Gründungskongress ab Montag
Gewerkschaft ÖTV macht Weg für Verdi frei

Nach monatelangem Ringen hat die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr am Freitag überraschend deutlich ihre Selbstauflösung beschlossen und damit die größte Hürde auf dem Weg zur neuen Supergewerkschaft Verdi aus dem Weg geräumt. 87,1 % der Delegierten beim Verschmelzungskongress in Berlin sprachen sich für die Fusion aus.

ap BERLIN. ÖTV-Chef Franz Bsirske sprach von einem historischen Tag. "Das haben uns viele nicht zugetraut, und wir haben's ihnen gezeigt", sagte der designierte Verdi-Vorsitzende.

Zuvor hatte Bsirske in einem flammenden Appell die Delegierten dazu aufgefordert, den Zusammenschluss zu billigen. Insgesamt stimmten 474 für die Fusion, 75 dagegen, zwei Delegierte enthielten sich. Das erforderliche Quorum lag bei 80 %. Das Ergebnis ihrer Abstimmung feierten die Delegierten mit minutenlangem Applaus. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wird mit rund 3 Mill. Mitgliedern in fast 1 000 Berufen die größte Einzelgewerkschaft der Welt sein.

Vor der Gründung am Montag müssen noch die vier anderen Gewerkschaften, die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) und die IG Medien ihre Selbstauflösung beschließen. Im Gegensatz zur ÖTV gilt deren Votum, das für Samstag erwartet wird, schon im Voraus als sicher.

Hochgefühl nach der Abstimmung

Bsirske sagte, sein Herz schlage angesichts der Entscheidung höher. Bei allem Hochgefühl dürfe aber nicht vergessen werden, dass viele Funktionäre mit einem "Ja, aber" gestimmt hätten. Er werde sich weiterhin um die innerhalb der ÖTV umstrittenen Punkte kümmern.

Differenzen gab es insbesondere bei der Frage der Bezirke: Die ÖTV mit ihren rund 160 Kreisverwaltungen wollte nur einer Gewerkschaft beitreten, die mit vielen Funktionären in der Fläche präsent sein sollte. In einer straff von oben nach unten organisierten Supergewerkschaft fürchteten die Funktionäre um ihre Posten und ihren Einfluss.

Bsirske sagte, diese Debatten seien "nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig gewesen". Verdi sei aber weiter für Veränderungen offen. Zudem versprach Bsirske, alle Standorte zu erhalten. In der anschließenden Aussprache gab es nur zwei Wortmeldungen.

Wegen der zögernden Haltung der ÖTV-Funktionäre war im November nach über fünf Jahren an der Gewerkschaftsspitze Herbert Mai zurückgetreten. Sein Nachfolger Bsirske, der auch den Chefposten der neuen Gewerkschaft besetzen soll, hatte vor der geheimen Abstimmung die Funktionäre dazu aufgerufen, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Verdi werde eine gewichtige Kraft sein, deren Stimme man hören werde, sagte Bsirske. Alte Konkurrenzkämpfe, wie zwischen HBV und DAG, würden Vergangenheit.

Der Gründungskongress von Verdi mit rund 5 000 Teilnehmern ist von Montag bis Mittwoch eingeplant. Auf ihren Einzelkongressen wollen die Gewerkschaften auch die Statuten und Richtlinien von ver.di beraten und die Kandidaten für den Bundesvorstand nominieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%