Grund für die verschiedenen Führungsstile liegt in den Sprachen: Missverständnisse zwischen ungleichen Brüdern

Grund für die verschiedenen Führungsstile liegt in den Sprachen
Missverständnisse zwischen ungleichen Brüdern

Deutsche und Franzosen reden häufig aneinander vorbei. Sie sollten es auf Englisch versuchen.

Der Headhunter musste den Personalvorstand enttäuschen: "Sie suchen einen 35-jährigen Manager mit zehn Jahren Berufserfahrung? Den werden Sie in Deutschland nicht finden." Stattdessen solle er in Frankreich suchen - dort würde der Management-Nachwuchs früher in den Beruf einsteigen.

Selbst in internationalen Unternehmen sind die Unterschiede zwischen französischen und deutschen Managern nicht bekannt. François Barbier, Partner der internationalen Personalberatung Eric Salmon & Partners, hat dies während seiner Arbeit in Deutschland und in Frankreich erfahren. Den Unternehmen, so Barbier, fehle die Kenntnis der jeweiligen Stärken von Führungskräften aus den benachbarten Ländern - und auch der Schwächen. Das verhindere die optimale Besetzung national übergreifender Steuerungsgremien, in denen sich die von der heimatlichen Kultur geprägten Manager komplementär ergänzen sollten.

Barbier hat in einer Studie die Führungsstile der beiden Nachbarländer untersucht. Danach geht es in Deutschland direkt und sehr sachlich zu - was von Franzosen nicht selten als zu brutal empfunden wird. Heikle Angelegenheiten werden in Frankreich nicht direkt angesprochen - um mögliche Verletzungen des Gegenübers zu vermeiden. Deutsche Manager sind nicht so zartfühlend. Sie gehen davon aus, dass sie berufliche Themen ganz sachlich ansprechen können, ohne die Gefühle der Betroffenen zu verletzen.

Verschiedene Führungsstile liegen in den Sprachen begründet

Eine gedeihliche Zusammenarbeit von "sensiblen" Franzosen mit "hemdsärmeligen" deutschen Kollegen kann daher nur funktionieren, wenn die beiden Nationalitäten im Leitungsgremium eines internationalen Unternehmens ausgewogen vertreten, und die Kompetenzbereiche der Manager klar abgegrenzt sind. Keine Kulturgruppe sollte die andere dominieren oder ihr den eigenen Führungsstil aufzwängen dürfen.

Den Grund für die verschiedenen Führungsstile ortet der Franzose Barbier in den Sprachen: "Die französische Sprache ist die Sprache der Diplomatie und hat viele Nuancen, während die deutsche Sprache mit ihrer Klarheit und Präzision eher für die Philosophie als für die Diplomatie geeignet ist." Ähnlich sieht dies auch der Brite Sergey Frank, Partner von Kienbaum Consultants International, der lange in beiden Ländern tätig war: "Die Stärke der Franzosen ist neben der Fähigkeit zur Vision vor allem ihre Rhetorik. Das Denken und Handeln wie auch die Sprache der Deutschen sind dagegen relativ praxisorientiert." Internationalen Unternehmen, die diese Potenziale zusammenführen wollen, gelingt es am ehesten, indem sie Gemeinsamkeiten in einer dritten Sprache schaffen - in Englisch.

Die eleganteren verbalen Attitüden französischer Manager dürfen jedoch nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen: "Die Franzosen sind sehr zentralistisch und ihr Führungsstil ist ziemlich autoritär. Personalentscheidungen für Auslandstöchter werden zum Beispiel alle in Frankreich getroffen", berichtet Dieter Stein, Partner der internationalen Unternehmensberatung Ray & Berndtson in Frankfurt.

Franzosen bestechen durch ihre Flexibilität

Bei der Besetzung von Management-Positionen kommt den Franzosen ihre insgesamt flexiblere Haltung zugute, so eine Studie der Unternehmensberatung Eric Salmon & Partners: Die international gesuchten Topmanager kommen heute aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Skandinavien und - was Finanzen und Controlling angeht - aus Großbritannien. Bei den Deutschen seien eher die Stärken im mittleren Management gefragt.

Dass sie in Spitzenjobs weniger gefragt sind, braucht die deutschen Manager jedoch nicht zu sehr zu bekümmern. Der Blick auf die Gehaltsabrechnung tröstet: Selbst Top-Manager verdienen, so die Salmon-Studie, in Frankreich selten mehr als eine Million Mark im Jahr, während die deutschen Spitzenkräfte mindestens 30 Prozent darüber liegen. Um etwa den gleichen Prozentsatz höher sind die deutschen Einkommen auch auf der nächsten Führungsebene, bei den Bereichsleitern.

Nach außen regiert die "Political Correctness"

Internationale Konzerne, die sowohl französische als auch deutsche Manager beschäftigen, tun sich mit den herkunftsbedingten Unterschieden häufig schwer. Political Correctness klingt durch, wenn etwa der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon, der seinem Stammunternehmen im fränkischen Herzogenaurach einen französischen Wettbewerber einverleibte, betont: "Für uns als international ausgerichtetes Unternehmen spielt die Nationalität eines Mitarbeiters nur eine nachgeordnete Rolle."

Auch Alcatel Deutschland in Stuttgart, Tochtergesellschaft eines französischen Elektronikkonzerns, vermeidet es, zu den unterschiedlichen Management-Potenzialen Stellung zu nehmen: die seien unwesentlich. Und von der Alstom Power AG in Mannheim, jüngst von ABB an einen französischen Energiekonzern verkauft, wird ein angekündigter Managervergleich gar nicht erst geliefert.

Doch es gibt auch Unternehmen, die darauf achten, die individuellen Fähigkeiten der Führungskräfte für den Managementprozess zu nutzen. Sehr geschickt praktizieren vor allem einige in Europa tätige US-Konzerne wie IBM oder Xerox solch eine umsichtige Auswahl. Mit Erfolg: "Die versuchen die jeweils Besten zu bekommen, und sie kriegen sie auch", stellt Headhunter Barbier bewundernd fest.

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