Grund dafür seien Einbußen an den Aktienmärkten
Europas Rentenmärkte schließen knapp unter Kontrakthoch

Reuters FRANKFURT. Die europäischen Rentenmärkte haben die Woche wegen weiterer kräftiger Einbußen an den Aktienmärkten und anhaltender Hoffnungen auf Zinssenkungen in den USA nur knapp unter ihren zuvor erreichten Kontrakthochs geschlossen. Unterstützung habe zudem der deutlich erholte Euro geliefert, hieß es im Handel. Vor allem die anhaltenden Verluste an den Aktienmärkten trieben die Investoren auf beiden Seiten des Atlantiks in den sicheren Anlagehafen der Rentenmärkte. Dazu hätten auch der unerwartet schwache Ifo-Geschäftsklimaindex und am Nachmittag die neuen Konjunkturdaten aus den USA beigetragen, weil die Anleger deshalb baldige Zinssenkungen in den USA erwarteten.

Der Bund-Future verließ den Markt mit einem Plus von 38 Ticks auf 108,41 Punkten, nachdem er im Verlauf ein Kontrakthoch bei 108,46 Punkten markiert hatte. Der Bobl-Future lag 27 Stellen im Plus bei 105,51 (Kontrakthoch 105,57) Punkten. Der Schatz-Future legte zum Schluss neun Zähler auf 102,38 Punkte zu nach einem Kontrakthoch von 102,39 Punkten. Die zehnjährige Bundesanleihe Januar 2011 notierte mit 102,93 nach 102,790 Punkten zur Kasse und rentierte mit 4,864 %. Der Rex-Rentenindex rückte um 0,16 % auf 111,9426 Zähler vor. Der Euro notierte gegen 19.00 Uhr MEZ mit 0,8983/85 $.

Gewinnwarnung von Microsoft schwächt Aktienmärkte

Die Schwäche der Aktienmärkte, ausgelöst durch die bereits am Donnerstag nach Börsenschluss bekannt gegebene Gewinnwarnung des Software-Herstellers Microsoft, gab den Euro-Renten nach Händlerangaben in doppelter Hinsicht Auftrieb: erstens durch einen direkten Geldtransfer von den Aktien- in die Rentenmärkte, zweitens durch die Stärkung des Euro. Devisenhändler machten die US-Aktienschwäche nach einer Serie von Gewinnwarnungen sowie Sorgen über die zukünftige Entwicklung der US-Konjunktur für die Kursgewinne des Euro verantwortlich. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte verlor bis gegen 19.00 Uhr MEZ fast zwei Prozent, der technologielastige Nasdaq-Index verlor 3,87 %. Auch der Dax büßte 1,54 % auf 6370,17 Punkte ein.

Händlern zufolge hatten die vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten November-Teuerungszahlen zunächst die Kurse der US-Treasuries gedrückt, über den Umweg des gestiegenen Euro die europäischen Renten aber unterstützt. Die Zahlen hätten weitgehend den Erwartungen entsprochen, wenn auch die Preissteigerung in der Kernrate etwas höher als erwartet ausgefallen sei. Die Verbraucherpreise stiegen im November um 0,2 % gegenüber Oktober (Vormonat 0,2 %) und in der Kernrate um 0,3 (0,2) Prozent. Entgegen der Erwartung von Volkswirten nahm die US-Industrieproduktion im November um 0,2 % nach 0,1 % im Oktober ab. Die Kapzitätsauslastung erreichte nach den Angaben der US-Notenbank mit 81,6 % (Vormonat 82,1) Prozent den niedrigsten Stand seit November 1999. Analysten hatten für beide Daten unveränderte Werte prognostiziert.

Langsamere US-Konjunktur erwartet

Überwiegend erwarteten die Anleger nach Darstellung von Händlern nach den Konjunkturdaten der letzten Zeit, die praktisch durchweg eine Verlangsamung der US-Konjunktur signalisierten, dass die US-Notenbank Fed bald die Zinsen senkt. Zudem gingen die Anleger nahezu einhellig davon aus, dass die Fed bereits beim nächsten Zinstreffen ihres für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) am 19. Dezember eine neutralere Haltung einnehmen werde, nachdem sie zuvor mit ihren deutlichen Inflationswarnungen eher eine straffe geldpolitische Haltung eingenommen hatte. Diese Hoffnung hatte Fed-Chef Alan Greenspan in seiner Rede am 5. Dezember geweckt, in der er auf die deutliche Abkühlung der Konjunktur hingewiesen hatte.

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