Großunternehmer am 728Jet-Programm interessiert
Letzter Strohhalm für Dornier wächst in Sibirien

Die Geschäftsführung des insolventen Flugzeugbauers Fairchild Dornier gibt die Hoffnung auf einen Fortbestand des Unternehmens noch nicht auf. Zwar befänden sich die Gespräche über eine Fortführung des ehrgeizigen 728-Jet-Programms mit einem sibirischen Interessenten noch in den Anfängen. Die Verhandlungen hätten inzwischen jedoch "ein respektables Niveau" erreicht, sagte Insolvenzverwalter Eberhard Braun dem Handelsblatt.

HB/ebe/mbr DÜSSELDORF/MOSKAU. "Wir müssen erst sehen, ob aus dem Pflänzchen ein Baum wird", sagte Geschäftsführer Thomas Brandt. Mehr als 1000 Beschäftigte demonstrierten gestern vor dem Firmengelände. Dem Unternehmen droht die Schließung, falls sich bis zum 30. September kein Investor findet.

Den letzten Strohhalm für Dornier hält der russische Großunternehmer Oleg Deripaska in der Hand. Die Holding des Oligarchen, Basowy Element (BE), prüft derzeit intensiv einen Einstieg. In Moskau heißt es, die Verhandlungen fänden auf höchstem politischen Niveau statt. Die Russen sind vor allem an der gemeinsamen Produktion des Regionaljets 728 interessiert, für dessen Serienproduktion die Bayern noch rund 1 Milliarde Dollar benötigen. Techniker des zur BE-Holding gehörenden Flugzeugkonzerns Aviakor nahmen den 728Jet in Oberpfaffenhofen bereits unter die Lupe.

Der russisch-deutsche Deal erscheint aus zwei Gründen realistisch: Zum einen käme BE über Fairchild Dornier schneller als die russische Konkurrenz zu einem flugfähigen Regionaljet, zumal einem mit westlicher Zulassung. Konkurrent Sukhoi befindet sich - in Kooperation mit dem US-Giganten Boeing - erst noch in der Entwicklungsphase für einen neuen Regionaljet. Zudem könnte die Kooperation mit Oberpfaffenhofen die brachliegenden BE-Flugzeugbaubetriebe retten: Denn die Produktionslinie des 728-Jet soll zwar in Deutschland bleiben, in der Wolgastadt Samara bei Aviakor könnten aber wichtige Teile für das Joint Venture gebaut werden. Fairchild-Dornier-Geschäftsführer Brandt spricht von einem Produktionsanteil von etwa 40 % für die Russen.

Das brachliegende Werk von BE könne so wieder ausgelastet werden. Andernfalls stünde es vor dem endgültigen Aus, heißt es in der Branche. Mit dem Kauf von Teilen der russischen Flugzeugindustrie hat Unternehmer Deripaska bisher nur Flops gelandet. In den letzten Jahren wurde dort kein einziges Flugzeug hergestellt.

Mit Dornier könnte BE allerdings noch zum großen Spieler auf dem russischen Flugzeugmarkt werden: Mit heimischem Produktionsanteil hergestellte Jets erhielten nach russischem Recht erhebliche Zoll- und damit Preisvorteile beim Verkauf in Russland. Damit könnte BE zum Hauptlieferanten russischer Airlines werden, die bis 2010 fast 1000 neue Flugzeuge benötigen, darunter 200 bis 300 Regionaljets mit bis zu 100 Sitzen.

Finanzprobleme hat Deripaska nach Ansicht Moskauer Analysten nicht. Er sei der am aggressivsten agierende Oligarch Russlands, der sich mit zweifelhaften Methoden immer wieder Konkurrenten einverleibe. Oligarchen werden die russischen Großunternehmer genannt, die auf dubiosen Wegen zu ihrem Geld gekommen sind und ihre politischen Kontakte in den Kreml für ihre Firmenimperien nutzen.

Quelle: Handelsblatt

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