Große Zustimmung bei Kundschaft
Samstagseinkauf bis 20.00 Uhr bleibt Ausnahme

Der Einkauf bis 20.00 Uhr am Samstag wird zunächst eine Ausnahme bleiben. Die meisten Geschäfte wollen von kommendem Samstag ihre Öffnungszeiten lediglich bis 18.00 Uhr verlängern.

HB/dpa BERLIN. Das ergaben Umfragen des Einzelhandelsverbandes HDE. Vor allem in den Einkaufsmeilen großer Städte werden die Läden länger geöffnet haben. Der Handel erwartet unterdessen nach einem Anstieg des privaten Konsums im ersten Quartal 2003 einen geringeren Rückgang der Jahresumsätze: 1,0 statt 1,5 Prozent. Die längeren Ladenöffnungszeiten am Samstag würden den Gesamtumsatz vermutlich nicht steigern.

Die längere Öffnungszeit von Geschäften an Samstagen stößt einer Umfrage zufolge bei der Kundschaft auf große Zustimmung. Drei Viertel aller Kunden begrüßen die Änderung, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Branchenzeitschrift "TextilWirtschaft" (Frankfurt) ergab. Von diesem Samstag an können Geschäfte bis 20.00 Uhr statt wie bisher nur bis 16.00 Uhr öffnen.

Der Einzelhandel sehe ungeachtet der Konjunkturflaute "einen kleinen Lichtblick", die Lage bleibe aber angespannt, sagte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, am Mittwoch in Berlin. Deflationsgefahren sieht Franzen aber nicht. "Wir sparen uns in Deutschland nicht zu Tode." Nach einer HDE-Umfrage werden rund 60 Prozent der Geschäfte in Stadtzentren samstags länger öffnen. Die meisten Läden wollen dabei die Türen um 18.00 Uhr schließen. Nur neun Prozent wollten die Öffnungsmöglichkeit bis 20.00 Uhr nutzen. In Gewerbegebieten wollten nur 45 Prozent später schließen, in Vororten und Stadtteilen 14 Prozent und in ländlichen Gemeinden 29 Prozent.

Geschäfte erwarten verschärften Wettbewerb

Der Umfrage zufolge erwarten die Geschäfte von den längeren Öffnungszeiten eine Verschärfung des Wettbewerbs. "Es ist ja nicht so, dass die Kunden mehr Geld haben, wenn sie länger einkaufen können", sagte Isa Gartiser vom Landesverband Bayerischer Einzelhandel (LBE). Vielleicht könnte aber ein gewisses Umsatzvolumen vom Internet- und Versandhandel zurückgewonnen werden. In Sachsen befürchtete Verbandsgeschäftsführer Eberhard Lucas eine Verschiebung von kleinen zu großen Geschäften.

Die Stimmung bei den Beschäftigten sei angesichts der längeren Arbeitszeiten schlecht, sagte Hubert Thiermeyer von der Gewerkschaft ver.di in Bayern. "Die Jugendlichen schimpfen, weil sie erst später ausgehen können, die Männer beklagen sich, weil sie die Sportschau verpassen." Ein weiteres Problem sei die schlechte Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel am Samstagabend. Auch ver.di in Sachsen bezweifelte, ob der Aufwand im Verhältnis zu den Umsätzen stehen werde.

Mangelnde Anschaffungsbereitschaft

Trotz der Besserung bei den Umsatzerwartungen wird es nach den Worten von Franzen noch keine durchgreifende Aufwärtsbewegung geben. "Die Stimmung der Konsumenten ist zwar nicht mehr so abgrundtief schlecht wie zum Ende des Jahres 2002. Doch es fehlt nach wie vor an einer soliden Anschaffungsbereitschaft." Die Menschen hätten zu wenig Einkommen zur Verfügung, um sich größere Wünsche erfüllen zu können. "Angstsparen" gebe es aber nicht.

Nach dem "schwarzen Jahr 2002" mit einem Umsatzrückgang um zwei Prozent drohe jetzt ein weiteres Minus auf 367 Mrd. Euro. Damit bewege sich der Einzelhandel auf dem Niveau von 1993. "Das sind zehn verlorene Jahre", sagte Franzen. Positive Ausnahmen seien lediglich der Lebensmittelhandel, der in den ersten vier Monaten 2003 um 2,2 Prozent zugelegt habe und der Bereich Gesundheit/Körperpflege, der um 1,2 Prozent gewachsen sei.

Das Ladensterben wird nach den Erwartungen auch 2003 weitergehen. Der HDE rechne mit 30 000 Pleiten und im Saldo mit Neugründungen mit 15 000 Einzelhandelsgeschäften weniger. Insgesamt gibt es nach HDE - Angaben nach unterschiedlichen Statistiken um die 435 000 Geschäfte. Die Zahl der Beschäftigten - insgesamt 2002 rund 2,8 Millionen - werde um rund 30 000 sinken.

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