfeld des Börsengangs zurückzuführen, sagt Telekom-Sprecherin Edina Hruby. Die TA muss sich nach eigenen Angaben bis 2003 von 5000 ihrer 18.650 Mitarbeiter trennen, wenn sie wettbewerbsfähig sein will.

Doch Experten sehen mögliche Probleme nicht nur in der Restrukturierung. "Die Fragezeichen, die ich sehe, sind die Entwicklung der Internet-Aktivitäten und wie man sich ins internationale Konzert einklinkt", sagt der Telekom-Experte des staatlichen Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Hannes Leo. Im Internetbereich hat die TA mit "jet2web" gerade erst eine Online-Tochter gegründet. Und ein Engagement in Osteuropa hätten nicht nur die Telekom, sondern auch die anderen staatlichen österreichischen Großbetriebe "verschlafen", sagt Leo. Die Ost-Aktivität der TA beschränkt sich auf Beteiligungen an einer Internetfirma in Tschechien und einer Mobiltelefongesellschaft in Kroatien.

Einen glatten Misserfolg der Aktie will sich bei dem Unternehmen kaum jemand vorstellen. "Ich gehe ganz automatisch von einem Aufwärtstrend aus", sagte TA-Aufsichtsratspräsident und ÖIAG-Vorsitzender Johannes Ditz dem Magazin "Format". Angesichts der europaweit fallenden Telekom-Werte dürfte die Aktie zu einem günstigen Preis gehandelt werden. Und mittelfristig können die Anleger Leo zufolge mit einer Übernahme rechnen, die für die Aktienbesitzer fast immer Gewinne bringt. "Ich gehe davon aus, dass die Telekom in einen Konzern oder Unternehmensverbund übergeht", so der Wifo-Experte.

TA-Chef Sundt, der sich österreichischen Medienberichten zufolge wegen der andauernden Umstrukturierung lange gegen einen Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt gesträubt hatte, sagte es in einem Interview noch deutlicher: "In Europa werden vier bis sechs eigenständige Telekomkonzerne übrigbleiben. Es ist kein Geheimnis, dass wir da nicht dazugehören".

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