Großteil entfällt auf das Handwerk
Noch Zehntausende offene Lehrstellen

In Deutschland sind nach Angaben von Verbänden und Unternehmen noch Zehntausende von Lehrstellen nicht besetzt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte dagegen, mehr als 200 000 Ausbildungsplätze fehlten.

Reuters DÜSSELDORF. Im Bereich des Handwerks seien zum 31. Juli noch 36.600 offene Lehrstellen bei den Arbeitsämter registriert worden, sagte der Leiter der Abteilung berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Karl Spelberg, am Freitag. Der Großteil davon entfalle auf die alten Bundesländer. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall suchen die Mitgliedsfirmen zur Zeit dringend rund 5000 Lehrlinge. Ende Juli seien bei den Arbeitsämtern 31 000 freie Ausbildungsplätze gemeldet worden. Dem stünden aber nur 26 000 interessierte Bewerber gegenüber. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch sehe die Chance, dass im Ausbildungsjahr 2002/2003 über sämtliche Metall- und Elektroberufe gerechnet rund 70 000 neue Lehrverträge abgeschlossen werden könnten. Damit würde der "historische Höchststand vom letzten Jahr eingestellt".

Im Einzelhandel werden nach Einschätzung des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) in diesem Ausbildungsjahr zwischen 65 000 und 67.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Dies seien leicht weniger als im Vorjahr, als rund 69 000 neue Verträge geschlossen worden seien, sagte ein HDE-Sprecher. Nach Erfahrungswerten könnten rund zehn Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. "Wir müssen immer intensiver versuchen, die richtigen Leute zu finden", sagte er unter Verweis auf schulische Ausbildungsdefizite.

Einzelne Unternehmen berichteten, dass es bei ihnen noch offene Lehrstellen gebe. Ein Sprecher der drittgrößten deutschen Handelskonzerns AVA sagte, das Unternehmen biete 550 Lehrstellen an - davon seien derzeit aber nur 370 besetzt. Bei der Karstadt Warenhaus AG wurden nach Angaben eines Sprechers über 1000 neue Ausbildungsplätze angeboten. Diese seien erst "weitgehend" besetzt.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht dagegen davon aus, dass in Deutschland derzeit mehr als 200 000 Ausbildungsplätze fehlen. Während die Bundesanstalt für Arbeit die Zahl der fehlenden Lehrstellen mit rund 100 000 beziffere, müsse in Wirklichkeit mit der doppelten Zahl gerechnet werden, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe). So tauchten Jugendliche, die sich in einer Fortbildung befänden, in den Statistiken des Arbeitsamtes gar nicht auf.

Ein HDE-Sprecher bezeichnete die Zahlen als "absurd". Er verwies darauf, dass viele Ausbildungsplätze auch an den Arbeitsämtern vorbei besetzt würden. Ein ZDH-Sprecher sagte, es handele sich um einen neuen Versuch der Gewerkschaft, "künstlich eine Ausbildungsplatzlücke herbeizureden". Vor allem in Süddeutschland sei die Lage "dramatisch", weil dort viele Unternehmen keine Bewerber für Ausbildungsplätze fänden. "Wer am Markt agiert, bildet auch aus", fügte er hinzu.

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