Großinvestor Soros empfiehlt Intervention
Euro erholt sich im späten Handel leicht

Reuters FRANKFURT. Der Euro ist am Dienstag wieder klar unter die Marke von 0,89 Dollar gefallen. Nachdem zum Yen sogar ein Allzeit-Tief markiert worden war, erholte sich die Gemeinschaftswährung im späten Handel aber von den Tagestiefständen zum Dollar bei 0,8849 Dollar. Gegen 21.45 Uhr MESZ wurde der Euro bei 0,89 Dollar notiert. Händlern zufolge belasteten vor allem Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Euro-Kurs, der auch nicht von ermutigenden Konjunkturdaten profitierte. Schröder hatte am Montag gesagt, die derzeitige Euro-Schwäche sei kein Grund zur Sorge. Dagegen sagten Devisenhändler, ein schwacher Euro schade dem Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone, da es über steigende Importpreise zu weiteren wachstumshemmenden Zinsanhebungen kommen könnte.

Händlern zufolge lassen Schröders Aussagen den Schluss zu, dass die Politiker, anders als die Notenbanker, einen schwachen Euro tolerieren würden. Nach Meinung des Großinvestors George Soros könnte der fortgesetzte Kursverfall des Euro an den internationalen Devisenmärkten durch eine Intervention der Zentralbanken umgekehrt werden. Soros, der in der Vergangenheit erfolgreich gegen einige Währungen spekuliert hat, sagte am Dienstag in New York, alle Bedingungen für eine erfolgreiche Intervention zu Gunsten des Euro seien vorhanden. "Und der Trend kann zurzeit durch eine Intervention umgekehrt werden", sagte Soros.

Das Allzeit-Tief zur US-Währung wurde am 1. September bei 0,8840 Dollar erreicht und am Dienstag fast erreicht. Dies entspricht einem Wertverlust von 25 Prozent seit der Einführung Anfang 1999. Zum Yen fiel der Euro am Dienstag auf ein neues Allzeittief von 93,85 Yen.

Bundeskanzler Schröder hatte am Montag auf einer Konferenz für die neuen Länder in Berlin gesagt, der kräftige Auslandsumsatz in Ostdeutschland sei auf den niedrigen Wechselkurs des Euro zurückzuführen. Daher sei der Kursverlust der Währung "mehr Anlass zur Freude als zur Sorge". Devisenhändler kritisierten Schröders Kommentar am Dienstag erneut. Russel Jones, Chef des Devisen-Research bei Lehman Brothers in London sagte, ein Fehler wie dieser sei schwer wieder gutzumachen. "Die Märkte tendieren dazu, sehr grausam zu sein in solchen Dingen". Experten betonten zudem, die Äußerungen von Politikern stünden in scharfem Kontrast zu jüngsten Aussagen der europäischen Notenbanker. So hatten der französische Notenbankchef Jean-Claude Trichet und Bundesbankpräsident Ernst Welteke in der vergangenen Woche gesagt, der Euro sei "deutlich unterbewertet". In einer Erklärung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihrer Entscheidung, die Leitzinsen am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent anzuheben, hatte es geheißen, die Euro-Schwäche und die damit verbundenen Inflationsgefahren seien ein Grund für die Zinsanhebung gewesen.

Keine weiteren Kostenvorteile duch schwachen Euro



Der schwache Euro ist Händlern zufolge für die Exportwirtschaft nicht mehr unbedingt von Vorteil. So hatte die Europäischen Kommission kürzlich berichtet, die Kostenvorteile der europäischen Exporteure hätten ihr Hoch bereits im Mai 2000 erreicht. Mit den ersten Anzeichen einer Konjunkturabschwächung in der Euro-Zone habe der Euro seine Arbeit, die Exporte anzuheben, demnach wohl bereits getan, hieß es am Markt. Ein weiterer Kurverlust stelle nun eher ein Hindernis als eine Hilfe für die europäische Wirtschaft dar. "Langfristig bevorzugen wir eine stabile Währung, denn diese führt auch zu einer stabilen Konjunktur", sagte ein finnischer Händler. Selbst starke Konjunkturdaten in der Euro-Zone konnten die Währung am Dienstag nicht stützen. Wie die Forschungsgruppe NTC Research mitteilte, lag der Reuters-Service-Index für die Euro-Zone im August bei 60,3 (60,1) Punkten. Volkswirte werteten die Daten als weiteres Signal, dass die Konjunktur in der Euro-Zone ihren Höhepunkt erreicht habe.

Auch mittelfristig sei keine Besserung des Euro-Trends zu sehen, sagten einige Händler. "Die Daten aus der Euro-Zone sind nicht schlecht, aber wir haben weiterhin das Problem, dass die US-Konjunktur immer noch schneller wächst als die Wirtschaft der Euro-Zone. Solange dies der Fall ist, werden sich Investoren nur ungern dem Euro zuwenden", sagte David Brickman, Volkswirt bei PaineWebber in London. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, sagte unterdessen in einem Zeitungsinterview, die Schwäche des Euro dokumentiere die Schwäche der Europäischen Union (EU). "Die gemeinsame Linie bei der Konsolidierung der Haushalte sollte dem Euro langfristig helfen," sagte Siebert. Allerdings gebe es viele Ursachen für die gegenwärtige Schwäche der Währung.

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