Großinvestoren sehen Aktie des Frankfurter Flughafens als interessantes Investment an
Bewertung von Fraport stößt auf Skepsis

Die erste deutsche Flughafenaktie ist nach der Vorstellung der Konsortialbanken bis zu 47 Euro wert. Fondsmanager halten die Fraport AG zwar für ein solides Unternehmen mit guten Wachstumschancen. Auf die Bewertung der Aktie reagieren die Investoren aber reserviert.

18.05.2001 FRANKFURT/M. Die an der zweiten deutschen Großemission in diesem Jahr beteiligten Banken wollen den Investoren die Fraport-Aktie zu einem Preis zwischen 39 und 47 schmackhaft machen. Nach Informationen des Handelsblatts testen die beiden Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein und Morgan Stanley seit Anfang dieser Woche in der Vorvermarktung bei institutionellen Anlegern, ob diese bereit sind, so viel Geld für die Aktien des Betreibers des Frankfurter Flughafens zu bezahlen.

Fondsmanager sehen die Preisvorstellungen der Banken jedoch kritisch. "Die Aktie sollte um die 30 kosten", meint etwa Michael Gierse von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. "Fraport ist zwar ein schönes Unternehmen mit guten Wachstumschancen, angesichts der politischen Risiken rund um den Flughafenausbau sollte die Aktie aber zu einem attraktiven Preis kommen", stimmt Michael Fraikin von der Fondsgesellschaft Invesco zu.

Als entscheidende Messlatte für den Fraport-Börsengang gilt die seit 1987 an der Börse notierte British Airport Authority (BAA). Im Vergleich zur BAA-Marktkapitalisierung von mehr als 6 Mrd. £ ist Fraport zwar nur ein kleiner Fisch. Allerdings attestieren die Banken den Frankfurtern das größere Wachstumspotential. Grund dafür sei der bevorstehende Flughafenausbau sowie die breitere Angebotspalette, da Fraport im Gegensatz zur Konkurrenz auch Bodendienste anbiete. Als Risikofaktoren gelten allerdings die noch immer schwelende politische Diskussion um den Ausbau, das damit verbundene Nachtflugverbot und die Gefahr einer Abwanderung der Lufthansa, dem mit Abstand größten Kunden von Fraport, in Richtung Münchner Flughafen.

Die BAA-Aktie wird derzeit auf Basis der für 2002 erwarteten Ergebnisse mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,6 gehandelt. Fondsmanager halten eine entsprechende Bewertung für Fraport jedoch für unangemessen. "Fraport ist zwar grundsolide und gleich auf mehreren Wachstumsmärkten aktiv, doch ein KGV von mehr als 15 lässt sich kaum vertreten", meint Union-Fondsmanager Gierse. Auch für Fraikin wäre "eine Bewertung von 15 in Ordnung".

Die Konsortialbanken beurteilen Fraport in ihren internen Studien als eine "risikoarme Möglichkeit, von der zunehmenden Kommerzialisierung der globalen Flughafenindustrie zu profitieren". Der Betreiber des zweitgrößten Flughafens in Europa habe hervorragende Wachstumsaussichten. Doch ausgerechnet im Jahr des Börsengangs wird Fraport nach Schätzung der Konsortialbanken einen Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) verzeichnen. Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet, dass das Ebit von 662 Mill. DM auf 604 Mill. DM schrumpft. Der zweite Konsortialführer, Morgan Stanley, prognostiziert hingegen nur einen Rückgang auf 649 Mill. DM. In den folgenden Jahren gehen beide Konsortialbanken dann aber wieder von einem deutlichen Ertragswachstum aus. Ungeachtet der Gewinndelle im laufenden Jahr erwarten beide Institute ein anhaltendes Wachstum bei der Dividende. Dresdner Kleinwort Wasserstein rechnet mit einem jährlichen Zuwachs von 10 %, Morgan Stanley sieht das Plus bei 8 bis 10 % liegen.

Offiziell wird die Fraport-Preisspanne kurz vor Beginn der am 28. Mai beginnenden Zeichnungsfrist bekannt gegeben. Privatanleger können die Flughafenaktie bis zum 7. Juni ordern, institutionelle Investoren haben einen Tag länger Zeit. Die Erstnotiz im amtlichen Handel der Frankfurter Börse ist für den 11. Juni geplant. Der Erlös aus dem Börsengang wird vollständig in die Kassen von Fraport fließen. Die 22,7 Mill. Aktien plus die Mehrzuteilungsoption von 3,4 Mill Aktien stammen komplett aus einer Kapitalerhöhung. Nach der Emission wird der Streubesitz des Flughafenbetreibers bei 29 % liegen. Der Rest entfällt auf das Land Hessen mit dann gut 32 %, die Stadt Frankfurt mit 20,5 % und den Bund mit etwa 18,5 %. Da sich der Bund im Gegensatz zu Stadt und Land nicht verpflichtet hat, seine Anteile zu halten, rechnet die Konsortialbank J.P. Morgan Chase damit, dass sich der Bund innerhalb der nächsten drei Jahre von seinen Anteilen trennen wird. Das wäre ganz im Sinne von Fondsmanager Gierse, der die hohe Staatsquote als eines der Risiken für die Flughafenaktie sieht.

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