Großfahndung nach Attentätern
Früherer korsischer Nationalistenführer Rossi erschossen

afp L'ILE_ROUSSE/BASTIA. Der frühere korsische Nationalistenführer Jean-Michel Rossi, der vor zwei Jahren dem bewaffneten Unabhängigkeitskampf abgeschworen hatte, ist am Montag umgebracht worden. An dem Anschlag mit Schnellfeuerwaffen beteiligten sich fünf Attentäter, die in der Stadt l'Ile-Rousse an der Nordwestküste Korsikas nach Polizeiangaben mindestens 50 Schüsse abfeuerten. Außer Rossi wurde ein von ihm engagierter Leibwächter getötet und ein Kellner der Gaststätte "La Piscine" verletzt. Die Sicherheitskräfte lösten eine Großfahndung nach den Tätern aus, die mit einem Auto entkamen. In die Ermittlungen wurde die Anti-Terror-Einheit DNAT eingeschaltet. Am Wochenende hatte die nationalistische Dachorganisation Unita bei einem Treffen in Corte bekräftigt, dass sie am bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit von Frankreich festhält.

Mehrere Salven wurden auf das Lokal "La Piscine" abgefeuert, in dem Rossi häufig anzutreffen war. Rossi gehörte bis 1998 zu den Führungsfiguren der politischen Organisation A Cuncolta Naziunalista, einem Ableger der bewaffneten Gruppierung FLNC-Canal historique. Ende Juni erschien ein Interview-Band mit dem Titel "Pour solde de tout compte" (etwa: "Wenn alles beglichen ist"), in dem Rossi sich über seinen politischen Lebensweg äußerte. Er hatte sich nach der Ermordung des Präfekten Claude Erignac im Februar 1998 aus der Führung der Cuncolta verabschiedet. 1999 sagte Rossi, die Bedingungen für eine Unabhängigkeit Korsikas seien nach seiner Meinung nicht gegeben.

An dem Nationalisten-Treffen in Corte im Zentrum Korsikas beteiligten sich am Wochenende unter dem Dach der Unita neun nationalistische Organisationen. Der Sprecher der Organisation Corsica Nazione, Jean-Guy Talamoni, erklärte in Corte, die Nationalisten sähen sich "nicht auf dem Weg zur Autonomie, sondern zur Souveränität". Eines Tages werde es gelingen, der französischen Zentralregierung nicht nur "Status-Veränderungen", sondern die Unabhängigkeit abzuringen, sagte François Sargentini, eine Führungsmitglied von A Cuncolta.

Die Pariser Regierung hatte den Korsen Ende Juli begrenzte gesetzgeberische Kompetenzen vorgeschlagen. Während einer zweijährigen Testphase sollen die gewählten korsischen Vertreter die Vollmacht haben, bestimmte Gesetze den regionalen Erfordernissen anzupassen und Ausnahmeregelungen zu treffen. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft, ist eine entsprechende Verfassungsänderung für das Jahr 2004 in Aussicht gestellt. Dabei würden dann auch die beiden korsischen Departements zusammengelegt und eine einheitliche Vertretung geschaffen. Das Ganze wurde mit der Bedingung verknüpft, dass die korsischen Nationalisten auf Waffengewalt künftig verzichten.

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