Grundsanierung bereits "gelungen"
Harry Potter beschert Lego schwarze Zahlen

Aus Rot mach Schwarz - Harry Potter färbt die Bilanz von Lego in diesem Jahr neu ein: Der Spielwarenriese, der auch Produkte rund um den Zauberlehrling herstellt, weist wieder einen Gewinn aus. Jetzt will Lego den lahmenden Computerspielebereich angehen - mit dem Weltmarktführer Electronic Arts als Partner.

BILLUND/KOPENHAGEN. Lego wird 2001 wieder schwarze Zahlen schreiben. Das sagte Poul Plougmann, als COO für das operative Geschäft beim Spielzeug Lego A/S-Konzern zuständig, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Jahr 2000 war für das Unternehmen aus dem dänischen Billund das schlechteste in der 70-jährigen Firmengeschichte gewesen - mit einem Verlust von 134 Mill. Euro bei einem Umsatz von 1,25 Mrd. Euro. Arbeitsplätze wurden abgebaut und Produktionsstätten geschlossen. Aber auch der Erfolg der Produkte um den Zauberlehrling Harry Potter hat viel zu dem guten Ergebnis beigetragen. "Die Nachfrage nach Harry-Potter-Produkten ist größer als die Produktion", sagt Plougmann. Es zeichnet sich ab, dass Potter zum meistverkauften Lego-Spielzeug werden könnte.

"Interaktive Spiele" sind ein Problemfeld

Nach der gelungenen Grundsanierung will Plougmann nun das nächste Problemfeld angehen: Legos eklatante Schwäche im Bereich Interaktive Spiele. Dazu ist der Spielekonzern eine dreijähige weltweite Partnerschaft mit dem Weltmarktführer bei Videospielen, Electronic Arts (EA) Inc., Redwood City, eingegangen. EA soll Lego-Spiele mitproduzieren und vermarkten. Vor allem auf den erfolgreichen neuen Spielekonsolen - speziell Nintendos Gamecube und Sonys Playstation 2 - soll Lego-Software präsent sein.

Finanzielle Details gibt der öffentlichkeitsscheue Lego-Konzern nicht bekannt; Beobachter rechnen über die Laufzeit aber mit einem dreistelligen Millionenvolumen. EA-Chef Larry Probst erhofft sich viel von der Partnerschaft: "Wir haben ähnliche Abkommen mit Square, Fox und Lucas Entertainment. Aber das hier könnte größer werden als die alle zusammen", kommentiert er. Lego-Manager Plougmann glaubt, dass der Lego-Umsatz mit interaktiven Spielen "unter 25 %" des Gesamtumsatzes bleiben werde.

Kinder spielen lieber mit dem Computer

Legos größtes Problem ist, dass sich Kinder ab 10 Jahren - vor allem die Jungen - von Lego ab und Computern und Videospielen zuwenden. Pokémon statt Lego Technic. Und angesichts der boomenden Verkäufe der neuen Spielekonsolen in den USA dürfte sich diese Problem noch verschärfen. Trotz mehrfacher Anläufe war es Lego - wie auch den Spielzeugriesen Mattel und Hasbro - aber nie gelungen, seinen Markennamen auch im digitalen Kinderzimmer zu etablieren. Das soll sich mit der Hilfe aus Amerika jetzt ändern. Einen erneuten Flop kann sich Lego kaum leisten.

EA und Lego verbindet schon heute eines: Ihre Freude an ihren Lizenzen für Harry Potter. Electronic Arts verkaufte in nur drei Wochen fünf Millionen Potter-Software-Pakete. Bei einem branchenüblichen Händlerabgabgabepreis von 30 $ wäre das ein Umsatz von 150 Mill. $ - und das bei einem Jahresumsatz von EA von 1,4 Mrd. $. Bislang ist EA eher Spezialist für Sport- und Actionspiele für Erwachsene; als Markenname ist die Firma weitgehend unbekannt - im Gegensatz zu Lego, einem der stärksten Markennamen der Welt. Davon hofft im Gegenzug EA zu profitieren.

An attraktiven Produkten mangelt es jedenfalls nicht. Speziell die "Bionicle"-Serie von Lego hat sich schon einen kleinen Kultstatus im Internet erobert. Das, so hofft man bei Lego, könnte als Software ein kleiner Harry-Potter-Erfolg werden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
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