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Gruner + Jahr-Chef übergibt Konzern mit Rekordumsatz

Reuters HAMBURG. Das Verlagshaus Gruner+Jahr mit seinem Flaggschiff "Stern" hat seinen Gewinn 1999/2000 nur dank außerordentlicher Erträge steigern können.

Der scheidende Vorstandschef Gerd-Schulte Hillen sagte am Donnerstag in Hamburg, einschließlich eines Sondereffekts aus dem Börsengang des Internetanbieters Lycos Europe und dem Verkauf der Regionalzeitungen in Ungarn sei mit 751 Mill. DM das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt worden. Ohne den auf 146 Mill. DM bezifferten Sondereffekt ging das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aber auf 605 nach 610 Mill. DM im Vorjahr zurück.

Der Jahresüberschuss verringerte sich den Angaben zufolge ohne Sondereinflüsse um 9,4 % auf 405 Mill. DM. Inklusive der Sondereffekte erhöhte sich der Gewinn auf 551 (447) Mill. DM. Ohne Großprojekte wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) und "National Geographic" sowie Anlaufkosten im Multimediabereich hätte G+J noch bessere Zahlen ausweisen können, betonte Schulte-Hillen. So verringerte sich die Umsatzrendite auf Ebit-Basis auf 10,5 von 11,3 %. Zugleich nahm der Cash Flow, in dem die Finanz- und Ertragskraft zum Ausdruck kommt, um gut 20 % auf 883 Mill. DM zu.

Nach den vorläufigen Zahlen erhöhte sich der Umsatz auf 5,77 (Vorjahr 5,4) Mrd. DM. Mit Ausnahme der Zeitungssparte, in der die verkaufte "Hamburger Morgenpost" nicht mehr konsolidiert wird, verbuchten alle Unternehmensbereiche Umsatzzuwächse. Mit 58 % kam der größte Teil des Umsatzes aus dem Ausland, und dort vor allem aus den USA.

G+J profitierte den Angaben zufolge von einem sehr guten Anzeigengeschäft und steigerte die Anzeigenerlöse dadurch um fast zehn Prozent auf 2,4 Mrd. DM. Die Vertriebserlöse erhöhten sich um 2,2 % auf 1,8 Mrd., während die Druckereierlöse um 7,6 % auf gut eine Milliarde Mark zunahmen. Die Mitarbeiterzahl verringerte sich um 3,5 % auf 12 130.

G+J-Zeitungsvorstand Bernd Kundrun, der Schulte-Hillen Ende Oktober an der Unternehmensspitze beerben soll, machte deutlich, dass Rekordinvestitionen in Print und Online das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres erheblich belasten werden. "Wir werden dieses Jahr mehr als je zuvor investieren", betonte Kundrun.

Gleichzeitig will G+J bei sich bietender Gelegenheit auch Zukäufe tätigen. Kundrun sagte, durch die Globalisierung versuchten auch im Medienbereich immer mehr Unternehmen durch Übernahmen und Zusammenschlüssen Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Dadurch entstünden neue Wettbewerber. Zugleich böten sich aber auch "neue Chancen, die eigenen Position durch Zukäufe zu verbessern". Als internationales Verlagsunternehmen sei G+J diesbezüglich prädestiniert, sagte Kundrun.

Kundrun sagte weiter, er rechne mit einer weiteren Fragmentierung der Medien. Das Wachstum, sowohl bei der Anzahl der Titel, als auch bei den Auflagen und im Anzeigengeschäft gehe zunehmend von Titeln aus, die immer kleinere Zielgruppen anpeilten. Für G+J ergebe sich dadurch die Notwendigkeit, "die Taktzahl" bei der Einführung so genannter Special-Interest-Zeitschriften und Online-Angebote weiter zu erhöhen.

Die FTD erzielt nach Schulte-Hillens Worten mit 57 400 verkauften Exemplaren die Hälfte der für das Erreichen der Gewinnschwelle angepeilte Auflage von 120 000. Dieses Ziel soll in vier bis fünf Jahren erreicht werden. Mit einer Auflage von rund 1,1 Mill. verkauften Exemplaren sei der "Stern" weiter der umsatz- und ertragsstärkste Zeitschriftentitel bei G+J.

Schulte-Hillen soll den Aufsichtsratsvorsitz der Bertelsmann AG übernehmen, wenn er den Vorstandsvorsitz bei Gruner+Jahr Ende Oktober abgibt. Gruner+Jahr gehört zu knapp 75 % zu dem Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann und zu 25,1 % der Gründer-Familie Jahr.

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