Großkundgebung
Spaniens Parteien über Anti-Terror-Politik uneins

dpa MADRID. Spaniens demokratische Parteien haben auch nach dem jüngsten blutigen Bombenanschlag der ETA mit drei Toten keine gemeinsame Linie beim Kampf gegen den Terror der baskischen Separatistenorganisation. Ministerpräsident Jose Maria Aznar sagte, ein Bündnis mit den gemäßigten baskischen Nationalisten sei "unmöglich". Diese verdankten ihre Ämter in der autonomen Regierung des Baskenland einem "Pakt mit der ETA".

Die gemäßigten Parteien PNV (Baskische Nationalisten) und EA (Baskische Solidarität), die in Vitoria eine Minderheitsregierung bilden, hielten Aznar demgegenüber nach Presseberichten vom Mittwoch vor, den Terror zum Gewinn von Wählerstimmen für seine konservative Volkspartei (PP) zu missbrauchen. Dem Madrider Regierungschef gehe es nicht allein um den Kampf gegen die ETA, sondern darum, die Nationalisten zu kriminalisieren und sie aus der baskischen Regierung zu verdrängen.

Demonstration gegen ETA-Terror

In Madrid protestierten am Dienstagabend etwa 250 000 Menschen gegen den Terror der ETA, nachdem am Montag in der Hauptstadt ein hoher Richter und dessen zwei Begleiter durch eine Autobombe getötet worden waren. Unter dem Motto "Für die Freiheit, gegen den Terrorismus - ETA nein!" zogen die Demonstranten vom Cibeles-Brunnen in die Stadtmitte. An der Spitze des Zuges marschierten Aznar, mehrere Mitglieder des Kabinetts sowie die Vorsitzenden der wichtigsten politischen Parteien.

Zu der Kundgebung hatten Parteien, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen aufgerufen. Bei dem Attentat waren der Richter am obersten Gerichtshof, Francisco Querol Lombardero, sowie dessen Fahrer und Leibwächter getötet worden. 64 Menschen wurden bei der Explosion einer 25-Kilogramm-Autobombe teils schwer verletzt. Die Behörden schätzten die Sachschäden auf 2,4 Mill. DM. 700 Wohnungen waren bei der Explosion beschädigt worden. Ein Linienbus brannte aus.

Papst Johannes Paul II verurteilte ETA-Anschlag

Das Attentat hatte weltweite Empörung ausgelöst. Die EU- Kommission in Brüssel sagte der spanischen Regierung ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Auch Papst Johannes Paul II. und UN - Generalsekretär Kofi Annan verurteilten den blutigsten ETA-Anschlag seit fünf Jahren. Bundeskanzler Gerhard Schröder versicherte nach Angaben des spanischen Rundfunks in einer Botschaft, dass die Deutschen mit den Spaniern im Kampf gegen den Terror solidarisch seien.

Wie Spaniens Polizeichef Juan Cotino mitteilte, verfolgen die Fahnder bei der Suche nach den Terroristen noch keine heiße Spur. Die Täter hatten die Autobombe per Fernzünder zur Explosion gebracht, als der Dienstwagen des Richters vorbeifuhr. Der 69-jährige Jurist sowie dessen Leibwächter und Fahrer wurden am Dienstag beigesetzt. Der Fahrer des ausgebrannten Linienbusses schwebte in Lebensgefahr.

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