Großversuch auf Ostseeinsel geplant
Nationales Netzwerk soll Durchbruch in BSE-Forschung bringen

Den Durchbruch bei der Erforschung von BSE und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erhoffen sich Wissenschaftler von einem neuen nationalen Forschungs-Netzwerk. Das am Freitag gegründete Projekt soll die Forschungen von Universitäten und Instituten koordinieren, sagte der Münchner Neuropathologe Hans Kretzschmar in München.

ap FRANKFURT/MAIN. Unterdessen meldete Bayern seinen 45. und Schleswig-Holstein seinen zehnten BSE-Fall. Damit gibt es in Deutschland 91 bestätigte Rinderwahnerkrankungen.

Kretzschmar sagte, als zentrales Projekt der von Bund und EU mit insgesamt 76 Mill. DM geförderten Forschungsplattform sollen Ende des Jahres auf der Ostseeinsel Riems 50 Kälber über infiziertes Futtermittel mit BSE angesteckt werden. Die Tiere sollen nach und nach geschlachtet werden, um den bislang unklaren Weg der Infektion zu erkunden. Zudem soll die Erforschung eines BSE-Tests für lebende Tiere vorangetrieben werden.

Auch für die menschliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit erhoffen sich die Wissenschaftler ähnliche Diagnosemöglichkeiten. "In den kommenden fünf Jahren werden wir bei der Diagnose erhebliche Fortschritte machen können", sagte Kretzschmar. Ob dies auch für die Therapie der Prionenkrankheiten gelte, "weiß heute noch kein Mensch", fügte er hinzu. Der Düsseldorfer Biophysik-Professor Detlev Riesner betonte, ein wesentlicher Vorteil des neuen Netzwerkes sei, dass nun sämtliche beteiligten Forscher Zugang zu bislang schwierig verfügbaren Probenmaterial erkrankter Tiere und Menschen erhielten.

Wie das bayerische Verbraucherschutzministerium mitteilte, handelt es sich bei dem neuen Fall um eine fünf Jahre alte Kuh aus Oberbayern. Das Tier war laut Ministerium wegen unheilbarer Entzündungen in den Sprunggelenken eingeschläfert worden. Der Bestand bleibe gesperrt.

In Schleswig-Holstein erkrankte nach Angaben des Kieler Landwirtschaftsministeriums eine fünf Jahre alte Kuh an BSE, die seit 1998 auf dem jetzt betroffenen Hof lebte. Die Erkrankung sei bei einem Test im Schlachthof festgestellt worden. Seit Anfang des Jahres wurden nach Angaben des Ministerium in Schleswig-Holstein 114 000 Schlachttiere auf BSE getestet. Der jetzt festgestellte BSE-Fall sei der erste in diesem Jahr gewesen, der bei einem Schlachttier aufgetreten sei, hieß es.

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