Großes Marktpotenzial
Bluetooth-Technologie - Zukunft ohne Kabelsalat

Die Blauzahn-Technologie befreit die Computeranwender vom Kabelchaos und kann noch viel mehr: Selbst der drahtlose Empfang von E-Mails, Faxen und sogar Bildern per Laptop und Handy ist möglich. Bluetooth ist ein offener Standard, der mobile Geräte wie Handys, Handheld-Computer, Organizer oder andere elektronische Geräte schnurlos miteinander verbindet. Dieser Standard eignet sich für die Übertragung von Sprache, Daten und Bildern.

DÜSSELDORF. Das Handy in der Tasche und trotzdem mit dem Laptop ins Internet, E-Mails und Faxe oder sogar Urlaubsschnappschüsse an die daheim Gebliebenen versenden? Das könnte bald möglich sein, denn mit Bluetooth telefoniert nicht nur der von Kabelstrippen genervte Anrufer drahtlos per Headset über sein mobiles Telefon oder Computer.

Die Bluetooth-Technologie wird auch Meetings und Konferenzen revolutionieren: Elektronische Dokumente, Terminkalender und Geschäftskarten könnten künftig von allen Teilnehmern gleichzeitig über ihren mobilen Computer eingesehen werden, ohne dass eine Vernetzung über störende Kabel erforderlich ist. Selbst ein Projektor ließe sich drahtlos mit Graphiken füttern. "Aber auch daheim tun sich ganz neue Möglichkeiten auf: Bluetooth-Geräte werden zu einer Art Schaltzentrale, die anzeigt, ob die Heizung läuft, der Kühlschrank leckt, die Herdplatte aus oder die Alarmanlange aktiviert ist. Diese Technologie bringt eine völlig neue Dimension in die Kommunikation", beschreibt Jens Kürten, Manager Public Relations bei Ericsson , das Zukunftsszenario.

Der Bluetooth-Standard wurde maßgeblich in den Labors von Ericsson im schwedischen Lund entwickelt. Historisches Vorbild für diese Technologie ist übrigens König Harald Blütand ("Harald Blauzahn"), denn er einte gemeinsam mit seinen Verbündeten im zehnten Jahrhundert Dänemark und Norwegen.

Wie funktioniert Bluetooth?

Bei Bluetooth handelt es sich um eine Funkkomponente im Ultrahochfrequenz-Bereich, die in einen Mikrochip eingebettet ist. Mit dieser Technik lassen sich mobile Geräte kabellos miteinander verbinden, ohne dass Sichtkontakt erforderlich ist. Bluetooth nutzt das frei verfügbare Funknetz ISM (Industrial Scientific Medical) bei einer Frequenz von 2,4-GHz. Damit Interferenzen und Störungen zwischen gleichfrequenten Geräten vermieden werden - Mikrowellen und Handfunkgeräte beispielsweise laufen auch mit 2,4 GHz, arbeitet Bluetooth mit einem Frequenzsprungverfahren: "In diesem Frequenzband wechselt Bluetooth 1600 mal pro Sekunde die Frequenz, um Daten zu übertragen (Frequency Hopping). Somit kann es sehr gut anderen Diensten ausweichen, wodurch sich die Sicherheit einer Bluetooth-Verbindung erheblich erhöht", erläutert Thomas Luszczynski, Technical Account Manager bei Red-M, Neu-Isenburg. Das Unternehmen besteht seit August 2000 und ist im Bereich drahtloser Internet-Server-Produkte auf Basis der Bluetooth-Technologie tätig.

Wie leistungsfähig ist die Technologie?

Die Übertragungsleistung von Bluetooth beträgt bis zu 1 Mbit pro Sekunde bei einer Reichweite von zehn bis maximal 100 Metern. Die Reichweite hängt von der verwendeten Sendeleistung der Bluetooth-Geräte ab, die zwischen einem Milliwatt und 100 Milliwatt liegt. Acht Geräte können kommunizieren, im Höchstfall lassen sich sogar 127 Bluetooth-Geräte über das sogenannte Pico Net miteinander verbinden. "Um die Anzahl der aktiven Bluetooth-Geräte zu erhöhen, werden sogenannte Bluetooth Access Points eingesetzt. Damit lassen sich weitere Pico Netze aufbauen, die sich auch überlappen können, um im Umkreis von 10 Metern noch mehr aktive Bluetooth-Geräte einzubinden. Soll zum Beispiel ein ganzes Gebäude mit Bluetooth ausgestattet werden, verteilt man mehrere Bluetooth Access Points und verbindet diese über ein konventionelles Ethernet," erklärt Luszczynski.

Doch nicht überall ist der Einsatz von Bluetooth ohne Probleme möglich, denn in Japan, Frankreich und Spanien beispielsweise wird derselbe Frequenzbereich von anderen Institutionen verwendet. Die französische Regierung hat das Frequenzband jetzt aber freigegeben, Japan und Spanien werden diesem Beispiel folgen.

Rund 2000 Unternehmen entwickeln für Bluetooth

Im Mai 1998 hat die von Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba gegründete Special Interest Group (SIG ) den Standard erstmals vorgestellt und offengelegt: Um Bluetooth zu fördern, ist jedem seine Verwendung erlaubt. Seitdem auch Microsoft mit von der Partie ist, hat die Interessengemeinschaft großen Auftrieb bekommen: Innerhalb von zwei Jahren haben sich knapp 2.000 Unternehmen der SIG angeschlossen. Sie kommen unter anderem aus der Informations- und Kommunikationsbranche, der Unterhaltungselektronik und dem Fahrzeugbau.

Großer Markt für Bluetooth

Eine Studie der Marktforscher Frost & Sullivan vom Frühjahr 2000 bescheinigt Bluetooth großes Marktpotenzial. Die Umsätze allein in Europa sollen in diesem Jahr schon 36,7 Millionen US-Dollar betragen und bis zum Jahr 2006 auf knapp 700 Millionen ansteigen. Auch die Marktforscher von der Cahners Instat Group sagen der Technologie eine erfolgreiche Zukunft voraus. Sie erwarten bis 2005 weltweit mehr als 1,4 Milliarden verkaufte Bluetooth-Geräte. Analysten kalkulieren das Marktvolumen auf jährlich fünf Milliarden Dollar. "Im nächsten und übernächsten Jahr wird Bluetooth sehr schnell zum Massenmarkt. Elektronische Geräte aller Art werden dann mit der Technologie ausgerüstet sein. Durch den Einbau eines Bluetooth-Moduls wird sich der Preis für die elektronischen Geräte nur geringfügig ändern. Mittelfristig wird die Integration eines Moduls etwa fünf Euro kosten", erläutert Ericsson Manager Kürten.



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