Gründungsagenturen könnten Missstände beheben
Ist Deutschland gründerfeindlich?

Die digitale Wirtschaft ist einer der wichtigsten Wachstumsmotoren unserer Zeit. Die Produktion digitaler Güter ist jedoch so ortsunabhängig wie bei kaum einem anderen Gut im Wirtschaftskreisauf. Für den Standort Deutschland ist es daher essentiell, für innovative Gründer und Unternehmen ein optimales Umfeld zu schaffen. Hierzu zählen insbesondere der Abbau unnötiger bürokratischer Hemmnisse. Während hierzulande die Errichtung einer GmbH bis zu vier Monate beansprucht, lassen sich in anderen EU-Ländern oder in den USA gleichwertige Kapitalgesellschaften innerhalb weniger Tage errichten. Was kann geschehen, um diese Situation zu verbessern?

Gründung eines Unternehmen in Deutschland ist noch viel zu kompliziert

Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) regt an, Verwaltungsschritte in Zusammenhang mit Gründungen von Kapitalgesellschaften auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen und erheblich zu straffen oder wenn möglich abzuschaffen. Weshalb eine Zusammenfassung wünschenswert ist, zeigt ein Blick auf die Liste der erforderlichen Genehmigungen und Behördengänge. Für eine einfache GmbH Gründung sieht diese etwa so aus:

Markenrechtliche Überprüfung des GmbH-Namens beim Patentanwalt, Einholung der Genehmigung für den GmbH-Namen bei der zuständigen IHK, Beantragung eines Gewerbescheines bei der Gemeindeverwaltung, notariell beglaubigte Anmeldung beim Handelsregister nach §12 HGB, Errichtung eines GmbH Kontos, Nachweis der Kontoeröffnung mit Einzahlungsbestätigung der Stammeinlage für das Handelsregister, Beantragung einer Steuernummer beim Finanzamt, ggf. Betriebsstättennummer, Meldung der GmbH i.G. bei der Berufsgenossenschaft, Meldung der Arbeitnehmer bei der Krankenkasse.

Darüber hinaus sind je nach ausgeübter Tätigkeit oder bei Sachgründungen weitere Meldungen, Erklärungen oder Urkunden wie Geburtsurkunden, Führungszeugnisse, Auszüge aus dem Gewerbezentralregister etc. notwendig, die zu weiteren Verzögerungen führen können.

Gründungsagenturen könnten helfen

Sogenannte "One-Stop-Founding Agenturen" könnten sämtliche Erfordernisse und Entscheidungshilfen, die zur Gründung und zum anschließenden Betrieb notwendig sind, unter einem Dach vereinen. Die Agenturen sollen dem Unternehmer Checklisten bereitstellen, die die Vorbereitung und Abwicklung der Anmeldung erleichtern. Im besten Fall sollte das neue Unternehmen hier eine einzige Genehmigung erhalten, mit der es arbeiten kann. Anstatt sich über Monate mit den Tücken des Gründungsprozesses auseinanderzusetzen, wäre der Weg frei, sich sofort um die Entwicklung der Produktidee kümmern zu können.

Die Aufgaben der Founding Agenturen lassen sich in solche, die sich gut zentral abwickeln lassen, z.B. Informationensammlung und Bereitstellung, und solche, die dezentrale Strukturen erfordern, z.B. Beratung und Networking mit Behörden, unterscheiden. Dementsprechend sollten sie aufgebaut sein. Eine Hauptgeschäftsstelle sollte die allgemeinen Informationen sammeln und auswerten und den lokalen Stellen sowie auf einer Webseite gut aufbereitet zur Verfügung stellen. Diese Hauptgeschäftsstelle kann entweder dem BMWi angegliedert sein oder als juristische Person gegründet werden. Von ihr aus werden dann Beratungszentern in allen Bundesländern versorgt.

Der Vorschlag des dmmv stellt eine Akuthilfe in der gegenwärtigen Situation dar. Mittel- und langfristig kann sich eine höhere Dynamik bei Neugründungen nur durch eine Restrukturierung der Rahmenbedingungen ergeben.

Der Autor Dr. Florian Korff ist Vizepräsident des Deutschen Multimedia Verband (dmmv) Geschäftsführer der Galileo GmbH und Betreiber von Apotheke.de

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