Gruppe D
Tiqui-Taqua mit den Kurzen

Viel taktische Arbeit, wenig körperliches Training: Das spanische Team pflegt einen attraktiven Spielstil und hat herrausragende Einzelkönner in seinen Reihen- aber verfügt es auch über die nötige Wettkampfhärte?

INNSBRUCK. Das mit dem Geheimtraining ist in den Bergen so eine Sache. Luis Aragonés, Trainer der spanischen Nationalmannschaft, hat die bei anderen EM-Teilnehmern tagesübliche Maßnahme am Sonntag zum ersten Mal ausprobiert - mit mäßigem Erfolg. Journalisten und Fans kletterten einfach auf die Hügel des Stubaitals, und nach kurzen Diskussionen erkannten auch die Tiroler Polizisten, dass selbst das von ihnen vorgebrachte Uefa-Recht den Aufenthalt in der Natur nicht untersagen kann. Die wahrscheinliche Formation der Spanier im Auftaktmatch heute gegen Russland ist nun kein Geheimnis mehr.

Daneben observierten die Beobachter nicht viel anderes als in den vergangenen Tagen. Viel taktische Arbeit, wenig körperliches Training. Entgegen dem Fitnesskult bei dieser EM üben die Spanier vor allem am Ball, anders gesagt: Sie perfektionieren ihre Stärken, anstatt sich zu ausgiebig mit den Schwächen zu beschäftigen. Über die Physis nämlich, so viel ist klar, wird Spanien nicht Europameister - als einziges Team bei dieser Euro weist der Kader eine Durchschnittsgröße von unter 1,80 Metern auf. Und anstatt zu grätschen, wird lieber der Ball laufen gelassen.

Wenn sie heute einen guten Tag hat, wird die seit 16 Partien ungeschlagene und als Mitfavorit gehandelte "selección" einen anderen Fußball zeigen, als man ihn bisher bei diesem Turnier gesehen hat. Schnelles, vertikales Spiel lautet anderswo das Credo der Stunde, die Spanier hingegen kultivieren den Ballbesitz als zentrales strategisches Mittel. Lieber mal hinten rum spielen, als einen sinnlosen Steilpass zu riskieren. Läuft die Maschine, hat die wacklige Abwehr kaum Arbeit, weil der Gegner kaum den Ball hat, während vorn Angriffe zustande kommen wie in der Qualifikation gegen Dänemark. Da vollendete der Verteidiger Sergio Ramos eine Ballstaffette über 28 Stationen und 1,13 Minuten zum Tor.

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