Gründer und Chef der US-Firma Boingo
Sky Dayton: Das furchtlose Wunderkind

Er ist zwar erst 31 Jahre alt, hat aber schon reichlich Erfahrung als Unternehmer. Jetzt will Dayton ein neues Geschäft aufziehen: den einfachen Zugang zum drahtlosen Internet.

SAN FRANCISCO. Er liebt Geschwindigkeit. Die Suche nach besseren und vor allem noch schnelleren Lösungen motiviert das kalifornische Unternehmer-Wunderkind mehr als alles andere. Jetzt ist Sky Dayton dabei, mit seiner neuesten Firma Boingo den Traum vom drahtlosen Internet in den USA wahr werden zu lassen. Der jungenhaft wirkende Amerikaner verbindet dazu bereits bestehende Einwahlknoten und nutzt so geschickt bestehende Netzkapazitäten.

Mit diesem Modell war Dayton schon einmal erfolgreich: Vor knapp einem Jahrzehnt gründete der damals 23-Jährige den Internet-Zugangsanbieter Earthlink. Auch damals nutzte er bestehende Netze, um einen schnelleren Service anzubieten. "Ich verbrachte damals 80 Stunden damit, auf meinem Computer herumzuhacken, bevor ich die erste Verbindung zum Internet hatte", erinnert sich der heute 31-jährige, jungenhafte Unternehmer an die Anfänge.

Das muss besser werden, sagte sich Dayton, gründete Earthlink - und hatte Erfolg. Inzwischen ist das Unternehmen mit 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und fünf Millionen Kunden der drittgrößte US-Internet-Zugangsanbieter nach AOL und Microsofts MSN.

"Mit Boingo sind wir aber noch ganz, ganz am Anfang", dämpft Dayton zu hohe Erwartungen. Ob sich das drahtlose Internet auf der Basis von Wireless Fidelity (Wi-Fi) - einer Funktechnologie, wie sie schon lange für Babyphones genutzt wird - wirklich zur Erfolgsgeschichte entwickelt, bleibt abzuwarten. Immerhin werden heute immer mehr Laptops mit einem Wi-Fi-Funkmodem ausgestattet.

Aber Dayton muss es erst gelingen, die tausenden bestehenden Zugangsanbieter miteinander zu verbinden - gemäß seinem Credo: Das Internet muss so einfach erreichbar sein wie die Luft um uns herum oder die Wellen des Pazifiks, ein Vergleich, den er besonders mag. Denn fast täglich pendelt er zwischen seinem Büro im schicken Santa Monica und dem Strand von Malibu Beach, um dort auf den meterhohen Wellen zu surfen. Da bleibt es nicht aus, dass er dienstliche Telefonate zuweilen mit nassem Haar per Handy vom Strand aus führt.

Ein Zeichen für Faulheit ist das keineswegs: Häufig ist er auch um Mitternacht noch im Büro zu finden. Seit er Vater zweier kleiner Kinder ist, versucht er jedoch, zumindest zum Abendessen zu Hause zu sein, auch wenn er später den Computer wieder einschal-tet. "Er ist beim Surfen so furchtlos wie bei seinen Geschäften", sagt sein Geschäftspartner Jake Winebaum, der früher im Management des Medienkonzerns Walt Disney arbeitete.

Das Leben als Unternehmer war für Dayton schon immer spannender als das Leben in der Schule oder Universität: Mit zehn Jahren putzt er die Fenster in seinem Wohnblock, um Geld zu verdienen. Nach dem High-School-Abschluss mit 17 Jahren entschließt er sich, sofort sein Glück als Unternehmer zu versuchen. Er gründet eine Grafik-Agentur und das Kaffeehaus Café Mocha in Los Angeles. "Das Internet ist ja auch so etwas wie ein globales Café", gibt Dayton zu bedenken, der wie Filmstar John Travolta ein bekennender Anhänger der Scientology Church ist.

Aber nicht alles gelang dem Jungunternehmer, der nie eine Universität besuchte. Seine Venture-Capital-Gesellschaft Ecompanies geriet zum Flop. Inzwischen hat er sie zur Holding für Earthlink und Boingo umgewandelt. Und beim früheren Investor von Earthlink, Reed Slatkin, hat er viel Geld verloren. "Er hat eine Menge Leute betrogen, mich inklusive", sagt Dayton zu den Vorwürfen gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner, der Prominenten durch Betrügereien Millionen aus der Tasche gezogen hat.

Trotz alledem und trotz der anhaltenden Krise in der Technologiebranche lässt sich der sportliche Unternehmer, der im Winter Snowboard fährt, nicht von seinem Ziel abbringen, einen besseren Internetzugang zu schaffen. "Dadurch, dass weniger Geld fließt, dauert die Entwicklung länger", räumt der Daueroptimist ein. "Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Und er hat noch viele Ideen. Die kommen ihm weniger, wenn er seiner Frau, einer Science-Fiction-Autorin, über die Schultern schaut, sondern durch persönliche Erfahrung: "Wenn ich bei der Nutzung einer Technologie frustriert werde, versuche ich, Wege zu finden, damit es einfacher geht."

Quelle: Handelsblatt

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