Grundsatzrede erwartet
Bush setzt Berlin-Besuch fort

US-Präsident George W. Bush setzt an diesem Donnerstag seinen Arbeitsbesuch in Berlin fort. Bush trifft sich nach einer offiziellen Begrüßung durch Bundespräsident Johannes Rau mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

dpa BERLIN. US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder wollen die strittigen Punkte zwischen beiden Regierungen ausräumen. Bei einem zweiten Treffen am Donnerstag im Berliner Kanzleramt standen eine mögliche militärische Intervention im Irak sowie in diesem Zusammenhang das grundsätzliche weitere Vorgehen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf der Tagesordnung.

Am Nachmittag ist eine Grundsatzrede vor dem Bundestag geplant. Es wird erwartet, dass Bush sowohl seine Vorstellungen zu den transatlantischen Beziehungen als auch zum weiteren Vorgehen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus erläutert. Auch ein Gespräch mit den Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen ist vorgesehen.

Bush war am Mittwochabend wenige Stunden nach seiner Frau Laura in Berlin eingetroffen. Es ist sein erster Deutschland-Besuch. Begleitet wird dieser schon seit zwei Tagen von Protesten gegen die US-Außenpolitik. Am Mittwochabend gab es dabei Ausschreitungen in Berlin. Wie schon am Vortag waren am Mittwoch mehrere zehntausend Menschen gegen militärische Interventionen und ungebremste Globalisierung auf die Straße gegangen. Am Abend wurden bundesweit "Bush-Trommeln" geschlagen, um gegen die Politik der USA zu protestieren.

Im Gegensatz zu den friedlichen Protesten vom Dienstag gab es am späten Mittwochabend in Berlin gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Nach Flaschen- und Steinwürfen setzten die Beamten Wasserwerfer ein, um eine Versammlung auf dem Berliner Lustgarten zu räumen. Gewalttäter zerstörten wenig später mehrere Schaufenster eines Kaufhauses am Alexanderplatz. Auch an einem Elektronikmarkt und bei einer Fast-Food-Kette gingen Scheiben zu Bruch, ebenso an einer Filiale der Deutschen Bank. Am Prenzlauer Berg gab es Rangeleien, vereinzelt wurde der Schlagstock eingesetzt.

Vor allem "erlebnishungrige Jugendliche" hätten die Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht, sagte der Leiter des Führungsstabes, Alfred Markowski. Das Ausmaß der Ausschreitungen sei aber nicht vergleichbar mit den Krawallen rund um den 1. Mai in Berlin. In der Nacht beruhigte sich die Lage wieder.

58 Festnahmen, 44 Verletzte

Bei den Ausschreitungen hat die Polizei am Mittwochabend in Berlin 58 Personen festgenommen. 210 Menschen wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Die Beamten leiteten unter anderem Strafverfahren wegen schweren Landsfriedensbruchs ein. Bei den Auseinandersetzungen kurz nach der Ankunft des US-Präsidenten seien 44 Polizeibeamte und mehrere Demonstranten verletzt worden, hieß es.

Bush und Schröder hatten sich am Abend im Lokal "Theodor Tucher" am Brandenburger Tor zu einem informellen Gespräch getroffen, an dem auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teilnahm. Präsident und Kanzler zeigten sich entschlossen, die zwischen beiden Regierungen strittigen Themen anzusprechen. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte, er erwarte in den Gesprächen Kontroversen über den Irak. "Ohne jeden Zweifel werden wir da noch intensive Diskussionen haben, um es diplomatisch zu formulieren", sagte er in der ARD-Talkshow "Friedman".

Berlin ist die erste Station einer einwöchigen Europareise, die Bush im Anschluss nach Russland, Paris und Rom führt. In Moskau wollen er und Russlands Präsident Wladimir Putin eine Vereinbarung über die weitere Reduzierung strategischer Atomwaffen unterzeichnen.

Zu den Demonstrationen in Berlin und anderen Städten, die auch am Donnerstag fortgesetzt werden sollen, hatten neben Kriegs- und Globalisierungsgegnern auch Grüne und PDS aufgerufen. Das Berliner Regierungsviertel und die Gegend um das Hotel Adlon, in dem die Bushs übernachten, gleichen während des Besuchs einer Festung.

Mehrere S-Bahn - und U-Bahnhöfe, darunter auch die Station Friedrichstraße, sind gesperrt. Im Bezirk Mitte wurden während der Nacht weitere Gebiete zwischenzeitlich abgeriegelt. Rund 10 000 Polizisten sind im Einsatz. Der Präsident wird Berlin mit seiner Frau gegen 15.30 Uhr wieder verlassen. Am Vormittag wird Laura Bush gemeinsam mit Doris Schröder-Köpf noch die Alte Nationalgalerie besichtigen.

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