Gruner + Jahr baut den Vorstand um
Kundrun stärkt Auslandsgeschäft

Bernd Kundrun, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Verlagshauses Gruner+Jahr, verjüngt den Vorstand und ordnet die Zuständigkeiten neu. Damit will der 45-jährige Manager die internationale Expansion in den USA und Frankreich sowie den Ausbau der Wirtschaftspresse durch strategische Allianzen vorantreiben.

HAMBURG. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir im nächsten Jahr in den USA einen wirklich großen Publikumstitel starten, der aber auf Grund der Anlaufverluste die Umsatzrendite kurzfristig belasten könnte", kündigt Kundrun gegenüber dem Handelsblatt an.

Dennoch strebt die Bertelsmann - Tochter eine Umsatzrendite von 10 % an. "Aber dabei wollen wir noch über ausreichend Reserven verfügen, um in jedem Jahr einen zweistelligen Millionen-Eurobetrag in neue Titel zu investieren", betont der G+J-Chef. Im 1. Halbjahr 2003 hatte der Verlag seine Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Goodwill-Abschreibungen (Ebita) gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 9 % (8,4 %) verbessert. Absolut hatte der Konzern bei einem Umsatz von 1,24 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis von 112 Mill. Euro erwirtschaftet. Im Hamburger Verlag erscheinen unter anderem der "Stern", "Geo", "Capital" sowie die "Financial Times Deutschland."

Der künftige Vorstand sieht wie folgt aus: Thorsten-Jörn Klein, 39, bis 31. August 2003 Geschäftsführer des Berliner Verlags, ist ab Anfang nächsten Jahres für das internationale Zeitschriftengeschäft verantwortlich. Einzige Ausnahmen sind hierbei Frankreich und USA. Die Länder werden weiterhin durch Vorstand Axel Ganz, 66, betreut, der bislang das gesamte internationale Zeitschriftengeschäft führte.

Mit dieser neuen Aufteilung soll Ganz entlastet werden, um sich voll auf den Ausbau der beiden ausländischen Kernmärkte USA und Frankreich zu konzentrieren. Denn Gruner+Jahr plant hier mehrere neue Objekte. "Bei der Prisma Presse in Frankreich wollen wir eine Innovationsoffensive starten", betont Kundrun.

Das internationale Geschäft spielt für das Verlagshaus eine wichtige Rolle. Denn der Verlag besitzt einen Auslandsumsatzanteil von 63 %. Dieser soll mittelfristig zunehmen, da Kundrun sich im Ausland weiteres Wachstum erhofft. Grund hierfür könnte auch sein, dass der deutsche Markt im vergangenen Jahr eine der größten Werbekrisen seit dem Zweiten Weltkrieg erlebte und sich erst langsam wieder erholt.

Mit dem Umbau verstärkt der G+J-Chef auch die Position von Achim Twardy: Er übernimmt - neben seiner Zuständigkeit für das Zeitungsgeschäft - zum 1. Oktober die operative Verantwortung für die Wirtschaftspresse in Deutschland sowie die weltweite Koordination der Wirtschaftstitel. Hintergrund ist, dass G+J hier wieder Expansionschancen wittert. "Ich schließe neue Titel nicht aus. Ich glaube, dass die Wirtschaftspresse ein prozyklisches Segment ist. Wir haben den Boden dort erreicht und können jetzt wieder hier mit einem kleinen Schuss Optimismus rangehen", sagt Kundrun.

Verstärken will der G+J-Chef das Wachstum durch Kooperationen. "Achim Twardy soll auch strategische Allianzen mit anderen Verlagshäusern ausloten, die sich auf Wirtschaftspresse fokussieren", betont Kundrun. Er verweist dabei auf Wettbewerber wie Dow Jones oder Bloomberg, die ihre internationale Präsenz sukzessive ausgeweitet haben. Gruner+Jahr gibt beispielsweise zusammen mit der britischen Pearson-Gruppe die "Financial Times Deutschland" (FTD) heraus.

Das deutsche Zeitschriftengeschäft (ohne Wirtschaftstitel) legt Kundrun in die Hände von Bernd Buchholz, 41. Der Verlagsgeschäftsführer der Stern/Geo-Gruppe soll ab Januar 2004 hier die bereits ankündigte Innovationsoffensive umsetzen und neue Magazintitel entwickeln. Buchholz löst Rolf Wickmann ab, der sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Wickmann soll bis zum 31. März 2008 die G+J-Beteiligungen betreuen.

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