Gruppe D im Teamcheck
Der Hiddink-Faktor

In Gruppe D treffen Titelverteidiger Griechenland, Schweden, Russland und Spanien aufeinander. Für die drei Letzteren gilt: Erfolgreiche Turnierauftritte waren in den vergangenen Jahren ihre Sache nicht. Und alle wollen das endlich ändern. Die Spielphilosophien, mit denen das Quartett das „Unternehmen Euro 2008“ angeht, könnten jedoch unterschiedlicher kaum sein.

Schweden: Organisation ist alles

Der letzte große Erfolg der Schweden liegt lange zurück: 1992 stießen sie im eigenen Land bis ins Halbfinale vor, mussten sich dort aber den Deutschen geschlagen geben. Bei der vergangenen EM war im Viertelfinale Schluss, genau wie bei der WM vor zwei Jahren. Auch dort hieß der Gegner wieder Deutschland, und die biederen Schweden hatten wenig entgegenzusetzen.

Seit der letzten WM hat sich die Mannschaft kaum verändert: Torhüter Isaaksson steht zwischen den Pfosten, davor Abwehrchef Olof Mellberg. Im Mittelfeld ziehen Unterwäsche-Model Fredrik Ljungberg, der junge Kim Källström und Tobias Linderoth die Fäden. Vorne vertrauen die Schweden auf Routinier Henrik Larsson und Zlatan Ibrahimovic. Letzterer darf sich seit kurzem über den Titel „best bezahlter Fußball-Profi“ freuen: Bei seinem Verein Inter Mailand verdient er künftig 12 Millionen Euro – pro Saison. In der vergangenen Spielzeit netzte der Schwede 17 Mal ein. In der Nationalmannschaft klappte das zuletzt nicht mehr so gut: Ibrahimovics letzter Treffer datiert von Oktober 2005.

Auch das noch ...
„Kontinuität“ heißt der Schlüssel zum schwedischen Fußball. Auch der Trainingsanzug, mit dem Coach Lars Lagerbäck zwischen den Anzug gewandeten Team-Chefs herausstechen wird, ist Ausdruck dieser Kontinuität. Zugleich ist der Dress Polyester- gewordenes Symbol der schwedischen „lagom“-Mentalität, was „normal“ meint. Und „lagom“ erwarten auch die Fans von ihrer Elf, deren Anteil an Spielern mit Migrationshintergrund (zwölf Prozent) exakt dem des Landes entspricht. Verzicht auf Eigenlob und die stillschweigende Einfügung in das altvertraute 4-4-2-System gehören dazu. Weshalb das südländische Temperament der drei Spieler ausländischer Eltern, vor allem aber das von Angreifer Ibrahimovic, die schwedischen Massen polarisiert.

ths



Der Trainer ist auch noch derselbe wie 2006: Lars Lagerbäck, der mit Vorliebe das schwedische Spiel mit den Worten „Solidarität“ und „Kollektiv“ beschreibt. Er gilt als eher vorsichtiger Taktiker, der auf eine gute Organisation setzt. In die EM-Qualifikation starteten die Schweden gut, kamen dann aber ins Straucheln.

Trotz den taktischen Vorlieben von Trainer Lagerbäck liegt die Stärke der Schweden eindeutig in der Offensive. Ibrahimovic, Ljungberg und auch der unverwüstliche Larsson können für ein hohes Maß an Torgefahr sorgen, wenn sie in Form sind. Probleme bekommen die Schweden, wenn sie unter Druck gesetzt werden und wenn schnell gespielt wird: Von Abwehrchef Mellberg abgesehen mangelt es an Abwehrspielern von internationalem Format.

Problematisch könnte auch der Zusammenhalt innerhalb des Teams sein: Ibrahimovic gilt als Diva, 2006 gab es Gerüchte über Prügeleien in der schwedischen Kabine. Das letzte Testspiel vor der EM gegen die Ukraine ging mit 0:1 daneben. Schweden war hinten schwach und vorne harmlos. Die schwedischen Zuschauer quittierten den lahmen Kick mit Pfiffen.



Die Handelsblatt.com-Prognose:
Es wird eng für die Schweden. Zwar ist das Team eingespielt, aber Spieler wie Ibrahimovic oder Ljungberg sind nach langen Verletzungen noch nicht wieder in Bestform. Die Defensive ist der Schwachpunkt der Schweden. Wenn es den Schweden gelingt, ihr Heil in der Offensive zu suchen, ohne hinten unterzugehen, könnten sie beim Kampf um Platz zwei eine Chance haben. Unsere Einschätzung: Turniere werden in der Abwehr gewonnen. Die Schweden fahren nach der Vorrunde nach Hause.

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