Großinvestoren wollen Freibriefe für Manager nicht akzeptieren
Fonds gegen Schröders Übernahmegesetz

Banken und Investmentfonds halten das geplante Übernahmegesetz für eine stumpfe Waffe. Die rot-grüne Koalition will mit dem Regelwerk feindliche Übernahmen erschweren.

FRANKFURT/M. Für die Investment-Banker ist die Sache klar: Das geplante Übernahmegesetz der Bundesregierung schadet dem Image des Finanzplatzes Deutschland und wird zudem in der Praxis kaum Wirkung entfalten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblattes.

"Unternehmen, die versuchen, sich gegen ein unerwünschtes Übernahmeangebot mit Hilfe der neuen Regeln zu wappnen, wird der Kapitalmarkt abstrafen", sagt Ernst Fassbender, Managing Director der US-Investment-Bank Merrill Lynch. Geharnischte Proteste von Analysten und Anlegern begleitet von einem deutlichen Wertverlust an der Börse wären nach Meinung von Bankern die unausweichliche Folge.

Schutzmaßnahmen "auf Vorrat"

"Alle relevanten Anlegergruppen stehen wesentlichen Teilen des Gesetzes ablehnend gegenüber", bestätigt Christian Strenger, Aufsichtsrat der DWS, einer Fondstochter der Deutschen Bank. Den Unternehmen werde es deshalb "schwer fallen, sich gegen diesen Widerstand Freibriefe für die Abwehr eines feindlichen Übernahmeversuchs ausstellen zu lassen".

Wichtigster Kritikpunkt von Fonds und Banken: Wird das Gesetz wie erwartet verabschiedet, dann können sich Manager in Zukunft durch die Hauptversammlung "auf Vorrat" Schutzmaßnahmen gegen ein unerwünschtes Übernahmeangebot genehmigen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Kapitalerhöhungen, die eine Übernahme verteuern, oder ein Umbau des Unternehmens, der den Käufer abschreckt. Diese Vorratsbeschlüsse kann die Hauptversammlung mit Dreiviertelmehrheit für eine Frist von 18 Monaten erlauben. Nach der Sommerpause soll das Gesetz ins Parlament, um dann bereits zum 1. Januar 2002 in Kraft zu treten.

Stimmrechtsbeschränkungen in anderen Ländern üblich

Bundeskanzler Gerhard Schröder forcierte das umstrittene nationale Gesetz, nachdem die geplante Übernahmerichtlinie der EU im Europaparlament gescheitert war. Die EU wollte die Vorstände im Falle eines Kaufangebots zum Stillhalten verpflichten. Die Gewerkschaften, der Bundesverband der Deutschen Industrie und einige Spitzenmanager befürchteten dadurch Nachteile für deutsche Firmen. Sie würden einem unerwünschten Kaufangebot wehrlos gegenüberstehen, während in anderen Ländern Giftpillen wie Stimmrechtsbeschränkungen und Höchststimmrechte üblich seien.

Große Investmentfonds wollen, wenn es darauf ankommt, auf Hauptversammlungen gegen die Abwehrmaßnahmen auf Vorrat stimmen. "Im Zweifelsfall werden wir solche Beschlüsse ablehnen", betont Rolf Drees von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Bernhard Langer von der Fondsgesellschaft Invesco sieht das ähnlich: Zwar wolle niemand eine Kultur feindlicher Übernahmen wie in den USA während der achtziger Jahre. "Aber wirtschaftlich unsinnigen Vorratsbeschlüssen würden wir mit Sicherheit nicht zustimmen."

Fusionswelle wird nicht gebremst

Investment-Banker sehen dem Gesetz gelassen entgegen. Sie erwarten, dass es sich kaum ein Unternehmen leisten kann, Vorratsbeschlüsse auf die Tagesordnung zu setzen. Die erwartete Fusionswelle in Deutschland werde durch die Pläne der Bundesregierung nicht gebremst.

"Vorratsbeschlüsse machen die Sache zwar nicht einfacher, werden aber bei weitem nicht so oft zum Einsatz kommen wie gedacht", meint Hermann Prelle, Managing Director bei UBS Warburg. Auch am deutschen Kapitalmarkt würden sich auf Dauer Transparenz und fairer Wettbewerb durchsetzen, betont Alexander Dibelius von Goldman Sachs. Dazu gehöre der Wettstreit der Bieter um die Zukunft eines Unternehmens. Sein Schluss: "Zu Vorratsbeschlüssen wird es kaum kommen, das lassen die Aktionäre nicht zu."

Übernahmegesetz passt nicht in die Zeit

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