Grundig-Insolvenz lockt Investoren: Das zähe Sterben eines längst Totgesagten

Grundig-Insolvenz lockt Investoren
Das zähe Sterben eines längst Totgesagten

Zehn Jahre lang hat Grundig ums Überleben gekämpft, am Montag hat die Entwicklung ihren traurigen Tiefpunkt erreicht: Das Traditionsunternehmen musste Insolvenz anmelden. Investoren versuchen jetzt, sich günstig aus dem Nachlass zu bedienen. Die Verhandlungen haben schon begonnen.

MÜNCHEN. Noch hat Max Grundig alles im Blick: Jeder muss an der Büste des legendären Unternehmensgründers vorbei, der es einst vom Radiobastler zum Chef von 38 000 Mitarbeitern brachte, wenn er die Zentrale des Unterhaltungsgeräte-Herstellers im Nürnberger Süden betritt.

Doch die Szenen, die sich derzeit in den Fluren des Traditionsunternehmens abspielen, würden dem Patriarchen keine Freude bereiten. Nach monatelangem, letztlich gescheitertem Gezerre mit Investoren, musste die Grundig am Montag Insolvenz anmelden. Immer wieder totgesagt, ist Deutschlands größter Fernsehgeräte-Produzent damit 58 Jahre nach der Gründung endgültig am Tiefpunkt angelangt. Grundig ist seit Jahren hoch verschuldet und steckt tief in den roten Zahlen. Deshalb hatte der neue Vorstandschef Eberhard Braun am Montag keine andere Wahl mehr, als zum Amtsrichter zu gehen. Der muss nun bis Mitte Mai entscheiden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Zu der jüngsten Krise kam es, weil Anfang vergangener Woche mit dem türkischen Konzern Beko der letzte potenzielle Investor abgesprungen war. Gleichzeitig liefen Kreditlinien von mehr als 200 Mill. Euro aus. Da die Banken nicht bereit waren, ihre Kredite zu verlängern, blieb nur noch der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Nürnberg.

Mehrmals in den vergangenen 20 Jahren standen die Franken kurz vor dem Ende. Immer wieder wurde das Unternehmen aber gerettet. Zuletzt sollte Mehrheitseigentümer Anton Kathrein die Firma in eine erfolgreiche Zukunft führen. Die großen Pläne des Rosenheimer Antennenbauers haben sich jedoch nicht erfüllt. Im Gegenteil: Unter Kathrein hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Mehrere Tausend Stellen wurden gestrichen.

Die IG Metall hielt sich deshalb am Montag nicht mit Kritik zurück. Der Chef der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer: "Alle Sanierungsbeiträge der Grundig-Belegschaft waren letztendlich für die Katz", ärgert sich der Gewerkschafter. "Die Firma wurde systematisch zu Grunde saniert." In den vergangenen drei Jahren habe die Belegschaft durch einen Sanierungstarifvertrag auf 40 Mill. Euro verzichtet, ohne dass dies die Arbeitsplätze dauerhaft erhalten hätte.

Auch der Betriebsratschef und Aufsichtsrat von Grundig, Thomas Schwarz, ist empört: "Mit dem Scheitern ihrer Konzepte wurden die alten Unternehmensführungen nicht die Sanierer, sondern die Totengräber von Grundig."

Grundig-Mehrheitseigentümer Anton Kathrein gehe trotz der Insolvenz davon aus, dass das Unternehmen nicht zerschlagen werde, sagte am Montag sein Sprecher. Die Insolvenz sei vielmehr eine Chance für das Unternehmen, hieß es. In der Tat: Insolvenzverwalter Siegfried Beck werde bereits heute mit Beko in der Türkei verhandeln, hieß es am Montag in Unternehmenskreisen. Auch der frühere Interessent, der Taiwaner Konzern Sampo, sei wieder im Gespräch. Darüber hinaus gibt es offenbar weitere Interessenten. Aus Unternehmenskreisen verlautete am Montag, mit ersten Ergebnissen der Verhandlungen sei bereits in zwei Wochen zu rechnen. Die Firmen versuchen nun, zu einem günstigeren Preis an Grundig zu kommen als vor der Pleite. Für Käufer ist vor allem der eingeführte Markenname interessant.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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