Großes Marktpotenzial für Bluetooth-Technologie
Mit Bluetooth von den Fesseln befreit

Die Blauzahn-Technologie befreit die Computeranwender vom Kabelchaos und kann noch viel mehr: Selbst der drahtlose Empfang von E-Mails, Faxen und sogar Bildern per Laptop und Handy ist möglich. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist Ericsson. Das Unternehmen benannte die Technologie nach dem König Harald Blütand ("Harald Blauzahn"), denn er einte gemeinsam mit seinen Verbündeten im zehnten Jahrhundert Dänemark und Norwegen.

Handelsblatt - DÜSSELDORF. Seit 1998 entwickeln Ericsson, IBM, INTEL, Nokia und Toshiba als "Bluetooth Special Interest Group" den Standard zur schnurlosen Datenübertragung. Am 1. Dezember 1999 haben die fünf Gründer der Bluetooth Special Interest Group SIG die Unternehmen 3Com, Lucent, Microsoft und Motorola in die Gruppe aufgenommen, um eine Promoter-Gruppe der Bluetooth SIG zu bilden. Mittlerweile sind der SIG schon fast 2000 Unternehmen angeschlossen, der Beitritt von Microsoft hat der Bluetooth-Technologie wahrscheinlich zum endgültigen Durchbruch verholfen.

Wie funktioniert die Technologie?

Bei Bluetooth handelt es sich um eine Funkkomponente im Ultrahochfrequenz-Bereich, die in einen Mikrochip eingebettet ist. Mit dieser Technik lassen sich mobile Geräte miteinander verbinden, ohne dass Sichtkontakt erforderlich ist. Die Technik nutzt das frei verfügbare Funknetz ISM (Industrial Scientific Medical), das mit 2,45-GHz arbeitet. Die Übertragungsleistung beträgt bis zu 1 Mbit pro Sekunde bei einer Reichweite von zwölf Metern. Leistungsverstärkt soll sogar eine Reichweite bis zu 100 Metern möglich sein - allerdings wird dafür deutlich mehr Strom benötigt. Acht Geräte können miteinander kommunizieren, im Höchstfall lassen sich sogar 127 Geräte miteinander verbinden.

Was kann man damit anfangen?

Das Handy in der Tasche und trotzdem mit dem Laptop ins Internet? E-Mails und Faxe oder sogar Urlaubsschnappschüsse an die daheim Gebliebenen versenden? Das ist bald kein Problem mehr, denn mit Bluetooth telefoniert nicht nur der von Kabelstrippen genervte Anrufer drahtlos per Headset über sein mobiles Telefon oder Computer. Die Bluetooth-Technologie wird nämlich auch Meetings und Konferenzen revolutionieren: Elektronische Dokumente, Terminkalender und Geschäftskarten können zukünftig von allen Teilnehmern gleichzeitig über ihren mobilen Computer eingesehen werden, ohne dass eine Vernetzung über störende Kabel erforderlich ist. Selbst ein Projektor lässt sich drahtlos mit Graphiken und Sheets füttern.

"Aber auch daheim tun sich ganz neue Möglichkeiten auf: Bluetooth wird zur Schaltzentrale, die anzeigt, ob die Heizung läuft, der Kühlschrank leckt, die Herdplatte aus ist, die Lautstärke des Fernsehers reguliert werden soll oder die Alarmanlange aktiviert ist. Bluetooth bringt eine völlig neue Dimension in die Kommunikation", beschreibt Jens Kürten, Manager Public Relations bei Ericsson, das Zukunftsszenario.

Großer Markt für Bluetooth

Eine Studie der Marktforscher Frost & Sullivan bescheinigt Bluetooth großes Marktpotenzial. Die Umsätze allein in Europa sollen in diesem Jahr schon 36,7 Millionen US-Dollar betragen und bis zum Jahr 2006 auf knapp 700 Millionen ansteigen. Hauptursache für die enorme Wachstumsrate von 63,4 Prozent sei die Tatsache, dass die Technologie eine überzeugende Lösung für kostengünstige drahtlose Übermittlung von Sprache und Daten über kurze Distanzen bietet.

Auch die Marktforscher von der Cahners Instat Group sagen Bluetooth eine erfolgreiche Zukunft voraus. Nach Untersuchungen der amerikanischen Marktforschungsgruppe sollen bis 2005 weltweit mehr als 1,4 Milliarden Bluetooth-Geräte verkauft werden. Die Analysten kalkulieren das zu erwartende Marktvolumen auf jährlich fünf Milliarden Dollar.

Cahners Instat setzt bei seinen Schätzungen eine kontinuierliche Forschung und Entwicklung zur Senkung der Kosten bei der Integration von Bluetooth voraus. Das Institut glaubt, dass nur preiswertere Produkte das Potenzial der Technologie tatsächlich ausschöpfen können. So sollen etwa funktionellere Chips die Kosten deutlich senken.

Gemäß der Studie werden die ersten mit Bluetooth ausgestatteten Mobiltelefone und Laptops diesen Herbst auf den Markt kommen, während Computer ihr Debüt aller Voraussicht in 2001 geben werden. Die ersten Bluetooth-fähigen Chipsätze werden für die zweite Hälfte dieses Jahres erwartet. Wirklich groß rauskommen werde Bluetooth im Jahr 2001.

Welche Produkte gibt es bis jetzt?

Ericsson hat die Bluetooth-PC-Card DBP-10 für die kabellose Verbindung zwischen Laptop und Handy entwickelt. Das Produkt kommt Ende 2000 auf den Markt. Der 1999 vorgestellte Bluetooth-Headset-Adapter ist ab Mitte 2000 erhältlich und wird das Telefonieren angenehmer machen. Das Screen-Phone HS210 mit Touch-Screen lässt sich auch vom Sofa aus schnurlos bedienen. Der eingebaute Blauzahn-Chip verbindet das Gerät mit der Basisstation.

Das Bluetooth-Modul von Toshiba ist so groß wie eine Briefmarke und damit so klein, dass es in nahezu jedes elektronische Gerät passt. Die Sender/Empfänger-Einheit arbeitet mit dem ISM-Standard, der in allen Ländern weltweit genehmigungsfrei verfügbar ist.

Intel und Microsoft wollen gemeinsam eine Roadmap erarbeiten, um bis Mitte 2001 eine direkte Unterstützung von Bluetooth in Windows zu integrieren.

Motorola hat ein Bluetooth-Kit für Kraftfahrzeuge angekündigt und führt damit die drahtlose Bluetooth-Technologie in der Automobiltechnik ein. Außerdem plant das Unternehmen eine Kooperation mit Logitec zur Entwicklung einer neuen Generation kabelloser Peripherie auf Basis der Bluetooth-Technologie.

Fuji Photo Film und Nokia kooperieren bei der Entwicklung der "Bluetooth"-Technologie zur digitalen Bildübertragung zwischen Mobilfunkgeräten und Digitalkameras sowie entsprechender Anwendungen. In Zukunft können Mobiltelefone und Digitalkameras drahtlos miteinander kommunizieren. Ziel der Kooperation zwischen den beiden Unternehmen ist die Integration von Fujifilms digitaler Bildverarbeitungstechnologie und dem Know-how von Nokia in der Mobilfunktechnologie. Konkret soll dabei die Bildübertragung von Digitalkameras zu Mobiltelefonen unter Benutzung der Bluetooth-Technologie realisiert werden. Die digitalen Daten lassen sich nicht nur übertragen, sondern von entsprechenden Servicelabors printen.

Red-M, Tochtergesellschaft von Madge Networks, hat eine Reihe von Acces-Server Produkten entwickelt, die Bluetooth-Geräten Zugang zum Internet und Intranet sowie in die öffentlichen Telefonnetze verschafft. Die ersten Produkte sollen im Oktober 2000 auf den Markt kommen.

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