Großinvestoren mit der 1-Cent-Spanne unzufrieden
Dezimalnotierungen an der Wall Street umstritten

Drei Wochen nach Einführung der Dezimal-Kursnotierung an der New Yorker Börse (NYSE) erwägt NYSE-Chef Richard Grasso offenbar schon erste Änderungen. Nach einem Gespräch mit Händlern kündigte Grasso die Bildung eines Ausschusses an, der entsprechende Anpassungen des neuen Dezimalsystems erarbeiten soll.

HB NEW YORK. Nach Informationen beteiligter Händler soll Grasso bei dem Treffen selbst die Einführung einer neuen Mindestkursspanne von fünf Cent (Nickel) auf den Tisch gebracht haben. Für diese "Nickel-Lösung" hatten sich Investoren und Händler bereits vor der Umstellung von der Bruch- auf die Dezimalnotierung am 29. Januar stark gemacht.

Diese "Nickel-Lösung" soll es den Kursmaklern, die für den Handel in bestimmten Aktien verantwortlich sind ("Specialists") erschweren, sich bei Großordern institutioneller Investoren zwischenzuschalten und den Kurs für die Investoren um Kleinstbeträge von einem oder zwei Cents ("Pennies") zu verschlechtern. Diese Kursaufschläge, so beklagen die Großinvestoren, summieren sich bei Großaufträgen zu stattlichen Beträgen

Die "Specialists" sind zu diesem Zwischenhandel berechtigt, da sie bei den von ihnen betreuten Titeln als Markt-Puffer fungieren, um den Kurs zu stabilisieren und Liquidität zu sichern. Im Interesse eines glatten Handelsflusses sind sie berechtigt und verpflichtet, Aktien auf eigene Rechnung zu kaufen oder aus dem eigenen Bestand zu verkaufen. Gegebenenfalls dürfen sie auch Aufträge zurückweisen, sollten diese den Markt destabilisieren.

Kritiker aber behaupten schon lange, dass diese Puffer-Leistung beim heutigen Handelsvolumen kaum noch die Wirkung hat, um die Kosten zu rechtfertigen.

Börsenchef Grasso liebäugelt mit der Nickel-Variante

Nach dem Treffen am Freitag sagte Grasso allerdings, die Anpassungen könnten bis April auf sich warten lassen. Für die "Nickel"-Lösung zum Beispiel benötigt die NYSE-Leitung die Zustimmung der US-Börsenaufsicht SEC. Annette Nazareth, SEC-Direktorin für Marktregulierung, stellte bereits klar, dass zunächst eine gründliche Analyse nötig sei, wie sehr die jetzigen Ein-Cent-Intervalle die Marktdynamik beeinträchtigen. "Wir benötigen eine ausreichende Basis, um zu entscheiden, ob Feinanpassungen nötig sind", sagte die Direktorin. Auch Grasso betonte am Freitag, der bisherige Erfahrungszeitraum von drei Wochen sei erst kurz.

Der Druck auf Grasso aber wächst, da inzwischen erste Wall-Street - Handelshäuser begonnen haben, ihre Orders zumindest teilweise auf Regionalbörsen umzuleiten. Dies bestätigten Investoren und NYSE-Vertreter. Zudem stehen auch nicht mehr nur die Kursmakler in der Kritik. Händler meinten, auch Hedge-Fonds hätten die neuen Spekulationsmöglichkeiten des Dezimalsystems für sich entdeckt.

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