Grüne stellen sich grundsätzlich hinter Schmidts Pläne
Apotheker lehnen Versandhandel ab

Die Apotheker lehnen den Versandhandel von Medikamenten und die Aufhebung der Preisbindung ab. Der Verzicht auf die Beratung durch Apotheker berge große "Risikopotenziale" mit "kollektiven Kostenfolgen", erklärte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Hans-Günter Friese, am Freitag.

afp BERLIN. Die einheitlichen Apothekenpreise seien bisher vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt gewesen. Friese reagierte auf ein Gutachten des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, das auch die Wirkstoffverschreibung und neue Kontrollen für die Erstattung von Kosten für Arzneimittel vorsieht.

Nach Ansicht des Sachverständigenrates gibt es bei den Arzneimitteln Einsparmöglichkeiten, die aber zum großen Teil schon in das Konzept von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeflossen sind. Die bisherige Preisbindung verhindere den Wettbewerb, so dass zumindest bei den nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten Rabatte an die Käufer weitergegeben werden könnten, erklärten sie. Die Erstattung von Medikamenten soll künftig von ihrem Nutzen abhängig gemacht werden.

"Apothekenpreise sind gesundheitspolitisch gewollt"

Friese warnte, der Verzicht auf die Beratung des Apothekers beim Versandhandel berge "individuelle Risikopotenziale". Denkbar sei lediglich, dass Apothekenpersonal nach einer Bestellung per Telefon, Fax oder Internet die Medikamente ausliefere. Die festen Preise in den Apotheken seien gesundheitspolitisch und aus Gründen des Verbraucherschutzes vom Gesetzgeber gewollt.

Schmidt kündigte an, ihr Reformkonzept solle nach der Bundestagswahl in die Koalitionsverhandlungen einfließen. Schon in der kommenden Woche solle das Arzneimittelsparpaket beschlossen werden, mit dem die Ministerin im kommenden Jahr 2,55 Mrd. DM in diesem Bereich einsparen will.

Die Grünen stellten sich grundsätzlich hinter Schmidts Vorschläge. Allerdings fordern sie eine Ausweitung der Versicherungspflicht auf die gesamte Wohnbevölkerung und lehnen einen Pflicht-Gesundheitspass ab, wie ihre gesundheitspolitische Sprecherin, Katrin Göring-Eckardt, mitteilte. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Lohmann, forderte, angesichts der "vielstimmigen Äußerungen" der vergangenen Tage müsse Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Richtung in der Gesundheitspolitik vorgeben.

Bsirske will "Bündnis für Gesundheit"

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, kündigte ein "Bündnis für Gesundheit" an. Mit einer Kampagne solle eine Brücke zu Kirchen und Wohlfahrtsorganisationen geschlagen werden, um einen breiten Konsens über die Reformschritte zu erreichen. Ziel müsse es sein, die "Anbieterdominanz" im System zu brechen. Über die Vorschläge Schmidts hinaus forderte er, die Beamten in die gesetzlichen Krankenkassen zu integrieren.

Unterstützung bekam Schmidt auch von den Ersatzkassen. Der Vorsitzende des Verbandes VdAK/AEV, Herbert Rebscher, begrüßte vor allem das Festhalten am Solidarprinzip. Er forderte aber weiterhin freie Arztwahl und die Ausweitung der Forderung nach Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen.

Der Ärzteverband Hartmannbund sowie die Forschenden Arzneimittlerhersteller (VFA) kritisierten Schmidts Pläne dagegen. Der Vorsitzend des Ärzte-Verbandes, Hans-Jürgen Thomas, sagte im Südwestrundfunk, notwendige Struktur-Änderungen sei nicht zu erkennen. Die Hauptgeschäftsführerin des VFA, Cornelia Yzer, beklagte eine "pseudowettbewerbliche Ausrichtung des Systems"; die Empfehlungen des Rates seien "halbherzig".

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