Großer Aufwand der Medien
Jahrhundert-Flut beschert gute Quoten

Dutzende Reporter und Fotografen an bröckelnden Deichen, Fernseh-Teams, die mit Hubschraubern dem Flutwasser der Elbe folgen: Zeitungen und TV-Sender haben in den vergangenen Tagen mit enormem Aufwand die Jahrhundert-Katastrophe begleitet.

dpa HAMBURG. Zumindest teilweise hat das den Medien hohe Einschaltquoten und steigende Auflagen beschert, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF liefern unter den großen Fernseh-Sendern die umfassendste Berichterstattung.

Allein der Mitteldeutsche Rundfunk, für Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Thüringen zuständig, hat nach eigenen Angaben 380 Mitarbeiter von Redaktion und Technik für Hörfunk/Fernsehen an die Brennpunkte entsandt. Das ZDF hat rund 110 Mitarbeiter im Überflutungsgebiet eingesetzt, darunter 20 Kamerateams, die mit sechs Übertragungswagen und vier Schnittmobile unterwegs sind. Insgesamt haben ARD und ZDF bisher jeweils etwa 24 Stunden Sonderprogramm gemacht - mit oft hervorragender Resonanz.

Der Berliner Privatsender Sat.1 hat einer Sprecherin zufolge seit Beginn der Katastrophe 40 Mitarbeiter in der Region, beim Kölner Sender RTL sind es rund 20 Reporter und fünf Übertragungswagen. Besonders stark profitiert hat der Nachrichtensender n-tv vom Hunger der Zuschauer nach Informationen. Der Marktanteil liegt seit Tagen teilweise um ein Mehrfaches über den durchschnittlichen 0,7 Prozent. n-tv hat nach eigenen Angaben "mit dem größten logistischen Aufwand" seit Gründung des Senders rund 40 Mitarbeiter von Redaktion und Technik im Einsatz.

Deutschlands auflagenstärkste Zeitung, die "Bild", hat insgesamt 20 Berichterstatter und Fotografen in die Region beordert. "Das treibt natürlich die Redaktionskosten nach oben", sagte Chefredakteur Kai Diekmann. Die zusätzliche Belastung ließe sich aber nicht beziffern. Die Geschäftsführung der "Süddeutschen Zeitung", Auflagenführer unter den überregionalen Abo-Zeitungen, rechnet wegen des Leser-Interesses mit einem höheren Verkauf am Kiosk. Allerdings werde es in den überschwemmten Gebieten zu Einbußen beim Einzelverkauf kommen, da viele Händler nicht beliefert werden konnten. Bei der Berichterstattung werden die örtlichen SZ- Korrespondenten durch zusätzlich entsandte Reporter unterstützt.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat ebenfalls ihre Mitarbeiter vor Ort durch Redakteure aus der Zentrale verstärkt. Die redaktionellen Kosten hätten sich nur unwesentlich erhöht, berichtete Herausgeber Berthold Kohler. Der Umfang des vermischten Ressorts "Deutschland und die Welt" sei für Reportagen vergrößert worden. Die "Frankfurter Rundschau" hat ihre Seite 2 seit einigen Tagen zur Sonderseite gemacht. Bei der Berichterstattung vor Ort verlässt man sich auf die beiden Landeskorrespondenten.

Die Berliner "Welt" ist mit mehreren wechselnden Reporterteams im Hochwassergebiet. Deren fünftägige Recherchen seien in einer Sonderbeilage zusammengefasst worden, von der man sich auch eine höhere Auflage erhoffe. Eine leicht höhere Auflage wurde bei der "Berliner Zeitung" festgestellt. Da wegen des Sommerlochs weniger Anzeigen geschaltet seien, habe man den Platz für die Flut genutzt, ohne zusätzliche Seiten zu produzieren. Zehn Redakteure und fünf Fotografen seien mit dem Thema beschäftigt, sagte der geschäftsführende Redakteur Holger Zöllner.

Auch die großen Wochenmagazine haben sich ganz der Flut gewidmet: "Der Spiegel" hat in der vergangenen Woche insgesamt 27 Kollegen auf das Thema angesetzt. Bei "Focus" sind nach Angaben eines Sprechers 50 Redakteure mit dem Hochwasser beschäftigt, 20 davon vor Ort. "Für den "Stern" sind augenblicklich entlang der Elbe rund 12 Reporter und Fotografen unterwegs", sagte Chefredakteur Thomas Osterkorn. Die Zeitschrift hat außerdem den Erscheinungstermin diese Woche auf Montag vorgezogen. Dies sei zwar aufwendig und teuer, aber das Interesse der Leser sei den erhöhten Einsatz Wert.

Sehr hohe Verkaufszahlen bei den Printmedien verzeichnen ausgerechnet diejenigen, die durch die Überschwemmungen auch den größten Schaden erlitten haben. "Sächsische Zeitung" und "Dresdner Morgenpost", die vom Wasser vertrieben wurden und seitdem Notausgaben in Bautzen und Berlin produzieren, haben ihre Druckauflage um 20 Prozent erhöht. Wie auch andere Regionalzeitungen in den Katastrophengebieten finden die beiden Blätter reißenden Absatz. Dafür gibt es auch einen speziellen Grund: Für viele Flutopfer ohne Strom und Fernsehen sind die Zeitungen einzige Informationsquelle.

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