Grubman beriet den AR-Cchef bei entscheidenden Fragen
US-Analyst hatte eine zwielichtige Beraterrolle

Wie unabhängig sind Aktienanalysten? Nicht sehr - diesen Schluss legen die Fälle von Interessenverquickung nahe, die das Wall Street Journal aufdeckt. So hat Salomon-Analyst Grubman wichtige Entscheidungen beim mittlerweile insolventen Telekom-Unternehmen Global Crossing direkt beeinflusst.

wsj NEW YORK. Die Reihe von peinlichen Enthüllungen über zweifelhafte Interessenverquickungen von US-Analysten reißt nicht ab. Der neueste Fall: Jack Grubman, Top-Telekomanalyst bei Salomon Smith Barney, hat Ende der 90-er Jahre dem Management des Telekomunternehmens Global Crossing nach dessen Börsengang als enger Berater gedient und wichtige Managemententscheidungen direkt mit beeinflusst. Das schreibt das Wall Street Journal in seiner US-Ausgabe und bezieht sich dabei auf Unternehmensnahe Kreise. Global Crossing befindet sich mittlerweile in der Insolvenz.

Diese neue Enthüllung könnte den Ermittlungen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer über Interessenverquickungen der Wall Street Analysten neue Nahrung geben. Spitzer hat sich nach Angaben des Journals bereits interne Dokumente von Salomon Smith Barney aushändigen lassen, um zu prüfen, inwieweit Grubmans Boni mehr von seinem Erfolg als Berater als von seiner Kerntätigkeit als Aktienanalyst abhingen.

Nach den Recherchen des Journals hat der Top-Telekom-Analyst die Anstellung von Robert Annunziata als Chief Executive Officer von Global Crossing empfohlen. Darüber hinaus soll Grubman die Fusionen von Global Crossing mit den Telekomanbietern US West Inc. und Frontier Corp. aktiv mitgestaltet haben. Ferner hat der Analyst von Salomon Smith Barney den Aufsichtsratschef von Global Crossing, Gary Winnick, beim Verkauf von dessen Global-Crossing-Anteilen beraten, so das Journal. Damit hat er die Rolle von Analysten, im begrenztem Umfang Aktionäre und Investoren zu beraten, weit überdehnt.

Als Analyst war Grubman konsequent positiv zur Global Crossing-Aktie gestimmt. Nachdem Salomon Global 1998 an die Börse begleitet hatte, schrieb er in einer Studie: "Wir glauben, dass Global Crossing dabei ist, ein einzigartiges und sehr wertvolles strategisches Asset zu schaffen." Grubman erlangte während des Telekombooms Star-Status, da er mit seinen Aktientipps häufig in Schwarze traf.

Allerdings trat Grubman von seiner enthusiastischen Einstellung gegenüber Global bis November 2001 nicht zurück - also bis zwei Monate bevor Global Insolvenz anmeldete. Die Nachfrage nach Übertragungskapazitäten war eingebrochen; erst in einer Note im Mai 2001 senkte Grubman sein Kursziel von 70 $ auf 30 $, behielt aber sein positives Rating bei. Im November 2001, die Aktie war mittlerweile auf 1,07 $ gefallen, stufte er Global auf "neutral" zurück.

Global?s Aufsichtsratchef Winnick, der als Neuling in der Telekomindustrie galt, suchte Grubmans Rat und sprach beinahe täglich mit ihm in den Monaten nach Globals Börsengang, schreibt das Journal, das sich auch hierbei auf Unternehmensnahe Kreise beruft. Winnick ist auch heute noch Aufsichtsratschef von Global Crossing.

Ein Sprecher von Gary Winnick erklärte, dass dieser "manchmal" mit Grubman über strategische Dinge sprach, aber häufiger den Rat von Salomons Investmentbanker John Otto suchte. Dieser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Winnicks Sprecher bestätigte, dass Grubman Robert Annunziata als neuen CEO empfohlen hatte, dies hätten aber auch andere Experten getan. Ferner bestätigte der Sprecher, dass der Salomon-Analyst bei den Frontier- und US West-Transaktionen eine Rolle gespielt habe, da Salomon Global als Investmentbank beriet. Bei Salomon Smith Barney hieß es, dass es für Unternehmen normal sei, sich mit Analysten zu besprechen, um eine Meinung aus Investorensicht zu hören. Der Sprecher von Globals Aufsichtsratschef Winnick ergänzte: "Grubman war der Bruce Springsteen der Telekommunikationsbranche."

Quelle: Handelsblatt

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