Grundsatzrede zur US-Gesellschaft
Obama sieht Kluft zwischen Schwarz und Weiß

Die USA mitverantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September? Von diesen Äußerungen seines früheren Pastors musste sich Präsidentschaftskandidat Barack Obama dringend distanzieren. Das tat er jetzt mit einer einer Grundsatzrede zur Kluft zwischen Schwarz und Weiß – und hat sich damit sicher nicht nur Freunde gemacht.

HB PHILADELPHIA. In den USA hat der Präsidentschaftsbewerber Barack Obama seine Landsleute dazu aufgerufen, die Kluft zwischen Schwarz und Weiß endgültig zu überwinden. Dabei distanzierte sich der afroamerikanische Senator aus Illinois von den Aussagen seines früheren Pastors. Diese seien zwar nicht einfach nur kontrovers, sondern Ausdruck einer tiefgreifend verzerrten Wahrnehmung des Landes. Er könne Pastor Wright aber ebenso wenig verleugnen wie die Gemeinde der schwarzen Amerikaner.

Aus seinen Erfahrungen als Sohn einer weißen Amerikanerin aus Kansas und einem Kenianer schöpfe er aber die feste Zuversicht, dass die seit Jahren bestehende Rassenkluft überwunden werden könne. Die Menschen könnten sich bei dieser Wahl bewusst gegen eine Politik entscheiden, die Spaltung, Konflikte und Zynismus verursache.

Demokrat Obama sah sich zu der Grundsatzrede zu dem Thema gezwungen, nachdem Predigten seines früheren Pastors auftauchten und in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgten. Darin erklärte Reverend Jeremiah Wright, dass die Anschläge vom 11. September 2001 eine Strafe für die Außenpolitik der USA gewesen seien. Zudem bezeichnete er die Regierung als Quelle von Aids und Amerika als rassistisch.

Obama sagte aber auch, er wolle den Mann, der ihn zum christlichen Glauben inspiriere, ihn traute und seine Töchter taufte, jedoch nicht verstoßen. „Ich kann ihn genauso wenig verleugnen, wie ich die schwarze Gemeinde verleugnen kann“, sagte Obama. „Ich kann ihn genauso wenig verleugnen, wie ich meine weiße Großmutter verleugnen kann.“ Diese Frau habe viele Opfer für ihn gebracht, aber auch rassistische Stereotype geäußert. Obama erinnerte an den Rassismus in den USA in der Vergangenheit und erklärte, die Wut über diese Geschehnisse entlade sich in schwarzen Kirchengemeinden oft in den Sonntagspredigten.

Obama betonte, er verstehe die Emotionen auf beiden Seiten und sprach von einem Stillstand, in dem die Gesellschaft seit Jahren gefangen sei. „Aber die Wut ist real“, sagte Obama. „Sie zu verurteilen, ohne ihre Wurzeln zu kennen, verstärkt nur die gewaltigen Missverständnisse zwischen den Rassen.“ Der Senator, Sohn eines schwarzen Vaters und einer weißen Mutter, äußert sich nur selten zu seiner Hautfarbe. In seiner Rede sprach er jedoch über Sklaverei, den Prozess gegen O.J. Simpson und die Hilfsbemühungen nach dem Hurrikan „Katrina“.

Den Titel für seine Rede „Eine perfektere Union“ entlieh sich Obama aus einem Vorwort des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln zur Verfassung, der damit 1861 gegen eine Teilung des Landes in Nord- und Südstaaten eintrat. Obama wäre der erste schwarze US-Präsident.

Seine parteiinterne Rivalen Hillary Clinton begrüßte es, dass sich Obama im Wahlkampf mit dem Thema Rasse befasste. Sie kenne seine Rede zwar nicht, aber auch schwierige Themen wie Rasse und Geschlecht müssten angesprochen werden, sagte die ehemalige First Lady.

Clinton wäre die erste Frau an der Spitze der USA. Am Dienstag erhielt sie Unterstützung eines führenden Kongressabgeordneten ihrer Partei. Der Irak-Kriegs-Gegner John Murtha aus Pennsylvania bezeichnete Clinton als am besten geeignet, um die Fragen rund um den Krieg und die US-Wirtschaft zu lösen.

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