„Großer Frust“ statt Urlaubsfreuden
Nachspiel für Ralf Schumacher

"Weiß-blau" ist gerade groß in Mode, doch Ralf Schumacher spielt nur noch eine Nebenrolle in der Formel-1-Show von Williams-BMW. Der 28-Jährige, noch vor vier Wochen der Mann der Stunde, ist vom Pech verfolgt und womöglich beim nächsten Grand Prix schon von vornherein der Verlierer. "Im Moment bin ich nur leer. Es wird ein paar Stunden dauern, bis ich realisiert habe, was da alles passiert ist", schilderte der Kerpener seine Gefühlslage nach dem Großen Preis von Deutschland: "Dann erst wird der große Frust kommen, insofern brauchte ich für Budapest keine Strafe, ich bin eh schon bestraft genug."

HB/dpa HOCKENHEIM. Von seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya abgehängt, zum zweiten Mal hintereinander ohne Punkte und von den Rennkommissaren bestraft: Ralf Schumacher hat seine Titel-Ambitionen ausgerechnet nach seinem Heimrennen in Hockenheim aufgegeben. "So sind meine WM-Chancen - so sie überhaupt existiert hatten - natürlich dahin, keine Frage", erklärte er auf seiner Homepage. 18 Punkte Rückstand hat er auf seinen führenden Bruder Michael, zwölf auf Montoya.

BMW-Motorsportchef Mario Theissen brachte die Situation beider Williams-Fahrer auf den Punkt: "Juan Pablo ist obenauf, Ralf nicht. Vorher war es umgekehrt." Erst bei der Heimreise nach Salzburg erfuhr Ralf vom "eigentlichen Hammer des Tages", dem Urteil der Rennkommissare. "Peng. Das saß. Das muss ich erst einmal verdauen", so Schumacher.

"Ralf hatte zwei Mal hintereinander großes Pech", sagte Theissen mitfühlend. Zuletzt in Silverstone war "Schumi II" wegen eines abgerissenen Luftleitblechs nur Neunter, nachdem er zuvor auf dem Nürburgring und in Magny-Cours Siege gefeiert hatte. Gerade von einer Grippe genesen, schien Ralf in Hockenheim in einem überlegenen Auto zumindest Zweiter hinter Montoya werden zu können.

Doch nun droht der Startunfall, durch den auch Silberpfeil-Pilot Kimi Räikkönen und Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello ausschieden, dem jüngeren Schumacher auch das nächste Rennen am 24. August in Ungarn zu verderben. Dort soll Ralf in der Startaufstellung um zehn Plätze zurückversetzt werden. So lautet die Strafe, die ihm die drei Stewards in Hockenheim aufbrummten. Die Rennkommissare gaben Ralf die Schuld an der Kollision, da er nach links gezogen sei.

Schumacher will in der Sommerpause Urlaub mit der Familie machen, aber ihm steht ein banges Warten bevor. Williams kündigte Berufung gegen das Urteil an. Diese muss vom nationalen Verband des Fahrers, in diesem Fall dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB), binnen sieben Tagen eingereicht und dann vor dem Berufungsgericht des Weltverbandes FIA verhandelt werden, erklärte eine FIA-Sprecherin. "Selbst im Falle einer Bestrafung muss und werde ich natürlich die Entscheidung akzeptieren", so Ralf, "aber, um ehrlich zu sein, würde ich das Ganze zwar als unglücklich, aber auch als normalen Renn-Unfall werten." Theissen fand: "Ralf ist auf seiner Ideallinie geblieben."

Die jüngste Pechsträhne ist für Ralf Schumacher nicht nur im Hinblick auf die WM bitter. Ausgerechnet sein Team-interner Rivale Montoya stahl ihm die Show, das Punkteverhältnis aus den letzten beiden Rennen lautet 0:18. Montoyas Überlegenheit führt dem Deutschen vor Augen, was er selbst mit dem Williams-BMW erreichen könnte. Das weiß-blaue Auto, vor Wochen noch als langsame "Schildkröte" verspottet, hat sich Dank eines unbändigen Kraftaufwands des Teams zu Michael Schumachers größter Titel-Gefahr entwickelt.

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