Großkonzern will bei der Globalisierung gesellschaftliche Verantwortung übernehmen
Unilever verbindet Profit und Ökologie

Auch multinationale Konzerne können nachhaltig wirtschaften. Unilever-Chef Antony Burgmans macht es vor. Analysten und Anleger honorieren das soziale und ökologische Engagement.

ROTTERDAM. Ein Aufschrei ging durch die Fangemeinde des US-Eisherstellers Ben & Jerry, als er im April 2000 in die "Fänge" des niederländisch-britischen Weltkonzerns Unilever N.V. geriet. Anhänger und Aktionäre des Eisladens fürchteten um dessen soziale Mission. Ben & Jerry's war wegen zahlreicher Projekte für den Regenwald, Kinder und Obdachlose zur Ikone sozial- und umweltverträglicher Unternehmensführung aufgestiegen.

"Ihre Projekte schließen nahtlos an das an, was wir tun", sagte Unilever-Vorstandschef Antony Burgmans dem Handelsblatt. Für den 53-jährigen gehört nachhaltiges Wirtschaften schon seit Jahren zu den Prinzipien seines Handelns. Davon scheint er schließlich auch die Fans von Ben & Jerry's überzeugt zu haben. Deren Protest verstummte, nachdem Unilever einen außergewöhnlichen Vertrag schloss. Der Konzern zahlt der für soziale und Umweltprojekte zuständigen Ben & Jerry's Foundation zehn Jahre lang jährlich mindestens 1,1 Mill. Dollar. Das ist fast dreimal mehr als sich 1999 aus dem bis dahin der Stiftung zufließenden Ben & Jerry's-Gewinnanteil von 7,5% ergab.

Unilever hat kein Fixum für Nachhaltigkeitsinvestitionen. Burgmans Strategie ist dezentral, orientiert sich an lokalen Gegebenheiten und ist an allen Konzern-Standorten als permanenter Prozess angelegt. "Unsere Vorgabe ist, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten", so der Unilever-Chef. Burgmans will den Hersteller von Omo, Domestos, Calvin Klein und Langnese nicht nur auf seinen Märkten zur Nummer eins machen oder diese Position ausbauen, sondern auch bei nachhaltigem Wirtschaften die Nase vorne haben.

Der Produzent von Nahrungs- und Reinigungsmitteln sowie Körperpflegeprodukten tut dies aber nicht aus purem Idealismus, sondern auch aus Eigeninteresse. "Wir fördern nachhaltige Landwirtschaft, Fischfang und Wassernutzung, denn 70 % unserer Grundstoffe kommen aus diesem Bereich",erläutert Unilever-Chef Burgmans. Nachhaltiges Wirtschaften garantiere die Lebensfähigkeit des Konzerns und stehe im Interesse von Verbrauchern und Aktionären. Die durch den Konzern verursachten Umweltbelastungen sanken seit 1996 laut eigenen Angaben stark. Der Wasser- und Energieverbrauch verringerte sich um 25 % beziehungsweise 20 %, obwohl die Produktion stieg.

Bis 2005 will der größte Weißfisch-Verarbeiter der Welt den gesamten Fisch aus nachhaltigem Fischfang erwerben. Daher gab Burgmans vor sechs Jahren zusammen mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) den Anstoß zur Gründung des Marine Stewardship Council (MSC). Das unabhängige Institut zertifiziert nachhaltig wirtschaftende Fischfangbetriebe. "Wir sind froh, dass Unilever die Initiative ergriffen hat. Es bringt den Markt in Bewegung", urteilt Carel Driver von der niederländischen Sektion des WWF.

Die Gesamtausgaben für Nachhaltigkeit lassen sich laut Burgmans wegen des integrativen Vorgehens nicht beziffern. Die effizientere Produktionsweise mit dem geringeren Einsatz von Roh- und Hilfsstoffe brächten aber deutliche ökonomische Vorteile. Sie haben laut Analysten dazu beigetragen, den Betriebsgewinn vor Sonderposten, Abschreibungen von Goodwill und immateriellen Anlagewerten seit 1996 von 3,2 Mrd. Euro auf 7,3 Mrd. Euro im Jahr 2001 zu steigern.

Nicht nur Umwelt- und Verbraucherverbände, sondern auch Börsenspezialisten sehen Unilever als Vorreiter in der nachhaltigen Produktion. Der weltgrößte Produzent von Reinigungsmitteln und drittgrößte Kosmetikhersteller ist neben L'Oréal der einzige der Top 10 dieser Branchen, der in den drei tonangebenden Nachhaltigkeitsindices vertreten ist: seit 1998 im Dow Jones Sustainability Group Index (DJSGI) und in den 2001 aufgelegten "FTSE-4-Good-Global" und "Aspi Eurozone/Stoxx". Die Nummer drei der Nahrungsmittelkonzerne ist auch als einziger dieser Branche in allen drei Indices aufgeführt. Sie bewerten Firmen nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien.

Angesichts der steigenden Nachfrage von institutionellen Investoren und Kleinanlegern nach "grünen" Aktien sind die Niederländer gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. "Die Aufnahme in diese Indices ist gut für Unilever's Image," urteilt Robeco-Analyst Peter van der Lely. Michiel Smith, Nachhaltigkeitsanalyst bei Iris/Rabo, und Greenpeace-Experte Hinze Boonstra kritisieren, sozial-ethisch seien die Verwendung genetisch manipulierten Tierfutters sowie die Tierversuche negativ. "Das kompensiert Unilever aber durch sein gutes Umweltmanagement", betont Smith.

Diese Ansicht teilt Piet Sprengers, Chef der niederländischen Vereinigung nachhaltigkeitsorientierter Anleger. Sprengers lobt auch den Umweltbericht. Er umfasst seit 1996 100 % der Produktion und wird wie der Geschäftsbericht stets extern kontrolliert. In zehn Jahren gingen sicher alle großen Unternehmen so vor, meinen Analysten. Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre lasse aber Unilevers Ehrgeiz nach, bemängelt Sprengers. Kritische Augen ruhen auf dem Konzern - er kann sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen.

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